10. Juli 2018 / 23:22 Uhr

Kerber und Görges im Halbfinale: Gelingt die deutsche Wimbledon-Sensation?

Kerber und Görges im Halbfinale: Gelingt die deutsche Wimbledon-Sensation?

Petra Philippsen
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Angelique Kerber und Julia Görges stehen im Halbfinale von Wimbledon.
Angelique Kerber und Julia Görges stehen im Halbfinale von Wimbledon. © imago/Getty
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Die deutschen Tennis-Frauen sind im All England Club obenauf. Nach den Siegen im Viertelfinale fehlt nur noch ein Schritt zum ganz großen Coup: dem deutschen Finale zwischen Angelique Kerber und Julia Görges.

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Früh morgens, wenn Angelique Kerber im All England Club ankommt, ist noch alles ruhig. Keine Zuschauer, kein wuseliges Treiben, keine Hektik. Einer der honorigen Stewards erwartet sie dann bereits vor der holzgetäfelten Tür zu jener Umkleide, die ausschließlich den besten 16 Spielerinnen der Welt vorbehalten ist, mit einem freundlichen „Good morning, Miss Kerber“ und lässt sie hinein ins Allerheiligste. Kerber weiß, dass es eigentlich ein bisschen unfair ist den übrigen Spielerinnen gegenüber. Und doch muss sie zugeben: „Ich genieße es schon.“

Die Einzel-Berichte

Der ehrwürdige Traditionsklub an der Londoner Church Road scheut sich nicht, auch weiterhin eine Art hierarchisches Kastensystem zu betreiben, das nur den Erfolgreichen allerlei Privilegien verschafft. So gibt es für die besten 16 Spielerinnen Einzelkabinen statt Gemeinschaftsduschen, dazu großzügige Badewannen zum Entspannen, extra abgestellte Physiotherapeuten und Personal, das frisches Obst reicht. Kerber geht es jedoch nicht um die Annehmlichkeiten. Ihr gefällt es so gut, weil sie dort ihre Ruhe hat. Das ist das Wichtigste für sie bei einem Tennisturnier. Ruhe.

Kerber ist auf einmal Titelfavoritin

Mit der Ruhe ist es langsam vorbei. Die Kielerin steht seit Dienstagnachmittag im Halbfinale und ist auf einmal Titelfavoritin in Wimbledon. „Ich möchte mich nur auf mich konzentrieren, auf jedes Spiel und nicht zu weit vorausschauen“, sagt Kerber, die nicht gern so im Fokus steht. Aber die Art und Weise, mit der sie gestern im schwierigen Viertelfinale gegen Daria Kassatkina die Nerven bewahrte und mit 6:3 und 7:5 gewann, macht Kerber tatsächlich zur größten Herausforderin von Serena Williams, die ebenfalls ins Halbfinale einzog.

Angelique Kerber: Ihre Karriere in Bildern

Angelique Kerber ist die vielleicht beste deutsche Tennis-Spielerin. Die Kielerin gewann bereits mehrere Grand Slams und hält sich seit Jahren in der Weltspitze des Tennis. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeichnet die Stationen ihrer Karriere nach. Zur Galerie
Angelique Kerber ist die vielleicht beste deutsche Tennis-Spielerin. Die Kielerin gewann bereits mehrere Grand Slams und hält sich seit Jahren in der Weltspitze des Tennis. Der SPORTBUZZER zeichnet die Stationen ihrer Karriere nach. ©
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Sie trifft dort auf die zweite Deutsche, die gestern für Furore sorgte: Julia Görges. Die 29-Jährige aus Bad Oldesloe gewann ihr erstes Viertelfinale bei einem Grand Slam mit 3:6, 7:5 und 6:1 gegen die Niederländerin Kiki Bertens. „Wow, es ist einfach unglaublich, dass ich es ins Halbfinale geschafft habe“, staunt sie. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin nach dem verlorenen ersten Satz ruhig geblieben.“

Im zweiten Durchgang führte die Weltranglisten-13. mit 4:1, verspielte dann den Vorsprung, rettete sich mit Mühe in Satz drei. Doch dann dominierte Görges das Match und stürmte ins Halbfinale. Die Freude könnte allerdings am Donnerstag schon enden; dann wartet im Halbfinale die siebenmalige Wimbledon-Siegerin Serena Williams auf sie. „Jedes Match beginnt bei null“, macht sich Görges Mut, doch sie hat noch nie gegen die Ausnahmespielerin gewonnen.

Kerber-Gegnerin: „Ich spiele wie eine Künstlerin“

Als Kerber ihr Match gegen Kassatkina zuvor auf dem Centre-Court gewonnen hatte, sich am Netz mit ihrer Gegnerin in den Armen lag, waren die 15 000 Zuschauer von ihren Sitzen aufgesprungen, hatten frenetisch applaudiert. Beide hatten anderthalb Stunden lang mitreißendes, spektakuläres und vor allem hochklassiges Rasentennis geboten. Kassatkina ist mit ihren 21 Jahren eines der neuen, spannenden Gesichter der Frauentour, und die junge Russin sagt von sich selbst: „Ich spiele wie eine Künstlerin und das mit Herz.“

Ranking: Die Preisgeld-Könige unter den Tennisspielern

Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic haben insgesamt schon weit über 300 Millionen US-Dollar an Preisgeld kassiert. Mit Sponsorenverträgen und Antrittsgeldern verdienen die Profis allerdings teilweise noch viel mehr. Der SPORTBUZZER zeigt die aktiven Preisgeld-Könige des Tennissports zum Durchklicken. Zur Galerie
Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic haben insgesamt schon weit über 300 Millionen US-Dollar an Preisgeld kassiert. Mit Sponsorenverträgen und Antrittsgeldern verdienen die Profis allerdings teilweise noch viel mehr. Der SPORTBUZZER zeigt die aktiven Preisgeld-Könige des Tennissports zum Durchklicken. ©

Sie kann die Bälle zwar auch sehr hart schlagen, besonders gefährlich macht sie jedoch die unglaubliche Fülle an Variationen in ihrem Repertoire. Stopps aus dem Nichts, butterweiche und doch unerreichbare Passierbälle, ansatzloses Winkelspiel, gefühlvolle Lobs und dann wieder Powerschläge – die Weltranglisten-14. gab ihre freche Spielweise noch einmal als „Best-of“ zum Besten, als sie die ersten sechs Matchbälle Kerbers furios abwehrte. Nach sechs Breaks im zweiten Satz hatte Kerber wieder die Oberhand, verzweifelte aber am Ende fast. Die Zuschauer johlten vor Begeisterung, „aber ich habe versucht, nicht daran zu denken, dass es Matchbälle sind“, sagte Kerber später, „und mich bis ans Limit gepusht“.

Beim siebten Matchball kam ihr Kassatkina dann doch mit einem Fehler zu Hilfe, nach 2012 und 2016 steht Kerber wieder im Halbfinale von Wimbledon. Dort wartet mit Jelena Ostapenko eine weitere knifflige Gegnerin mit viel Spielwitz. „Gegen sie habe ich noch nie gespielt, ich muss mich sehr gut vorbereiten“, sagt Kerber, „aber egal, gegen wen ich spielen muss, ich werde mein Bestes geben müssen.“

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