170930OBSVWCFC202 Immer zielführend: Florian Kohfeldt dirigiert die Abläufe bei Werders U 23. © hansepixx.de (Oliver Baumgart)
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Kohfeldt: "Wir wollen uns ein Stück weit abheben"

Werders U23-Trainer Florian Kohfeldt zieht nach einem Jahr beim Drittliga-Team eine Zwischenbilanz

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Herr Kohfeldt, ein Jahr im Amt ist ein Anlass zu einem Fazit. Wie fällt das in Ihrem Fall aus?

*Florian Kohfeldt: *Grundsätzlich positiv. Vor einem Jahr war es eine komplett neue Situation für mich, Cheftrainer einer Herrenmannschaft im Profibereich zu sein. Ich kann festhalten, dass ich es sehr gerne mache und das Gefühl habe, der Herausforderung gewachsen zu sein. Außerdem macht es mir viel Spaß, mit unserem Team zu arbeiten. Was das Sportliche betrifft, ist es schwer, über sich selbst zu reden. Es gab viele Aufs und Abs. Aber wir haben unsere Ziele erreicht, die 3. Liga gehalten, und mit Maximilian Eggestein einen Spieler im Profikader etabliert, einige andere sind dazu näher herangerückt. Es war ein sehr forderndes und anstrengendes Jahr, aber man kann ein sehr positives Fazit ziehen.

Sie sprachen noch zum Jahreswechsel von einem Traumjob. Ist es dabei geblieben?

Absolut, ohne Wenn und Aber.

Und trotzdem haben Sie sich vermutlich entwickelt in diesem Jahr?

Ich glaube, dass ich mit gewissen Dingen ein Stück weit gelassener umgehe. Ansonsten ist das für mich schwer zu bewerten. Ich hoffe aber, dass der Umgang mit den Spielern gleich geblieben ist: Ich versuche immer, den Leistungsgedanken mit dem größtmöglichen gegenseitigen Respekt zu vermitteln. Ich muss sportliche Entscheidungen treffen, sicher auch harte, aber es sollte dabei immer menschlich bleiben.

Wie hat sich Ihre Mannschaft in diesem einen Jahr entwickelt?

Wir haben eine bestimmte Vorstellung, wie die Mannschaft auf dem Feld spielen und auftreten soll, und wollen uns damit auch von den anderen Mannschaften in der Liga ein Stück weit abheben. Wir entwickeln uns da ständig weiter, sind auf einem guten Weg und viel Dinge gefallen mir schon sehr gut.

Trotz der zuletzt sieben sieglosen Spiele wirkt Ihr Team insgesamt jedenfalls stabiler.

Das freut mich, wenn das so wahrgenommen wird. Aber es ist keine Phrase: Das müssen wir jede Woche bestätigen. Wir haben meist gute Leistungen gezeigt und hatten in jedem Spiel unsere Chancen. Eine Garantie für positive Ergebnisse ist das aber nicht, wie man in den vergangenen Wochen gesehen hat.

Stört es Sie eigentlich, wenn von Ihnen auch heute noch als Trainertalent gesprochen wird?

Nein. Talent ist ja ein positiv besetzter Begriff. Er impliziert, dass man erwartet, dass sich etwas entwickelt. Das ist doch besser, als wenn man mir gar kein Talent attestiert (lacht).

Sie wirken heute noch ein bisschen kontrollierter und scheinen an Souveränität gewonnen zu haben. Ist das jetzt ein Merkmal des Trainers Florian Kohfeldt?

Souveränität ist schon ein erstrebenswertes Ziel, auch für uns als Mannschaft. Weil sie immer für eine angemessene Reaktion steht. Natürlich denke ich in manchen Spielen auch mal: Was passiert hier? Aber ich versuche, in der Öffentlichkeit und vor der Mannschaft immer zielführend zu sein. Man sollte sein Handeln ja immer damit vergleichen: Warum machen wirdas, was bringt es uns? Wenn das souverän wirkt, dann finde ich es gut.

