14. Februar 2018 / 15:28 Uhr

Keine Lust auf die Europa League: In Neapel träumen alle von der Meisterschaft

Keine Lust auf die Europa League: In Neapel träumen alle von der Meisterschaft

Anne Grimm
Neapel - die Stadt Maradonas (Anne Grimm) (3)
Das Idol Diego Maradona prägt das Bild der Stadt Neapel.
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Minuskulisse, B-Elf und voller Fokus auf die erste italienische Meisterschaft seit knapp 30 Jahren. In Neapel interessiert sich kaum einer für die Europa League und RB Leipzig.

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Neapel. Einen Tag vor dem Spiel gegen RB Leipzig herrscht gähnende Leere im Fanshop des SSC Neapel. Eine hilfsbereite Verkäuferin zeigt auf dem Bildschirm ihres Computers, dass sie bisher nur 8645 Tickets für die Partie in der Zwischenrunde der Europa League verkauft hat. Marcelo, der mit seinem ganzen Herzen am Verein aus Süditalien hängt, steht allein am Verkaufstresen und sagt: „Ich werde morgen nicht im Stadion sein. Weil es spät ist und meine Kinder klein sind. Aber vor allem, weil das Spiel nicht wichtig für uns ist.“

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Taxifahrer Ricardo, der beim Thema Fußball so richtig ins Plaudern kommt, sieht das ähnlich: „Das Einzige was für uns momentan zählt, ist die Meisterschaft.“ 28 Jahre nach dem letzten großen Triumph in der italienischen Serie A träumen die Fans des aktuellen Tabellenführers vom großen Coup. Endlich wieder einmal den Erzrivalen und Serienmeister Juventus Turin hinter sich lassen, das ist das große Ziel. Doch das Rennen um den Titel ist eng, nur ein Punkt trennt beide Teams.

Mehr zu: Der SSC Neapel vor dem Duell gegen RB Leipzig

Deshalb ist in Neapel kein Platz für den europäischen Wettbewerb, die als zweitklassig verschriene Europa League. SSC-Trainer Maurizio Sarri kündigte an, Spieler aus seinem kleinen Kader zu schonen. „Sie werden mit einer B-Elf antreten und die jungen Leute einsetzen“, sagt Bruno, dem die bekannteste Maradona-Bar in Neapels Altstadt gehört. Dort hängt ein Altar des Argentiniers an der Wand, mit echten Haaren der Fußballlegende sowie einem Autogramm.

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Sieben Jahre trug Maradona das Neapeltrikot mit der Nummer zehn, verhalf dem Verein zu einer wahren Titelflut mit zwei Meisterschaften, dem Triumph im Uefa-Pokal sowie im italienischen Pokal. Maradona wird in der Millionenmetropole bis heute verehrt, ja sogar vergöttert.

Barbesitzer Bruno erinnert sich gerne an die alten Zeiten zurück. Er war sogar live dabei, als Neapel 1989 Lokomotive Leipzig auf dem Weg zum Titel aus dem europäischen Wettbewerb warf. In dieser Saison interessiert ihn die Europa League allerdings nicht. Zumal am Donnerstag (21.05 Uhr) gegen RB Leipzig namhafte Akteure fehlen. Toptorschütze Dries Mertens ist gesperrt. Rekordspieler Marek Hamsik plagt sich wie drei weitere Neapolitaner mit Beschwerden herum. Bis zu sieben Stammkräfte werden nicht dabei sein, glaubt Bruno.

Knapp 30 Jahre nach der Ära Maradona ist in Neapel die Zeit für neue Helden gekommen, sollen wieder endlose Fußballfeste gefeiert werden. Marcelo, für den der Sport so etwas wie eine Religion ist, prophezeit: „Wenn sie Meister werden, machen wir hier ein Jahr Urlaub“. Der Fußballanhänger verlässt mit einem breiten Grinsen den Laden. Nun traut sich auch die Ticketverkäuferin zu sagen, dass wohl nicht viel mehr als 10.000 Fans am Donnerstagabend im Stadio San Paolo sein werden, obwohl eigentlich 60.000 Zuschauer hineinpassen. Dann haben zumindest die 1500 Schlachtenbummler aus Leipzig gute Chancen, einen stimmgewaltigen Eindruck in Süditalien zu hinterlassen.

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