15. November 2017 / 06:00 Uhr

Kommentar zum Italien-Debakel: Es ist Zeit für einen Neuanfang

Kommentar zum Italien-Debakel: Es ist Zeit für einen Neuanfang

Sebastian Harfst
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Italiens Nationalkeeper Gianluigi Buffon hat seine Karriere in der italienischen Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel beendet. Ein Debakel, das die wahren Probleme der Nation offen legt, meint Sebastian Harfst.
Italiens Nationalkeeper Gianluigi Buffon hat seine Karriere in der italienischen Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel beendet. Ein Debakel, das die wahren Probleme der Nation offen legt, meint Sebastian Harfst. © imago
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Buffons Tränen, Italiens Tränen: Das vorzeitige WM-Aus der italienischen Nationalmannschaft hat weitreichende Folgen. Durch die Niederlage wird klar, wie schlecht es dem Land aktuell auch außerhalb des Fußballs geht. Ein Kommentar von SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst.

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Der Torhüter, ein gestandener Mann von 39 Jahren, eine Legende des Fußballs, war sich sofort im Klaren darüber, welche Folgen diese Blamage für sein Land haben dürfte. „Es tut mir nicht für mich persönlich leid, sondern für die ganze Mannschaft und das ganze Land. Wir haben etwas verpasst, dass auf so verschiedenen Ebenen viel bedeutet hätte“, sagte Gianluigi Buffon nach der verpassten Qualifikation der italienischen Nationalmannschaft für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Dabei weinte der Profi, der in seiner Karriere vom Zwangsabstieg mit seinem Klub Juventus Turin bis zum WM-Titel 2006 so ziemlich alles mitgemacht hat, was ein Fußballer mitmachen kann.

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Buffons Tränen, Italiens Tränen. Zwar ist es wohlfeil vom Fußball eines Landes auf seinen allgemeinen Zustand schließen zu wollen. Doch im Fall der Squadra Azzurra wird aktuell gewahr – gerade wegen der riesigen internationalen Bedeutung des Fußballs – , wie schlecht es Italien insgesamt geht.

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Italiens Perspektiven sind schlecht

Im Fußball hat das Land zum ersten Mal seit 1958 eine WM-Endrunde verpasst. In anderen Bereichen ist es längst abgehängt. Bei den OECD-Prognosen fürs Wirtschaftswachstum ist Italien Tabellenletzter in Europa. Die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen lag im September bei 35,7 Prozent, in Deutschland gerade mal bei 6,4 Prozent.

Die Perspektiven sind zudem schlecht. Kleine Unternehmen werden aufgrund hoher Steuersätze ihrer Investitionskraft beraubt. Die Kaufkraft ist gering, das Bruttoinlandsprodukt niedriger als vor dem Start der weltweiten Wirtschaftskrise. Wenn sich die Europäische Zentralbank, wie allgemein erwartet, in den nächsten Jahren nach und nach von ihrer Niedrigzinspolitik abkehrt, muss Italien sogar um seine bisher so günstigen Kredite fürchten. Längst gilt der Stiefel als Nachfolger Griechenlands im europäischen Krisenranking.

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Die nächste Prüfung steht an

Jetzt liegt ausgerechnet auch noch die Fußball-Nationalmannschaft des viermaligen Weltmeisters am Boden. Sie ist der Kitt zwischen den in Abneigung verbundenen Landesteilen Nord und Süd. Wenn die Squadra Azzurra spielt, sind für 90 Minuten Unabhängigkeitsreferenden in der Lombardei und Venetien vergessen. Dann kommen kurzzeitig Fans des AC Mailand und des SSC Neapel auf einen Nenner. Entsprechend dramatisch klingt das Wehklagen über das WM-Aus.

Denn die nächste Prüfung steht an. Bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr wird ein gewaltiger antieuropäischer Ruck erwartet. Eine Fußball-WM als anschließender nationaler Stimmungsaufheller fällt weg.

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Torwart Buffon hat seine Karriere in der Nationalmannschaft wie einige andere altgediente Recken nach dem Play-off-Desaster von Mailand übrigens beendet. Es ist Zeit für den Neuanfang in Italien. Zumindest im Fußball sollte man das endlich verstanden haben.

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