USER-BEITRAG Talk mit Protagonisten des 1. FC Lokomotive in der Kuppel der Leipziger Volkszeitung © Christian Modla

Lok: Große Vergangenheit, große Pläne

Forum mit Lok Leipzig in der LVZ-Kuppel: Bis 2020 in 3. Liga, Verbände sollen bei Fan-Problematik helfen

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Leipzig. Mehr Lok-Kompetenz geht fast nicht: Trainer Heiko Scholz war da, Präsident Jens Kesseler, Top-Sponsor Bernd Lang und mit Frank Baum auch ein Ex-Star, sie alle diskutierten am Dienstagabend in der LVZ-Kuppel zum Thema „Der 1. FC Lok Leipzig – Zwischen Tradition und Ambition“. Fazit nach unterhaltsamen, vom ehemaligen LVZ-Sportchef Winfried Wächter launig moderierten 90 Minuten: Große Vergangenheit, große Ambitionen, aber auch schwierige Gegenwart. Und dann ist da noch RB Leipzig, der Bundesliga-Tabellenführer lässt bei Lok  niemanden kalt.

Beim Exkurs in die Historie gibt es keine zwei Meinungen: Bei der Erinnerung an die großen Europacup-Schlachten, dem Finale von Athen, Maradona im Zentralstadion, die Bundesliga unter VfB-Label, das Ligaspiel gegen Großdeuben II vor 12421 Zuschauern, Lothar Matthäus im Lok-Trikot – da leuchten die Augen bei Alt und Jung. Klar ist nicht alles toll. Nur 5200 Zuschauer am letzten Bundesligaspieltag 1993 gegen Leverkusen gewiss nicht, die Insolvenz ... schon gar nicht. Das alles war.

Die Zukunft soll wieder leuchtende Augen bringen, es gibt große Pläne. „Unser Hauptsponsor Franz-Josef Wernze gibt das Ziel 2. Liga aus. Ich wäre schon mit der 3. Liga zufrieden“, sagt Präsident Kesseler. Sponsor Lang gibt den Zeitplan vor: „Sportlich wollen wir 2020 in der 3. Liga spielen, 2021 in der 2. Liga. Ja, das ist ambitioniert, aber leichte Ziele haben keinen Ansporn.“ Vieles hängt am Geld. „Das wir den Etat erhöhen müssen, ist klar. Aber ein Sponsor allein kann das nicht leisten. Wir brauchen Unternehmen, die sehen, was Lok für ein toller Verein ist.“ 

Vor allem müsse ein besseres, im Idealfall neues Stadion her, da sind sich alle einig. Die Wasserstandsmeldung zum Thema gibt der Präsident bekannt:  „Ein Stadion ist in Planung. Wenn wir ein neues Stadion bauen, dann dort, wo das Bruno (Bruno-Plache-Stadion) steht. Der Name Bruno soll auch bleiben.“ Heiko Scholz wirft ein: „In der 3. Liga hätten wir 12 000 bis 15 000 Zuschauer“ und Frank Baum ist ob dieser Aussichten schon jetzt happy. „Wenn weiter so seriöse Männer am Werk sind, bin ich optimistisch“, sagt der Ex-Internationale und schiebt noch einen markigen Spruch hinterher: „Die Marke Lok wird Red Bull niemals erreichen.“

Die Gegenwart schmeckt süß-sauer. Scholz zieht sportlich positiv Bilanz. „Wir sind gut gestartet, dann kam eine kleine Ergebniskrise, jetzt aber sind wir wieder in der Spur. Wenn wir jetzt in Neustrelitz punkten, dann gehen wir mit genügend Punkten in die Winterpause und sind im Soll.“

Der Derby-Sieg über Chemie ist allen „Lokisten“ noch gegenwärtig. „Bei unserer Rückkehr nach Probstheida ging was ab, so etwas habe ich nicht mal nach dem Pokalsieg in Leverkusen erlebt“, berichtet Scholz. Kesseler erzählt bewegt, dass im Casino alle gemeinsam gesungen hätten, „Trainer, Spieler, Gremien, Fans, eine einmalige Atmosphäre“.

Leider, leider werde er aber auch täglich auf die gewaltbereiten Fans angesprochen. „Wir haben 40, 50 Problemfans, der Rest, das sind 99 Prozent, sind großartige Fans, die Gewalt verabscheuen. Die werden negiert. Wir müssen mit der Last leben, dass Vorfälle immer wieder hochgekocht werden. Aber wir geben nicht auf.“ Warum bekommt Lok die Problemfans nicht in den Griff?, stellt Wächter die Frage aller Fragen. „So einfach ist das nicht“, antwortet Kesseler. „Es gab Hausverbote, Geldstrafen. Aber die bringen nichts. Ich schlage vor, dass die Verbände Leute abstellen, die ein halbes Jahr bei uns arbeiten, Psychologen zum Beispiel.“ Fast beschwörend sagt der Lok-Präsident: „Wenn wir das Problem nicht in Griff kriegen, gehen wir schweren Zeiten entgegen.“

Dann ist noch RB. Damit tut sich Lok schwer. Jens Kesseler versucht einen Gag: „Die Stadt war immer zweigeteilt, bis der dritte kam. Der Name ist mir grad entfallen.“ Gelächter bei den 100 Gästen. Bernd Lang schwingt die verbale Keule: „Wer trinkt Brause – Kinder. Wer trinkt Bier – wir.“ Gibt Applaus. Aber es gibt auch den klaren Blick, den hat Kesseler: „Wir partizipieren natürlich. Spieler, die es bei RB nicht schaffen, kommen zurück. Paul Schinke ist ein Beispiel. Wenn RB nicht wäre, hätten wir vielleicht 400 bis 500 Zuschauer mehr, so ehrlich muss man auch sein.“

Ein kleiner Stich Richtung des übergroßen Nachbarn muss trotzdem sein. Weil sich Lok „historisch in Linie des VfB Leipzig“ (Kesseler) sieht und der schließlich erster deutscher Fußballmeister war, soll künftig ein Meisterstern das Lok-Trikot zieren. Man sei mit dem DFB im Gespräch. Aber das ist schon wieder Zukunftsmusik.

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