08. Januar 2019 / 15:29 Uhr

Lotto Masters 2019: Nick Lemke hatte einen „überragenden Abend“

Lotto Masters 2019: Nick Lemke hatte einen „überragenden Abend“

Jan-Philipp Wottge
Gemeinsamer Masters-Spaß: Nick Lemke und seine Frau Vera im Fanblock des Oberligisten TSV Bordesholm, für den der 39-Jährige seit Sommer 2001 die Stiefel schnürt.
Gemeinsamer Masters-Spaß: Nick Lemke und seine Frau Vera im Fanblock des Oberligisten TSV Bordesholm, für den der 39-Jährige seit Sommer 2001 die Stiefel schnürt. © Sonja Paar
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Es war der 5. Januar 2001, als Nick Lemke die Bretter betrat, die für Amateurfußballer die Welt bedeuten: die Masters-Bühne! Der Siegerscheck wurde noch in D-Mark ausgestellt. Die Sparkassen-Arena hieß Ostseehalle und das SHFV Lotto Masters trug den weniger glamourösen Namen „Schleswig-holsteinische Hallenmeisterschaft“. Der 21-Jährige kickte damals für den TuS Felde in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein immerhin auf Augenhöhe mit Holstein Kiel und feierte zudem sein Debüt beim Budenzauber.

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Auf den Tag genau 18 Jahre später durfte der Torjäger des TSV Bordesholm sein „zweites Mal“ genießen. Und es war zumindest emotional noch prickelnder als die Premiere. Damals wie heute fieberte auf der Tribüne seine Frau Vera mit. Beide vereint eine besondere Liebesgeschichte. Seit der Grundschulzeit in Suchsdorf teilten sich beide ein Klassenzimmer. Gemeinsam ging es auf das Ernst-Barlach-Gymnasium. Mit 16 wurden sie ein Liebespaar. „Ich wollte Nick schon in der dritten Klasse heiraten, aber da hat er sich nur für Fußball interessiert“, verrät Vera augenzwinkernd.

Lemke, eine treue Seele. Was sein Privatleben kennzeichnet, färbte auf den Sport ab. Seit Sommer 2001 trägt der 1,70-Meter-Stürmer das Trikot des TSV Bordesholm. Durchlebte mit dem Verein sowohl sportliche als auch finanzielle Höhen und Tiefen. Die Konstante war stets Nick Lemke. Fast kindliche Freude löste deswegen die Bordesholmer Masters-Qualifikation bei dem heute 39-Jährigen aus: „Damit habe ich nicht mehr gerechnet. Das ist heute eine riesige Nummer. Früher war es ein Fußballturnier, heute eine echte Show. Alles ist technischer, alles schneller geworden.“

Von den Bordesholmer Fans in der Halle wird er mit Sprechchören als „Nick Lemke, Fußballgott“ geadelt. 400 huldigen dem Team und ihm mit Fähnchen im Oberrang. Lemke saugt das auf wie ein trockener Schwamm. Seine Augen glänzen. Der Tag ist lang. Schon seit 8 Uhr ist der Familienvater von Leni (8 Jahre) und Finn (5) auf den Beinen. Finn musste zum Hallenfußballturnier in Suchsdorf. Sein erstes, ausgerechnet am 5. Januar. So reift bei Lemke ein Entschluss: „Mein Sohn bestreitet morgens sein erstes, ich abends mein letztes Hallenturnier. Das passt.“ Als der Bordesholmer Methusalem, wie er liebevoll im Mannschaftskreis genannt wird, von seinen Erfahrungen aus dem Jahr 2001 berichtet, stellt Teamkollege Benedict Klimmek fest, dass er zu diesem Zeitpunkt gerade einmal vier Jahre alt war. Lemke entstammt einer anderen Fußballgeneration und kann dennoch mithalten. Seine Ballbehandlung auf engstem Raum ist kaum zu verteidigen. In bester Bruno-Labbadia-Manier nutzt er seinen tiefen Schwerpunkt, um sich die Gegner vom Halse zu halten. „Das Aufstehen dauert vielleicht eine Zehntelsekunde länger als früher“, bekennt er.

Impressionen vom Lotto-Masters 2019 in Kiel



Die Einlaufshow beim 21. SHFV Lotto Hallenmasters. Zur Galerie
Die Einlaufshow beim 21. SHFV Lotto Hallenmasters. ©
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Und nicht nur Lemke ist mittendrin im Hallenspektakel, sondern auch der TSV Bordesholm. Der Oberligist dreht auf, kontert die 1:2-Niederlage gegen den SV Todesfelde mit einem Sieg gegen den Heider SV (4:1) und einem 2:2-Remis gegen Holstein Kiel. Jetzt heißt es Daumendrücken für den SV Todesfelde, der darf nicht gegen Heide verlieren. Lemke trippelt nervös von einem Bein aufs andere. Das Halbfinale ist zum Greifen nah. Ende. Aus. Todesfelde gewinnt, Bordesholm steht unter den letzten Vier.

Wieder macht sich kindliche Freude bei Lemke breit. Es ist ein bisschen wie 2001. Die Nervosität ist da. Gewichen ist nur die wallende Mähne. Heute ist der markante Charakterkopf Lemkes Erkennungszeichen. Alte Bekannte strömen herbei, gratulieren ihm. Doch das Fußball-Märchen endet mit einer 0:3-Niederlage gegen den späteren Sieger Strand 08. „Es ist egal, wie das jetzt ausgeht. Ich habe einen überragenden Abend erlebt“, sagt Lemke, der überlegt, im Sommer die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.

Glauben mag das keiner so recht. „Er ist Fußballer durch und durch. Einfach ein überragender Typ. Er hat sich diesen Auftritt mehr als verdient“, erklärt sein Coach Björn Sörensen, der immerhin sechs Jahre jünger ist. Auch Lemkes Frau Vera ist sich noch nicht sicher, ob Nick ganz ohne Fußball kann: „Vielleicht fällt ihm die Decke auf den Kopf.“Lemke hat Masters-Geschichte geschrieben. Und wer weiß, vielleicht ist er in 19 Jahren wieder dabei. Als Spielervater!

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Sie war das Überraschungteams beim Hallenmasters 2019 in Kiel. Im Halbfinale scheiterten sie knapp an Weiche Flensburg.

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