Aber bleibt man bei einer so kontrollierten Ausstrahlung auch authentisch?

In der Kabine werden schon auch ein paar sehr harte Worte gesprochen. Aber ich bin so lange authentisch, wie ich mein Ziel verfolge und versuche zu machen, was die Situation erfordert.

Als Sie vor einem Jahr antraten, wollten Sie Ihre Spieler einerseits mitnehmen, haben andererseits aber auch auf die Eigenverantwortung gesetzt. Wie sieht es damit heute aus?

Absolut. Es ist noch ausgeprägter, weil die Spieler heute noch viel mehr wissen wollen, welchen Fußball wir spielen. Insbesondere bei persönlichen Zielen ist es unabdingbar, die Spieler mitzunehmen. Das ist dann der Ausdruck eines persönlichen Verhältnisses. Was die Mannschaft betrifft, gibt es einen ausgewählten Kreis von Spielern, die wir regelmäßig einbinden.

Sie meinten damals auch: Ich habe gern den Ball. Ließ sich diese offensive Ausrichtung in der 3. Liga umsetzen?

Ich glaube schon, dass wir unsere Anteile an der Spielkontrolle erhöht haben und mutiger auftreten. Insofern lässt sich das schon umsetzen, auch in der 3. Liga.

Sie treten oft mit einem 3-5-2 an, einer Taktik, die weitgehend der Formation der Profis entspricht. Sind Sie davon überzeugt oder ist das eine Vorgabe von oben?

Es gibt natürlich einen Austausch, mit Alexander Nouri, Markus Feldhoff und vor allem Frank Baumann. Eine Vorgabe gibt es aber nicht, wir haben ja auch schon mit einer Viererkette gespielt. Das ist immer abhängig von unserer Situation. Im Moment haben wir einige sehr talentierte Innenverteidiger, und deshalb ist die Dreierkette der richtige Weg.

Vor gut einem Jahr saßen Sie noch als Co-Trainer auf der Bank der Profis, ehe im September das komplette Trainerteam ausgewechselt wurde. Wie haben Sie Ihre alte Mannschaft unter Alexander Nouri bislang erlebt?

Ich habe mich sehr gefreut über die Entwicklung in der Rückrunde der letzten Saison. Das war doch für den gesamten Verein eine sehr schöne Phase.

Sie meinten 2016, die Bundesliga sei schon okay, aber es wäre auch nicht schlecht, mal aus dieser Mühle raus zu sein. Gilt das noch immer?

Die Aufgabe bei der U 23 ist eine andere, ein Stück weit entspanntere Arbeit. Es gibt noch andere Ziele neben dem Ergebnis, und sie wird medial nicht so begleitet. Sie hat schon ein anderes Anforderungsprofil, und das finde ich nach wie vor gut.

Durch Ihre Arbeit haben Sie das Interesse anderer Vereine geweckt. Haben Sie mal an einen Wechsel gedacht?

Ich habe nie über eine Veränderung nachgedacht. Meine aktuelle Aufgabe macht mir sehr viel Spaß. Und bei Werder sind so viele Leute, die ich in der täglichen Arbeit schätze, etwa Frank Baumann, Björn Schierenbeck oder Thomas Wolter. Das ist ein sehr hohes Gut, auch deshalb hat sich die Frage nach einer Veränderung bisher nie gestellt.

Seit dieser Saison wird die 3. Liga live von der Telekom übertragen. Inwieweit beeinflusst das Ihre Arbeit?

Eigentlich nicht so gravierend, es sind nur ein paar andere Abläufe. Ich finde es toll, es ist professionell gemacht und positiv für die Liga. Für die Jungs ist es auch ein Ausbildungsschritt, wenn sie nach Niederlagen vor die Kamera müssen. Insgesamt ist das eine Aufwertung, die die Liga verdient hat. Wirsind ja die einzige zweite Mannschaft. In allen anderen Städten genießt der Drittligist eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Region/Bremen Bezirk Bremen SV Werder Bremen II (Herren) 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

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