26. Juli 2018 / 08:12 Uhr

Lok Leipzig gegen Meuselwitz: Trainer wären mit 2:2 zufrieden

Lok Leipzig gegen Meuselwitz: Trainer wären mit 2:2 zufrieden

LVZ
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Lok-Trainer Heiko Scholz und Meuselwitz-Trainer Heiko Weber im Cafe Satz in Leipzig.
Lok-Trainer Heiko Scholz und Meuselwitz-Trainer Heiko Weber im Cafe Satz in Leipzig. © Andre Kempner
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Vor dem ersten Regionalligaspiel der Saison haben wir uns mit Heiko Weber und Heiko Scholz zum Doppelinterview über Hitze, Trainingsbedingungen, Ziele und mehr getroffen.

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Leipzig. Am Sonnabend um 13.30 Uhr ertönt für den 1. FC Lok im Bruno-Plache-Stadion der Anpfiff zur neuen Regionalliga-Saison mit der Partie gegen den ZFC Meuselwitz. Der Auftakt wird bei Temperaturen von weit über 30 Grad eine echte Hitzeschlacht. Wir sprachen im Vorfeld mit den Trainern Heiko Scholz (52/Lok) und Heiko Weber (53/ZFC).

Wie gehen Ihre Teams mit der Gluthitze um?

Scholz: Wir haben die ganze Vorbereitung bei diesen Gradzahlen absolviert. Die Jungs müssen sich in den nächsten Tagen gut ernähren, viel trinken. Dann werden sie eine ordentliche Leistung abliefern.

Weber: Das sind alles junge Menschen. Und ehrlich gesagt spielen wir lieber bei Sonne und 30 bis 35 Grad als im Winter.

Scholz: Wir werden mit dem Schiri reden. Es ist ratsam, Trinkpausen festzulegen.

Die Pausen kann der Trainer für taktische Hinweis nutzen.

Scholz: Wenn du führst und im  Rhythmus bist, sind die Pausen sicher nicht so gut.

Ändert das Meuselwitzer 2:2 gegen RB etwas an der Konstellation?

Weber: Nein. Wir haben nach wie vor ein schweres Auftaktprogramm bei Lok, gegen Rathenow und in Nordhausen.

Scholz: RB spielt ja am Donnerstag wieder, da war es klar, dass sie zwei Tage vorher nur 30 Minuten mit ihrer ersten Garnitur auflaufen. Der ZFC hat gute griechische Jungs, Hendrik Ernst und Leute von uns dazu bekommen. Wir kennen Meuselwitz in und auswendig, die haben jedes Jahr ne ordentliche Truppe. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe. Endlich arbeiten wir auch unter Profibedingungen, da war Meuselwitz uns bisher überlegen. Sie sind ja auch ein kleiner Angstgegner für uns.

Weber: Die Vorbereitung ist wichtig, hat aber keine Aussagekraft. Gegen RB konnten wir schon mal üben, wie man gegen eine starke Truppe verteidigt. Lok hat einen ganz anderen Namen als Meuselwitz, ein Derby ist es für mich nicht.

Scholz: Ich denke, ein kleines Derby ist es schon.

Weber: Okay, Scholle. Am Dienstag sind wir mit einem guten Gefühl rausgegangen, das ist aber heute schon wieder vergessen. Letzte Woche hat uns Wismut Gera ein 2:2 abgerungen, die sind vier Klassen tiefer als RB, aber das ist das Schöne am Fußball.

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Konzentriert sich der ZFC nur aufs Verteidigen?

Weber: Nicht nur, wir haben auch gegen RB mit zwei Stürmern gespielt. RB hat phasenweise starken Tempofußball gezeigt, zum Glück war nach ner halben Stunde Schluss. Der Unterschied zu normalen Kickern war überdeutlich – allein bei Kampl. Da hat man gesehen, warum RB ihn geholt hat.

ZFC-Goldfuß Sebastian Albert hat aber bessere Standards als RB gespielt.

Weber: Er ist schon 31 und unser Kapitän, aber kein Schreihals, eher ein stiller Typ. Seit zwei Jahren macht es ihm richtig Spaß, in der Mannschaft zu spielen.

Lok hatte unter der Woche spielfrei. Wird es für euch zu viel?

Weber: Normalerweise würden wir vor einem Sonnabend-Spiel nicht dienstags testen. Das war schon ein Wagnis.

Wie war es so gegen RB?

Weber: Das letzte Mal wollte Ralph Hasenhüttl Sonnenschirm, Markise und Sonnencreme an der Trainerbank. Da waren die Jungs diesmal relaxter.

Peilt Lok schon in dieser Saison den Aufstieg an?

Scholz: Wenn wir mit Glück Erster werden können, wären wir blöd, es nicht zu nutzen. Du brauchst nicht nur die beste Mannschaft, musst auch Glück haben mit Verletzungen und sonstigem. Auf jeden Fall arbeiten wir jetzt anders. Wir haben nur noch zwei Teilzeitarbeiter, können jetzt statt 17.30 Uhr schon 10 Uhr und 14.30 Uhr trainieren, vieles ist entspannter. Du kannst auch mal ein Video zeigen, mal ne Sitzung machen.

Weber: Wir trainieren seit Jahren 15.30 Uhr, weil nach uns der Nachwuchs die Plätze braucht. Viele Gäste sind erstaunt, wie gut unsere Bedingungen sind.

Mit einem 2:2-Unentschieden wären beide Trainer zufrieden.
Mit einem 2:2-Unentschieden wären beide Trainer zufrieden. © Andre Kempner

Wie ist die Vision beim ZFC?

Weber: Der Aufstieg wäre utopisch, obwohl ich gern Trainer in der 2. oder 3. Liga wäre. Aber du musst das Geld erst erarbeiten, Nicht von ungefähr ist die halbe Regionalliga pleite.

