Marc-André Ter Stegen ist Stammtorwart beim FC Barcelona. Marc-André Ter Stegen ist Stammtorwart beim FC Barcelona. © imago
Marc-André Ter Stegen ist Stammtorwart beim FC Barcelona.

Marc-André Ter Stegen exklusiv: „In Deutschland will man oft nur negative Dinge sehen“ 

Im Interview: Marc-André ter Stegen wird in Barcelona gefeiert, in Deutschland ist er nur die Nummer zwei – heute gegen Tschechien schauen alle auf ihn

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Die Ansagen von Joachim Löw sind unmissverständlich. „Wir wollen uns möglichst jetzt schon qualifizieren.“ Und: „Niemand hat einen Freifahrtschein für die WM.“ Vor den wichtigen Qualifikationsspielen gegen Tschechien (heute, 20.45 Uhr, RTL) und gegen Norwegen (Montag, 20.45 Uhr, RTL) erhöht der Bundestrainer den Druck. Gewinnt Deutschland beide Partien und Nordirland patzt in einer Partie, ist die Qualifikation für die WM 2018 perfekt. Im Fokus stehen wird dabei heute Marc-André ter Stegen, der anstelle von Manuel Neuer im Tor stehen wird.

SPORTBUZZER: Herr ter Stegen, haben Sie Manuel Neuer mal gefragt, wie lange er noch vorhat, Fußball zu spielen?

Marc-André Ter Stegen: (lacht) Nein, über solche Sachen rede ich nicht mit meinen Torwartkollegen.

Sie haben einen tollen Confed Cup gespielt und das Turnier gewonnen. Joachim Löw hat Sie danach zur Nummer zwei erklärt – aber kann es als Torwart ein Ziel sein, Nummer zwei zu sein?

Es ist für jeden Fußballer eine Ehre, Teil der Nationalmannschaft zu sein und 80 Millionen Leute deines Heimatlandes zu repräsentieren. Der Erfolg der Mannschaft steht über allem. Manu weiß, dass er sehr viel Respekt erfährt, von allen. Er hat sich diesen Status erarbeitet. Deshalb gehört es sich nicht, zu sagen, dass ich Druck auf ihn machen will oder Ähnliches. Aber auch er hat – wie alle – keinen Freifahrtschein.

SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp traf Ter Stegen in Prag. SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp traf Ter Stegen in Prag. © Sportbuzzer

Kommentar zum Transferwahnsinn: Endlich ist es vorbei!

Bei Ihnen hat man oft das Gefühl, dass Ihre Leistungen in Spanien mehr gewürdigt werden als in Deutschland.

Es ist in der Tat schade, dass es teilweise so war, dass die ganze Zeit nichts berichtet wurde, wenn alles gut lief. Wenn dann mal irgendwas passiert ist, wurde sofort groß darüber berichtet. Ich habe mich damit abgefunden. Für mich ist es am wichtigsten, wie ich in dem Land gesehen werde, in dem ich Fußball spiele. Ich weiß selbst, wenn ich einen Fehler gemacht habe.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht?​

Ich weiß es nicht und es verwundert mich, dass man in Deutschland oft nur die negativen Dinge sehen will – nicht nur bei mir. Wenn man als Nationalspieler beleidigt wird, zum Beispiel beim Länderspiel in Dortmund, ist das traurig. Wenn man das Trikot der Nationalmannschaft trägt, sollte es eigentlich egal sein, woher man kommt oder wer man ist. Dann sollte man maximale Unterstützung erfahren. Ich glaube und hoffe aber, dass sich das spätestens durch den Confed Cup etwas geändert hat.

Ter Stegen wechselte 2014 nach Barcelona, spielte bisher 97 Mal. Ter Stegen wechselte 2014 nach Barcelona, spielte bisher 97 Mal. © imago

Wenn Deutschland gegen Barcelona spielen würde – wer würde gewinnen?

Puh, es wird zum Glück wahrscheinlich nicht passieren, wäre aber auf jeden Fall interessant, da zwei ziemlich unterschiedliche Mentalitäten aufeinandertreffen würden.

Erklären Sie uns das bitte.

