Experte in Sachen Weltrekord: Michael Johnson bejubelt seine Weltbestzeit über 400 Meter bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1999 in Sevilla. Experte in Sachen Weltrekord: Michael Johnson bejubelt seine Weltbestzeit über 400 Meter bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1999 in Sevilla. © imago
Experte in Sachen Weltrekord: Michael Johnson bejubelt seine Weltbestzeit über 400 Meter bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1999 in Sevilla.

Leichtathletik-Legende Michael Johnson: Das Weltrekord-Interview

Leichtathletik-Star Michael Johnson spricht im SPORTBUZZER-Interview über die mystische Welt der Weltrekorde

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Michael Johnson ist eine Leichtathletik-Legende. Der US-Amerikaner wurde viermal Olympiasieger und achtmal Weltmeister über seine Paradestrecken 200 und 400 Meter. Beide Distanzen dominierte er über Jahre. Länger als ein Jahrzehnt hielt er die Weltrekorde, bevor er 2008 über 200 Meter von Usain Bolt und 2016 über 400 Meter von Wayde van Niekerk abgelöst wurde. Am vergangenen Mittwoch wurde Johnson, der sich heute für die Laureus Stiftung als Botschafter engagiert, 50 Jahre alt. Wir gratulieren nachträglich mit einem Interview über das Mysterium Weltrekord.

Mr. Johnson, erzählen Sie uns, wie es ist, einen Weltrekord zu brechen!

Das ist ein fantastisches Erfolgserlebnis. Als Leichtathlet ist es natürlich immer das erste Ziel, Meisterschaften zu gewinnen. Das überlagert alles. Ein Weltrekord ist jedoch so selten. Die meisten Athleten bekommen niemals die Gelegenheit dazu. Ich hatte sie sogar zweimal. Ein sehr spezieller Moment.

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Haben Sie während der Rennen gemerkt: „Okay, ich laufe gerade Weltrekord?“

Du merkst, dass es möglich ist. Du weißt aufgrund der Vorbereitung, des Trainings, dass du die Form hast, den Weltrekord zu brechen. Am Ende muss dann aber alles zusammenkommen. Die Bedingungen müssen passen. Wenn du weißt, dass sie passen, kannst du auch mit der Erwartung ins Rennen gehen, den Weltrekord zu brechen. Das ist aber gleichzeitig riskant. Das erste Ziel muss schließlich sein, das Rennen zu gewinnen. Nicht, dass du beim Versuch, den Weltrekord zu brechen, plötzlich das Rennen verlierst.

Sein Markenzeichen war der aufrechte Laufstil: Leichathletik-Legende Michael Johnson. Sein Markenzeichen war der aufrechte Laufstil: Leichathletik-Legende Michael Johnson. © imago

Zu Gewinnen und der Schnellste überhaupt zu sein sind also zwei verschiedene Paar Schuhe?

Das gilt es abzuwägen. Du gehst mit einer speziellen Strategie ins Rennen. Für einen Weltrekord musst du in einen perfekten Rhythmus kommen. Wenn dann alles läuft, im positiven Sinne zusammenkommt, du das Rennen ohne Fehler absolvierst, weißt du währenddessen, dass du die notwendige Geschwindigkeit für einen Weltrekord hast. Aber du musst selbst auf dem allerletzten Meter fokussiert bleiben, denn du kannst den Weltrekord auf dem letzten Meter noch verlieren. Denke also nie „Okay, jetzt habe ich ihn!“, bevor du wirklich die Ziellinie überquert hast.

Lassen Weltrekorde Raum für Zufälle?

Es gibt Athleten, die zufällig ein Rennen gelaufen sind, in dem sie sich selbst überrascht haben. Mir ist sowas nie passiert. (schmunzelt) Ich wusste an den entsprechenden Tagen, dass ich fähig dazu bin, und dass es möglich ist, weil die Bedingungen stimmen. An einigen dieser Tage habe ich den Weltrekord auch knapp verpasst, dann wusste ich aber auch immer genau, was ich falsch gemacht hatte. Umso glücklicher war ich, als ich es sowohl über die 200 als auch über die 400 Meter geschafft hatte.

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Und wie ist es, einen Weltrekord wieder zu verlieren?

Man kann ein Rennen verlieren. Ein Weltrekord gehört dir aber niemals, also kannst du ihn auch nicht verlieren. Du hast den Weltrekord gebrochen – das kann dir niemand nehmen. Ein Beispiel: Mein Weltrekord über 400 Meter wurde erst im vergangenen Jahr gebrochen. Ich habe meine Karriere aber schon im Jahr 2000 beendet. Was hätte ich in all den Jahren tun können, um den Weltrekord zu behalten?

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Nichts!

Richtig! Klammer dich nicht an etwas fest, dass du nicht mehr ändern kannst. Seit meinem Karriereende habe ich niemals gesagt: „Ich bin stolz darauf, Weltrekordler zu sein.“ Ich bin stolz darauf, den Weltrekord gebrochen zu haben, ja. Ich bin auch stolz darauf, dass ich olympisches Gold und die Weltmeisterschaft gewonnen habe. Ich bin deswegen aber nicht Weltmeister, ich bin deswegen nicht Olympiasieger. Ich war es mal. (lacht) Wenn du dich nach der Karriere zu sehr an deinen Titeln festhältst, heißt das doch nur, dass du dich nicht weiterentwickelt hast. Ich habe so wundervolle Dinge machen dürfen, seit ich den Sport verlassen habe. Ich habe Unternehmen gegründet, arbeite für die Laureus Stiftung, unterstütze andere Menschen. Das sind meine Errungenschaften heute. Ich bin einfach heiß darauf, neue Sachen zu machen. Wenn die Leute heute noch sagen würden „Das ist Michael Johnson. Er ist immer noch 400-Meter-Weltrekordler!“, würde mir das keinerlei Vergnügen bereiten. Ich könnte schließlich nichts dafür tun, damit es so bleibt. Es wäre bisher einfach nur kein anderer schneller gewesen. Wenn ich aber an den Tag denke, an dem ich den Weltrekord gebrochen habe, an das Team, das mit mir gearbeitet hat und mir geholfen hat, nach all den erfolglosen Versuchen ... Fantastisch! Das kann mir keiner nehmen.

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