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Lebensmut nie verloren: So beeindruckend kämpft sich Kristina Vogel zurück

Jan Sternberg
Bahnrad-Star Kristina Vogel wird nie wieder laufen können. Auf einer Pressekonferenz sprach sie nun über ihr Leben - und beeindruckte. © imago/Matthias Koch

Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel ist nach einem Trainingsunfall querschnittsgelähmt. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt beeindruckt sie mit ihrem Lebensmut und spricht über ihre Zukunft. Kommt es zum Comeback im Leistungssport?

Vier Minuten vor der Zeit rollt sie ein, lächelt tapfer in die Kameras. Kristina Vogel will jetzt wieder durchstarten ins Leben. Zum ersten Mal nach ihrem schweren Trainingsunfall auf dem Betonrund in Cottbus vom 26. Juni präsentiert sich die Doppel-Olympiasiegerin am Mittwoch der Öffentlichkeit. Sie sitzt in einem blauen Rollstuhl, trägt rote Pumps an den Füßen und redet eine Stunde lang mit den rund 80 Journalisten, die in den Hörsaal des Unfallkrankenhauses Berlin-Marzahn gekommen sind. Von Minute zu Minute wird sie gelöster, souveräner. „Ich möchte positive Energie weitergeben“, sagt sie.

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Vogel wird nie wieder laufen können

Allein das ist schon einmal ein bemerkenswerter Satz für eine Frau, deren ganzes Leben erst vor knapp drei Monaten auf tragische Weise ins Schleudern geraten ist: Mit 60 Stundenkilometern war Vogel ungebremst in einen jungen niederländischen Bahnradfahrer gekracht, der einen Start aus dem Stand üben wollte. Dem Mann geschah so gut wie nichts. Vogel aber ist jetzt vom siebten Brustwirbel abwärts gelähmt. Sie wird nie wieder laufen können.

„Ihr Rückenmark ist hochgradig verletzt“, sagte der behandelnde Chefarzt Andreas Niedeggen. Bis zur vergangenen Woche galt im Krankenhaus eine Nachrichtensperre rund um die prominente Patientin, Vogel wurde auch von den anderen Patienten abgeschirmt. Doch nun will sie wieder raus, will sich zeigen, in die Offensive gehen. Am Sonnabend erschien ein dreiseitiges Interview im Spiegel, dieses Wochenende darf sie zum ersten Mal die Klinik verlassen.

"Ich möchte lernen, im Rollstuhl Treppen fahren zu können"

Bereits auf der Bahn habe sie gewusst, welche Folgen ihr Unfall haben würde, sagt Vogel. „Als ich sah, wie meine Schuhe weggetragen wurden, ich aber nicht gemerkt hatte, wie sie mir ausgezogen wurden, da war mir klar: Das mit dem Fußgänger, das war’s jetzt.“

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So spricht die 27-Jährige: direkt, ungeschützt, manchmal den Tränen nah, manchmal selbstironisch. Einen „krassen Einschnitt ins Leben“ nennt sie ihren Unfall, entschuldigt sich fast bei ihrem Lebensgefährten Michael Seidenbecher, „dass er so einen Schmerz mit mir hat“, und macht schon einmal Pläne für den Umbau des gemeinsamen Hauses in Erfurt. „Am Freitag ist die Begehung, es muss ja einiges gemacht werden, ich möchte ohne Hilfe überall hinkommen, ich möchte die Wäsche selber machen können.“ Gleich blitzt schon wieder ihr Ehrgeiz durch: „Ich möchte auch lernen, im Rollstuhl Treppen fahren zu können.“

Ihr neues Leben wird zwangsläufig kostspielig. Eine Sport-Versicherung zahlt 150 000 Euro. Bei einer Spendenaktion ihres Chemnitzer Erdgas-Teams unter dem Motto #staystrongkristina sind rund 120 000 Euro zusammengekommen – für den Hausumbau, die Anschaffung eines Spezialautos und weitere künftige Mehrausgaben. Bei der Bundespolizei ist sie Beamtin auf Lebenszeit, die Tragödie gilt als Dienstunfall. „Wer hätte gedacht, dass diese Sicherheit mal so wichtig ist“, sagt Vogel.

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Will Vogel wieder Athletin werden?

Einen kleinen Unfall hatte sie auch schon wieder – beim Üben mit dem Rollstuhl. „Man hat mir gezeigt, wie ich über die Kante fahren kann, ich wollte es ausprobieren – das Timing war nicht auf meiner Seite.“ Sie kann darüber lachen, über sich, die ungeduldige Kristina, für die sich die Wochen im Krankenhausbett wie Folter angefühlt haben. „Wenn ich mich jetzt nicht hätte bewegen können, hätte ich randaliert“, sagt sie, und die neben ihr sitzenden Ärzte lächeln milde.

Die Monate im Krankenhaus, die Reha – Kristina Vogel kennt das alles. 2009 hatte ihr ein Kleinbus die Vorfahrt genommen. Sie flog mit Tempo 50 durch die Heckscheibe, lag zwei Tage im Koma, erlitt zahlreiche Brüche am Brustwirbel, an der Hand, am Arm, am Kiefer und verlor fast alle Zähne. Die Therapiesitzungen damals halfen ihr auch in den vergangenen Wochen. „Vielleicht war das damals die Vorbereitung auf jetzt? Jedenfalls habe ich die Kraft, die ich damals erlangt habe, jetzt nutzen können.“

Wie geht es weiter für Kristina Vogel? Will sie wieder Athletin werden, bei den paralympischen Spielen antreten? Vogel sagt zwei bemerkenswerte Sätze. Der eine bremst: „Zum ersten Mal habe ich Zeit, für mich Entscheidungen zu treffen.“ Der andere gibt Gas: „Vielleicht hole ich meine zwölfte Goldmedaille woanders.“

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