Müssen beim Meuselwitzer Neuzugang Felix Beiersdorf noch ein paar Kilo runter?

Weber: Viele.

Scholz: Ich finde es gut, dass Heiko ihn aufbauen will. Bei Chemie ist er nicht auf die Strümpfe gekommen. Manche Talente kippen mit 18 weg, die siehst du nie wieder.

Wie läuft es bei Lok-Rückkehrer Nicky Adler?

Scholz: Den müssen wir sehr dosiert belasten. Er war ein halbes Jahr verletzt in Aue, aber immer ein Musterprofi. Derzeit ist er noch nicht fit für 90 Minuten, aber ich bin mir sicher, dass er das eine oder andere Spiel für uns entscheiden wird. Nicky ist Gold wert, schon mit seinem Namen. Er ist ja ein Lok-Junge.

Adler ist 33. Warum gilt man als Fußballer heute mit 30 schon als alt?

Scholz: Früher haben wir auch hart trainiert, einige waren mit 18 fertig. Aber wer durchkam, stand bis 35 auf dem Platz.

Weber: Im Osten wurde härter trainiert. Für mich gibt es nicht alte und junge, sondern nur gute und schlechte Spieler. Unser Fabian Stenzel ist 31, aber spielt wie 21. Vieles hängt vom Lebenswandel ab.

Scholz: Um die 70 Spiele wie bei Toni Kroos sind schon krass. In der DDR wurden die Trainingspläne vorgegeben. Wir sollten so viel und so hart wie die Ruderer trainieren.

Weber: So weich, wie viele heutige Spieler, war jedenfalls keiner. Heute werden alle ständig gestreichelt.

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Scholz: Bei mir ist es ein Mittelding. Wir haben nicht so viel Geld, müssen es über den Wohlfühlfaktor machen, den Spielern bei Wohnung und Auto helfen. Mein Motto ist Zuckerbrot und Peitsche. Wenn gearbeitet wird, wird gearbeitet. Und in den Pausen lache ich mit den Jungs.

Weber: Heute ist vieles anders, auch albern. Zum Beispiel wenn alle bei Gesprächen mit der Hand vor dem Mund auf dem Platz rumrennen. Aber dafür kann man nur im Fußball selbst in der vierten Liga Geld verdienen.

Scholz: Das stimmt. Mich grüßt auf der Straße jeder Zehnte. Wenn ein Olympiasieger im Reiten durch Leipzig gehen würde, den würde keiner erkennen.

Wie viele Spieler vom ZFC wohnen in Leipzig?

Weber: Die Hälfte. Für junge Leute ist es ein Traum, in Leipzig zu wohnen. Eine halbe Stunde Autofahrt zum Training ist okay.

Scholz: In Nordhausen wohnt auch kaum einer der Spieler. Die fahren aber ne Stunde.

Weber: Das habe ich als Trainer in Aue verboten, maximal Chemnitz hatte ich als Entfernung erlaubt. Ich lebe als Trainer das vor, was ich von den Spielern verlange. Wenn ich zwei Stunden im Auto sitze, bin ich platt.

Wie geht das Match am Sonnabend aus?

Weber: Wir spielen wieder gegen Leipzig, wieder ein 2:2 wäre toll.

Scholz: Ich tippe nie. Aber wir wollen natürlich gewinnen. Wenn Meuselwitz aber stark auftrumpft und wir ein 2:2 erreichen, ist das auch in Ordnung. Ich bin einfach froh, dass es nach sechs Wochen Vorbereitung endlich losgeht.

Wir gut ist der Rasen in Probstheida?

Scholz: Im Vergleich zu früher ist er Champions League. Halle und Zwickau haben uns dafür gelobt.

Weber: Da fällt mir der Platz beim Berliner AK ein. Der geht gar nicht, den müsste man verbieten.

Scholz: Ja, die haben dort nicht mal gemäht vor dem Punktspiel.

Weber: Ich sage immer: In der Regionalliga geht der Fußball los, da müssen die Bedingungen stimmen.

Scholz: Die Liga hat sich wirklich gut entwickelt. Der Unterschied zur 3. Liga ist nicht mehr so groß.

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Ist wirklich Nordhausen der Favorit?

Scholz: Erfurt und Chemnitz mischen ja mit frischem Geld auch wieder mit. Das ist ungerecht – eine Keule für die Vereine, die ordentlich wirtschaften.

Weber: Für Chemie Leipzig tut es einem leid.

Scholz: Dennoch. Nordhausen ist gut aufgestellt. Deren Zweite hat selbst in der Oberliga einen beachtlichen Etat. Ich finde Wacker-Trainer Volkan Uluc sehr in Ordnung. Wenn das aber mit dem Chinesen bei Viktoria Berlin stimmt, mit den 70 Millionen in drei Jahren, brauchst du dir keine Gedanken machen, wer in Zukunft auch noch oben angreift.

Planen Sie langfristig bei Ihren Klubs?

Weber: Es ist mein viertes Jahr, das hätte ich nicht gedacht.

Scholz: Bei mir ist es das fünfte. Das hätte ich auch nicht gedacht.

Weber: Zu mir hat mal einer gesagt: 90 Prozent aller Gedanken, die du hast, treten nie ein. Daher plane ich nicht weit voraus. Ich hätte auch nie gedacht, noch mal zu heiraten und Vater zu werden. In der 3. Liga nach drei, vier Niederlagen rausgeschmissen zu werden, brauche ich jedenfalls nicht mehr. Ich fühle mich wohl im Altenburger Land. Leider sehen wir uns dort oft etwas schlechter als wir sind. Aber die Gegend wird manchmal vergessen.

Guido Schäfer, Frank Schober und Uwe Köster

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