02. Dezember 2018 / 21:26 Uhr

Manipulationsvorwürfe gegen Andreas Petersen: Das ist bisher passiert

Manipulationsvorwürfe gegen Andreas Petersen: Das ist bisher passiert

Mirko Jablonowski und Stephan Henke
Andreas Petersen spricht von einer Schmutzkampagne des SV Babelsberg 03 gegen ihn.
Andreas Petersen spricht von einer "Schmutzkampagne" des SV Babelsberg 03 gegen ihn. © Carmen Jaspersen/dpa
Anzeige

Regionalliga Nordost: Germania Halberstadts Sportdirektor Andreas Petersen soll Spielern des SV Babelsberg 03 Geld für eine Niederlage geboten haben – Vater von Nationalspieler Nils Petersen bestreitet die Anschuldigungen vehement und spricht von einer "Schmutzkampagne" des SV Babelsberg 03.

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

„Das wird krachen“, war sich Almedin Civa, Trainer des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03, am Freitagabend nach dem 3:1 (1:0)-Erfolg gegen den VfB Germania Halberstadt der Tragweite seiner folgenden Aussagen bewusst. Am Freitagnachmittag um 16.15 Uhr – also keine drei Stunden vor Spielbeginn – habe ihn einer seiner Spieler völlig aufgelöst angerufen und von einem Manipulationsversuch berichtet, sie sollten „die Füße hochlegen“. „Das war eine sehr, sehr schwierige Situation für die Spieler“, sagte Civa, der solch eine Situation in seiner langen Laufbahn als Spieler und Funktionär noch nie erlebt habe. Civa erklärte zudem, dass seinen Spielern Geld für eine Verschiebung der Partie angeboten worden sei: „Es zeigt auch den Charakter der Spieler, dass sie sofort zu mir gekommen sind.“

WhatsApp-Nachrichten an Spieler

Civa nannte dabei keine Namen, machte aber klar, dass der Anruf aus dem Umfeld des Gastvereins aus Sachsen-Anhalt kam. Nach SPORTBUZZER-Recherchen stellte sich dann am Samstagvormittag heraus, dass Halberstadts Sportdirektor Andreas Petersen derjenige war, der an Babelsberger Spieler herangetreten ist. Die PNN berichteten zuerst über Petersens Kontaktaufnahme. Nach SPORTBUZZER-Informationen hat Petersen zwei ehemalige Spieler seines Vereins, die jetzt in Babelsberg unter Vertrag stehen, kontaktiert. Er soll mit ihnen telefoniert und im Anschluss an die Gespräche auch noch einmal per WhatsApp geschrieben haben. Dafür gebe es auch schriftliche Beweise. Einen dritten Ex-Halberstädter im SVB-Kader erreichte der Vater von Nationalstürmer Nils Petersen nicht.

In Bildern: SV Babelsberg 03 gewinnt am 18. Spieltag der Regionalliga Nordost mit 3:1 gegen Germania Halberstadt.

Ahmet Sagat im Duell mit Halberstadts Philipp Blume (r.). Zur Galerie
Ahmet Sagat im Duell mit Halberstadts Philipp Blume (r.). © Jan Kuppert
Anzeige

Gegenüber den PNN bestätigte Petersen, der am Samstag und Sonntag für die SPORTBUZZER nicht zu erreichen war, die Kontaktaufnahme seinerseits, weist aber einen Manipulationsversuch zurück. „Das ist ein Riesen-Blödsinn und an den Haaren herbeigezogen“, sagte Petersen, dessen Sohn für den SC Freiburg in der Bundesliga spielt und einst unter anderem bei Energie Cottbus unter Vertrag stand. Die beiden ehemaligen Halberstadt-Spieler würden jetzt eine Geschichte konstruieren, „weil sie bei mir als damaliger Trainer nicht oder nur wenig gespielt haben“, sagte Petersen.

Petersen: "Ein Jux"

Dass er sie direkt vor dem Spiel kontaktiere, sei im Geschäft üblich. „Man will den Gegner etwas locken, etwas verunsichern. Ein Jux.“ Beim SV Babelsberg 03 ist man mit Blick auf diese Aussagen allerdings alles andere als erfreut. Der Kiezverein hatte den Vorfall der möglichen Spielmanipulation noch am Freitag vor der Partie beim Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV), konkret bei Verbandsrichter Stephan Oberholz, gemeldet.

Mehr zum Manipulationsverdacht

Im Zuge dessen sei der Spielbeobachter vor Ort angewiesen worden, Videoaufzeichnungen zu machen. Die Vereine bekamen zudem gezielte Ansprachen vor Anpfiff. „Wir haben als Verein das gemacht, was wir machen konnten und mussten. Alles weitere wird man sehen“, sagte Almedin Civa am Sonntag. „Ich habe auch die Mannschaft gefragt, ob es vielleicht noch jemanden gibt, der sich nicht getraut hat – kann ja auch sein, das sind junge Burschen. Wenn ich schon schockiert bin, weiß ich nicht, was bei denen im Kopf vorgeht. Natürlich glaube ich meinen Spielern“, sagte Babelsberg-Trainer Civa. „Ich glaube, dass die nächsten Tage sehr turbulent sein werden für Halberstadt und unsere Spieler“, so Civa. „Aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch.“

Petersen beim Spiel im Stadion

Der Verband teilte unterdessen gestern mit, dass das Präsidium des NOFV die Eröffnung eines Verfahrens beim Sportgericht beantragt hat. Die Beteiligten auf Babelsberger Seite müssen jetzt bis Mittwoch Stellung beziehen und die erhobenen Vorwürfe belegen. Diese Erkenntnisse würden dann laut NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs zunächst gesichtet und als nächster Schritt anschließend wohl Andreas Petersen und Germania Halberstadt zu Stellungnahmen aufgefordert werden. „In den nächsten zwei, drei Wochen wird es also eher keine Entscheidung geben“, meinte Fuchs, der sich aufgrund des jetzt laufenden Verfahrens nicht weiter zum Vorfall äußern wollte.

Petersen, der am Freitag auf der Tribüne des Karl-Liebknecht-Stadions war und das Geschehen auf dem Rasen verfolgte, wurde durch einen Babelsberger Vereinsvertreter – im Beisein von Schiedsrichterobmann Heinz Rothe – über die getätigte Anzeige beim NOFV informiert. Am Sonntag sagte Petersen in der MDR-Sendung „Sport im Osten“: „Ich war 31 Jahre im Fußballgeschäft sauber und werde immer sauber bleiben. Ich werde mit einem Anwalt gegen die Schmutzkampagne des SV Babelsberg vorgehen.“

Petersen seit Sommer Sportdirektor

Der in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) geborene Andreas Petersen wechselte vor der laufenden Regionalliga-Nordost-Saison beim VfB Germania Halberstadt vom Trainer- auf den Sportdirektorposten. Zuvor stand er zwei Spielzeiten an der Seitenlinie des VfB, für den er bereits von April 2007 bis April 2012 tätig war. Zwischen seinen beiden Amtszeiten beim aktuellen Tabellendreizehnten war der 58-jährige A-Lizenz-Inhaber als Coach beim 1. FC Magdeburg, dem BSV Schwarz-Weiß Rehden und der TSG Neustrelitz aktiv. Petersens Nachfolger auf der Trainerbank der Halberstädter ist der erst 29-jährige Maximilian Dentz, der auf der Pressekonferenz am Freitag auf die erhobenen Manipulationsvorwürfe fassungslos reagierte. „Wenn da tatsächlich etwas dran ist, ist das brutal und versaut mir das Wochenende. Da verliere ich den Glauben an diese Sportart. Wir können uns dafür nur in aller Form entschuldigen“, sagte der jüngste Cheftrainer der Regionalliga im Anschluss an Civas Aussagen.

Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Brandenburg
Sport aus aller Welt