Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht, Trainer von Eintracht Braunschweig. © dpa
Eintracht-Coach

Kommentar zu Lieberknechts Wutrede: Wen meint er bloß?

Fußballer müssen sich nicht alles gefallen lassen. Aber wen genau Torsten Lieberknecht mit seiner Wut-Pressekonferenz nach dem 1:1 gegen Erzgebirge Aue meint, bleibt unklar. Ein Kommentar von Alex Leppert.

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So was hatte es gut neun Jahren Torsten Lieberknecht noch nicht gegeben: Der Trainer von Fußball-Zweitligist Eintracht Brauschweig hielt bei der Pressekonferenz nach dem 1:1 am Freitagabend gegen Erzgebirge Aue eine Wutrede, die es in sich hatte.

Dass der Coach sehr emotional ist, das ist bekannt, das gehört zum Gesamtpaket Lieberknecht nun mal dazu. Aber solch ein verbaler Rundumschlag kam völlig unerwartet. Zentrale Aussage: Die Häme, die über seine Spieler ausgeschüttet werde, kotze ihn an. „Mittlerweile gibt es mehr, die uns nicht unterstützen. Die nicht für ihren Verein da sind“, schimpfte Eintrachts Rekordtrainer mit erregter Stimme und gab Einblicke ins Innere der Mannschaft: „Das sind Profis, das weiß ich. Das sind aber auch Jungs, die eine Seele haben. Was hier ab und an immer wieder auf die Jungs einprasselt, das ist unfassbar!“

Doch es bleibt die Frage, wen oder was genau Lieberknecht eigentlich meinte. Die Fans? Die Zuschauer, die auf der Tribüne direkt hinter ihm sitzen? Den VIP-Raum? Die lokalen Leserbrief-Schreiber? Die Medien? Oder gar Mitarbeiter des Vereins? In Zeiten, in denen selbst der DFB erkannt hat, dass Kollektivstrafen nichts bringen, kann solch eine pauschale Kritik auf manche durchaus befremdlich wirken. Zumal die vereinzelten Unmutsäußerungen im Stadion nach dem Abpfiff von einem Pfeifkonzert meilenweit entfernt waren.

Dass Spieler bei technischen Fehlern ausgelacht würden, wie es Lieberknecht beschrieb („Ein Eros Dacaj macht sein erstes Pflichstpieldebüt, macht mehr als ein ordentliches Pflichtspieldebüt, macht einen Fehler, fängt dieses Stadion an zu lachen“) – das war im mit über 20.000 Zuschauern gefüllten Rund allenfalls eine Ausnahme. Gerade für Dacaj gab es sogar mehrfach Szenenapplaus.

Fotogalerie: Eintracht Braunschweig - FC Erzgebirge Aue

Lieberknecht baut eine Wagenburg auf

Auf wen also bezog sich Lieberknecht? Sicher, mit seiner Rede („Das ist meine Mannschaft und ich verteidige meine Mannschaft bis zum Schluss“) hat der Trainer mehr denn je eine Wagenburg aufgebaut: Mannschaft und Trainer halten zusammen – egal, was die da draußen so sagen. Zumindest das könnte ja ein positiver Effekt sein (falls der Zusammenhalt denn vorher nicht so gut war). Und er hat sicher den einen oder anderen zum Nachdenken darüber gebracht, in welcher Form man Kritik äußern sollte.

Bleibt abzuwarten, ob sich auch die ewigen Nörgler jetzt mehr zurückhalten oder sich sogar darin bestätigt sehen, dass die sportliche Leitung ausgetauscht werden müsse. 

Ein Zweitligist ohne Nörgler und Besserwisser im Umfeld, so was wird es freilich nie geben. Das weiß natürlich auch Lieberknecht, der trotz vielleicht etwas zu drastischer Worte zumindest ein Zeichen für angemessene Umgangsformen gesetzt hat. Denn auch hochbezahlte Profifußballer müssen sich nicht alles bieten lassen.

Eintracht Braunschweig in der Einzelkritik: So waren die Löwen gegen FC Erzgebirge Aue in Form.

Region/Peine Fussball 2. Bundesliga Eintracht Braunschweig (Herren)

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