11. Januar 2019 / 10:00 Uhr

Kopfballtischtennis: An der Platte mit „Clint Easthead“ und „Wayne Headzky“

Kopfballtischtennis: An der Platte mit „Clint Easthead“ und „Wayne Headzky“

Redaktion Sportbuzzer
Der Sprung auf die Platte ist beim Kopftischtennisball die Regel.
Der Sprung auf die Platte ist beim Kopftischtennisball die Regel. © Christian Modla
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Bei den „New Headz on the Block“ vom SV Fortuna Leipzig 02 wird seit zwei Jahren Kopfballtischtennis gespielt. Beim Probetraining ging Stephanie Helm dem Hype auf den Grund und lernte die Menschen hinter ihren ganz speziellen Kampfnamen kennen.

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Leipzig. Ein bisschen verrückt muss man sein, um sich für die Sportart Kopfballtischtennis zu entscheiden. Und das meine ich mit der größten Sympathie, die ich für einen Sport aufbringen kann – angesichts der Tatsache, dass es beim Headis unmöglich ist, auch nur annähernd vorteilhaft auszusehen. Die erste Erkenntnis war demnach schnell da: Kopftischtennisball ist ein uneitler Sport. Die zweite folgte unmittelbar danach: Das macht echt Spaß. Aber von vorn.

Als es kälter wurde, mussten Räumlichkeiten her

Was ist Headis? Man nehme eine Tischtennisplatte, einen 100 Gramm schweren Gummiball und den eigenen Kopf. Fertig! Mehr braucht es nicht. Die Regeln sind einfach. Die Angabe muss zuerst auf der eigenen, dann auf der gegnerischen Hälfte der Platte aufkommen. Die Spieler dürfen während der Ballwechsel die Platte mit jedem Körperteil berühren – nur der Ball selber darf ausschließlich mit dem Kopf berührt und gespielt werden. Die Direktabnahme des Balles während eines Wechsels (Volleykopfball) ist erlaubt. Dafür springen die Spieler auch gern mal auf die Platte.

DURCHKLICKEN: Headis im Selbstversuch

So kann Headis aussehen, wenn man es wirklich drauf hat. Zur Galerie
So kann Headis aussehen, wenn man es wirklich drauf hat. ©
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So viel zur Theorie, doch kann das wirklich Spaß machen? Ich will das testen und besuche die Headis-Abteilung des SV Fortuna Leipzig 02. Die gibt es seit bald zwei Jahren. Initiiert hat das André Lehmann. „Ich habe zum ersten Mal in der Fernsehshow ’Schlag den Raab’ davon gehört“, erinnert sich der Abteilungsleiter. Zuerst spielte er mit Freunden an öffentlichen Betonplatten. Als es kälter wurde, mussten Räumlichkeiten her. „Wir haben viele Vereine angeschrieben und Fortuna meldete sich sofort begeistert zurück.“ Der Anfang war gemacht.

Zwölf Vereinsmitglieder

Headis selbst gibt es schon seit über elf Jahren. René Wegner aus Kaiserslautern entwickelte die Sportart – aus der Not heraus. Der Fußballplatz im Freibad belegt, stattdessen an den freien Tischtennisplatten improvisiert. Mittlerweile ist die Sportart weltweit etabliert – inklusive Meisterschaften.

Mal wieder ein kurzes Video von uns! Wayne Headzky vs Headshake beim NHOTB Sonntagsbrunch! Was sagt ihr, hätte Headshake den Ball irgendwie noch kriegen können?

Gepostet von New Headz on the Block - Headis Leipzig am Dienstag, 27. November 2018

In Leipzig ist Headis noch wenig bekannt. André Lehmann will das ändern. Zwölf Mitglieder zählt die Vereinsabteilung bisher. Es sollen mehr werden. Potenzial hat die Sportart, wie ich selbst feststellen musste. Ist die Scheu, mit verzerrtem Gesicht einen Gummiball über eine Tischtennisplatte zu köpfen, überwunden, kann man sich dem Sog nur schwer entziehen. „Headis ist was für jede Altersklasse“, weiß der Abteilungsleiter. „Ich habe bei Turnieren schon gegen Zwölfjährige gespielt.“

Dass Headis kein traditioneller, klassischer Sport ist, zeigt sich relativ schnell. Nicht nur das Training in der Fortuna-Sporthalle ist locker. Auch die Meisterschaften und Turniere sind es. Viel Musik, viel Quatsch – dafür aber nicht wenig Ehrgeiz. Teil dieser auf den ersten Blick absurden Sportart sind die Kampfnamen, mit dem die Sportler bei Wettkämpfen antreten. André Lehmann nennt sich „Wayne Headzky“ – nach dem weltbesten Eishockeyspieler Wayne Gretzky. Seine Vereinskollegen stehen dem in nichts nach: „Clint Easthead“, „Headshake“ oder „Delaney von Headz“. Hinter letzterem Namen verbirgt sich der 31-jährige Tom Gummlich. Gegen ihn trete ich an der Platte an – und gewinne erstaunlich oft. Wäre ich ein wenig realistischer und würde mehr Kraft in meine Selbstreflexion stecken, wüsste ich wohl, dass er mich schont. Ich bin aber viel zu sehr damit beschäftigt, meinen Kopf seitlich zu bewegen, um die Bälle, die sonst neben die Platte gehen würden, zu erwischen. Auch wenn ich bei meinen ersten Trainingsversuchen froh bin, den Ball überhaupt mit dem Kopf zu treffen: Hinter den Spielzügen der anderen steckt Kalkül. „Den Ball möglichst tief spielen, damit der Gegner sich mehr bewegen muss“, verrät mir André Lehmann. Weitere Tipps kann ich nicht aufnehmen. Mein Puls rast. Kopfballtischtennis ist anstrengender als gedacht. Und dabei gehöre ich noch lange nicht zu denen, die sich auf die Tischtennisplatte schmeißen, um den Ball zu erwischen. Das überlasse ich den Jungs. Apropos Jungs: Die haben seit 2019 die erste Frau in der Abteilung und würden sich über Zuwachs freuen. Vergisst man die lästige Eitelkeit mal kurz (und findet Gefallen an roten Abdrücken auf der Stirn), hat Headis wirklich großes Potenzial. Einzige Voraussetzung: Ausprobieren!

Wer Headis genauer angucken oder ausprobieren möchte, findet unter www.facebook.com/newheadzontheblock/ das Profil des Vereins.

Stephanie Helm

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