Immer mehr kleine Stadien und Fußballplätze liegen direkt neben Wohnsiedlungen. © imago

Klagewelle durch Anwohner: Ist Fußball zu laut?

Vielen Amateur-Vereinen drohen durch Klagen genervter Anwohner schwerwiegende Konsequenzen. Bei manchen geht es gar um die Existenz.

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Fußball ist ein emotionaler Sport und so kann es auf dem Rasen gerne mal laut werden. In den dicht bebauten Städten wird das immer mehr zum Problem. Viele Anwohner fühlen sich durch Training und Spiele der Fußball-Vereine auf benachbarten Plätzen gestört und gehen mit Klagen gegen den Lärm vor.

Das hat schwerwiegende Konsequenzen für die Amateur-Clubs: Mannschaften müssen abgemeldet werden, weil abends nicht mehr trainiert werden darf, Spiele können - wenn überhaupt - nur noch an bestimmten Tagen ausgerichtet werden und einigen Vereinen droht gar die Auflösung.

"Für viele geht es um eine existenzielle Frage"

Besonders schlimm ist die Situation in den Großstädten oder Ballungsgebieten wie im Rheinland. "Die Lage im Rhein-Ruhr-Gebiet ist explosiv", erklärte Achim Haase vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen im Gespräch mit den "Ruhrnachrichten". Im schlimmsten Fall seien bis zu 70 Prozent der Sportplätze betroffen. "Dann wäre das Sporttreiben nicht mehr möglich."

Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel hat das Problem erkannt. "Es geht für viele Vereine um eine existenzielle Frage", urteilte Grindel und forderte die Politik zum Handeln auf: "Die Länder sollten gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium dafür sorgen, dass die Änderungen der Lärmschutzvorschriften zügig im Bundesrat verabschiedet werden."

Mit dem einstigen Bundesligisten SC Paderborn wurde sogar schon ein Profi-Club mit einer Klage wegen Lärmbelästigung konfrontiert. Das Gericht gab den Klägern Recht und verordnete, dass im Stadion des Vereins nach 22 Uhr kein Fußball mehr gespielt werden darf. Und so bestritt Paderborn nach dem Aufstieg nicht ein Spiel unter Flutlicht.

Politische Lösung nicht in Sicht

Besonders schwierig gestaltet sich die Lage bei Kunstrasenplätzen. Viele Vereine erneuern ihre Plätze, die durch den Kunstrasen belastbarer werden. Der Haken: Laut Gesetz gelten diese Plätze dann als Neubauten. Damit verlieren sie ihren Status als Altanlagen, die rechtlich geschützt sind. Klagt ein Anwohner nun wegen der Lärm-Belastung, stehen die Chancen gut, dass die Vereine mit strengen Auflagen konfrontiert werden.

So traf es den Hamburger Club Teutonia 05 besonders schwer. Für viel Geld verlegte der Verein einen Kunstrasen und hoffte dadurch auf bessere Trainings- und Spielbedingungen. Stattdessen führte die Klage einer Anwohnerin dazu, dass sowohl Trainings- als auch Spielzeiten begrenzt wurden. Für einige Mannschaften des Vereins bedeutet das, dass sie keine Heimspiele mehr ausrichten können.

Eine Lösung ist allerdings noch nicht in Sicht. Unter den Ländern herrscht Uneinigkeit, manche stellen sich einer bundesweiten Regelung entgegen und wollen selbst entscheiden können. Wann und ob eine Entscheidung zu Gunsten des Sports getroffen wird, bleibt abzuwarten.

Fussball Bundesliga Region/National SC Paderborn 07 (Herren)

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