Bei Barca hatten und haben wir vor allem enorme individuelle Qualität. Viele Spieler, die ein Spiel mit einer Aktion entscheiden können. Die gibt es in der Nationalelf natürlich auch. Dennoch glaube ich, dass wir vor allem über den Teamgeist kommen, vom Zusammenhalt profitieren.

Bei Barcelona hat sich in diesem Sommer sehr viel getan. Neymar ging für 222 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain, dafür holte man Ousmané Dembélé aus Dortmund für bis zu 150 Millionen Euro. Wie haben Sie diesen Wahnsinn erlebt?

Man verfolgt das als Spieler und bekommt einiges mit, aber ehrlich gesagt war ich froh, dass ich persönlich damit nicht viel zu tun hatte (lacht).

​"Dembélé? Ich freue mich auf ihn, auf frischen Wind"

Kann Dembélé Neymar ersetzen?

Ich freue mich auf ihn, auf frischen Wind. Ich habe ihn noch nicht oft gesehen, habe aber gehört, dass er enorm schnell ist, beidfüßig – das wird uns guttun. Dass Neymar für keine Mannschaft der Welt 1:1 zu ersetzen ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir müssen versuchen seinen Verlust, anders aufzufangen, im Kollektiv. Und wir werden sicherlich auch etwas anders spielen.

Können Sie nachvollziehen, wie Dembélé den Wechsel erzwungen hat? Er ist beim BVB in den Streik getreten.

Ich kann nicht beurteilen, was genau vorgefallen ist. Ganz grundsätzlich glaube ich, dass es schwierig ist, einen Spieler zu halten, der eigentlich schon mit den Gedanken woanders ist. Es ist eine extrem schwere Situation. Ich bin da geteilter Meinung. Man muss auch den Verein verstehen, der zu Recht auf seine Verträge pocht. Es kann ja nicht sein, dass man diese einfach auflösen kann. Vielleicht muss man da eine generelle Lösung finden.

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Auch Sie haben in Ihrem Vertrag eine sehr hohe Ausstiegsklausel über 180 Millionen Euro.

Natürlich ist das für mich eine Bestätigung und Wertschätzung. Der Verein wollte das unbedingt und hat damit ein Zeichen gesetzt, dass er auf mich baut. Für den Klub ist es eine Sicherheit, da vermutlich keiner jemals 180 Millionen Euro für einen Torwart zahlen wird. Der Markt ist momentan etwas wild, würde ich sagen (lacht). Und der Markt macht den Preis, nicht die Spieler. Jeder versucht, das Beste für sich rauszuholen.

Sie haben in drei Jahren acht Titel gewonnen, sind die Nummer eins bei einem der größten Klubs der Welt. Fühlen Sie sich als Weltstar?

Ich bin kein anderer Mensch, als ich es in Gladbach war. Ich weiß, wie ich in Spanien, in Katalonien gesehen werde und das macht mich unglaublich stolz. Das Größte ist es für mich, wenn man den Leuten etwas zurückgeben kann – am besten in Titeln. Und das ist auch wieder unser Ziel für die nächsten Jahre.

Terror in Barcelona? "Ich kann nicht leugnen, dass man sich darüber Gedanken macht"

Zuletzt gab es in Barcelona einen Terroranschlag mit 16 Toten und 120 Verletzten. Inwiefern hat sich Ihr Leben verändert?

Ich kann nicht leugnen, dass man sich darüber Gedanken macht. Natürlich war das auch ein Thema in der Mannschaft. Wir haben überlegt, wie man den Familien helfen kann, deren Angehörige betroffen waren. Wir haben einiges getan. Das zeichnet Barça aus. Das Vereinsmotto „Mehr als ein Klub“ wird hier tatsächlich gelebt, das ist einzigartig. Aber für mich persönlich kann ich nur sagen, dass ich zwei Tage nach den Anschlägen auf der Ramblas war und dabei – zum Glück – kein schlechtes Gefühl hatte. Ich bin nicht der Typ, der sich zu Hause einschließt. In einer Stadt wie Barcelona will man das Leben auch genießen, und das werde ich auch in Zukunft tun.

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