12. Oktober 2018 / 07:58 Uhr

Leipziger Fußball-Kongress: „Ende der Fahnenstange ist erreicht“

Leipziger Fußball-Kongress: „Ende der Fahnenstange ist erreicht“

Guido Schäfer
Twitter-Profil
Die Diskutanten (v.l.): Anton Pichler, Achim Ittner (Business Development Direktor SAP), Cheftrainer Ralf Rangnick, Markus Kraetschmer (CEO FK Austria Wien), Bernd Heynemann (Ex-Profischiedsrichter) und Moderator Markus Sieger.
Die Diskutanten (v.l.): Anton Pichler, Achim Ittner (Business Development Direktor SAP), Cheftrainer Ralf Rangnick, Markus Kraetschmer (CEO FK Austria Wien), Bernd Heynemann (Ex-Profischiedsrichter) und Moderator Markus Sieger. © PICTURE POINT
Anzeige

Der Kongress tanzt nicht, aber er spricht: Rangnick, Heynemann und Co. über Spiele-Flut und Videobeweis

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Leipzig. Vom Leipziger Fußball-Kongress lernen, heißt siegen lernen – auch und gerade in Sachen Kurzweiligkeit. Beim Netzwerken in der Red-Bull-Arena trafen sich gestern Entscheidungsträger, Sponsoren und Unternehmensvertreter aus dem Sport- und Fußball-Business, kamen einander näher. Beim Vier-Augen-Gespräch, bei Firmen- und Innovationsvorstellungen, die kürzer als zehn Minuten (gute Idee) sein mussten. Und auch der Fußball-Talk mit RB-Macher Ralf Rangnick, 60, und Schiedsrichter-Legende Bernd Heynemann, 64, löste im Auditorium keine Fluchtgedanken aus.

Die Fussball-Kongresse (fussballkongresse.com) existieren seit drei Jahren, finden jährlich in der Schweiz, in Österreich und Deutschland statt. Sinn und Zweck ist der Austausch von neuem Wissen, neuen und alten Problemfeldern und die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage.

Ein Thema hatte mit einer Software, die das Gewinnen wahrscheinlicher machen soll (64keys-sports.com), zu tun. Eine Matrix zeigt das energetische Profil des Fußballers oder Trainers xy. Diese auf Geburtsdaten basierenden Erkenntnisse geben Aufschluss über Luft nach oben. Laut Anbieter war vor der WM klar, dass Belgien nicht Weltmeister wird und Jo Kimmich im zentralen Mittelfeld besser aufgehoben wäre. Nun ja, dazu brauchte es nicht unbedingt eine Matrix.

Mehr zu RB Leipzig

Interessant auch für Kongress-Gastgeber RB Leipzig: Der österreichische Hygiene-Anbieter Hagleitner glänzte mit digitalisierten Waschräumen. Wenn Seife oder Toi-Papier fehlen, funkt es im Lager. Problem bei RB: Bis zur Toi schafft es in der Halbzeit nur, wer früh losrennt und erst gar nicht an ein Pausenbier denkt.

Gesprochen wurde zudem über Bezahlsysteme, die allen Freude bereiten. Und über güldene Kundenbindung, die Golden Gates Edelmetalle anbietet. Ein Gramm Gold auf der Dauerkarte und die Leidenschaft hält ewig.

Höhepunkt des Tages - der Fußball-Talk. RB-Sportdirektor/Trainer Ralf Rangnick über die Flut an Spielen, insbesondere für Nationalspieler: „Wir sind absolut an der Grenze dessen, was man den Spielern zumuten kann. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“ Über Sinn/Zweck der Nations League und drei Länderspielpausen: „Für die Zuschauer ist ein Nations-League-Spiel Deutschland - Holland interessant und spannend.“ Folge: Bundestrainer Joachim Löw will/muss die bestmögliche Mannschaft bringen, kann weniger Rücksicht auf überlastete Spieler nehmen. Rangnick: „Zwei statt drei Länderspielpausen wären mir lieber.“ Kult-Schiri Bernd Heynemann hat seine ersten gelben und roten Karten in der DDR selbst gebastelt, den Trainer Rangnick „als ruhigen Vertreter“ in Erinnerung und will zurück zum Fußball, den er liebte. „Weniger ist mehr.“ Weniger Gedöns rund um die 90 Minuten, weniger Wettbewerbe, weniger Eingriffe der Kölner Video-Combo, weniger Anstoßzeiten, weniger übertragende Sender. Rangnick steht zum Videoschiedsrichter („braucht Eingewöhnungszeit“), brachte das Phantomtor von Stefan Kießling als Negativ-Beispiel aus Vor-Video-Zeiten in Stellung.

Nach Heynemanns Gusto ist den Schiris zu viel Macht flöten gegangen. Außerdem sei es weltfremd, nach einem Tor die vorvorherige Szene zu checken, um dann das Tor zurückzunehmen. Er fordert feste Experten-Teams. Die einen pfeifen ausschließlich, die anderen gucken nur Video. Übrigens: Rudi Glöckner kommt dem idealen Unparteiischen sehr nah, sagt Heynemann. „Seine Ruhe war beeindruckend. Auch seine Gestik. Er hat sich vorm Spiegel warm gemacht und Grimassen geschnitten.“ Heynemann: „Also ich könnte noch.“ Pfeifen.

Rangnick über seinen Nachfolger Julian Nagelsmann: „Wir tauschen uns nicht mit ihm aus, haben im Moment gar keinen Kontakt.“ Aha. Heute übt Rangnick am Cottaweg mit seinen verbliebenen sechs Mohikanern. Dann geht es in einen dreitägigen Kurzurlaub.

Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt