11. Juli 2018 / 15:59 Uhr

Marcel Bragula: "Als Trainer darf man nicht stur sein"

Marcel Bragula: "Als Trainer darf man nicht stur sein"

Michael Kerzel
Krandelstadion
VfL Wildeshausen –
SV Tur Abdin
Geplant: 12.11.2017, 14:00 bis 15:00
Für Trainer Marcel Bragula kommt es auf die Gesamtentwicklung des VfL Wildeshausen an und nicht nur auf das Abschneiden der Bezirksligamannschaft. © Ingo Moellers
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VfL Wildeshausens Coach Marcel Bragula spricht im Interview über die Saisonvorbereitung und die Zusammenarbeit im Trainerteam

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Herr Bragula, wie hat sich der Kader des VfL Wildeshausen verändert?

Marcel Bragula: Neu ist mein Co-Trainer: Patrick Meyer kommt für Sven Apostel. Zudem haben wir Marius Krumland vom BV Cloppenburg, Hauke Glücke vom Harpstedter TB und Robin Ramke vom TSV Ganderkesee geholt. Elias Schröder ist zudem mit einem Zweitspielrecht ausgestattet und spielt sowohl für uns als auch für die A-Jugend des TuS Heidkrug. Den Verein verlassen hat Timo Höfken, er geht zum TV Jahn Delmenhorst. Ole Willms und Brandon-Lee Durano laufen künftig für unsere U23 auf, Lennart Flege beendet seine Laufbahn. Es gehen also vier Spieler und vier neue kommen.

Was erwarten sie von den Neuzugängen?

Marius Krumland haben wir als Stützpfeiler geholt. Er hat Oberliga-Erfahrung. Man darf aber nicht vergessen, dass er einen Kreuzbandriss hatte und lange verletzt war. Erst in der Schlussphase der Saison hat er beim BV Cloppenburg wieder gespielt und da dann auf der Rechtsverteidigerposition. Bei uns ist er als Innenverteidiger eingeplant. An ihn habe ich natürlich die größte Erwartungshaltung, er soll schon eine Führungsrolle einnehmen. Aber man muss bedenken, dass er erst 24 Jahre alt ist. Trotzdem hat er höherklassig gespielt und das sollte man in Bezug auf das taktische Verhalten und auch die Einstellung sehen. Ich habe da aber ein sehr gutes Gefühl, kenne Marius seit gut fünf Jahren, die Verbindung war immer da. Ich habe mir Spiele von ihm angeschaut. Er weiß, was ich will und ich weiß, was er kann.

Die anderen Neuzugänge kommen aus tieferen Ligen.

Ja, aber das sind wir gewohnt und damit können wir umgehen. Das ist kein Problem. Hauke ist ein körperlich starker Defensivallrounder. Außer Linksverteidiger kann er eigentlich alles spielen, ist aber für die Sechs vorgesehen. Dafür bringt er die typischen Eigenschaften mit: Lauf-, Kopfball- und Zweikampfstärke. Natürlich muss er noch an ein paar Dingen arbeiten, beispielsweise im Spiel mit dem Ball. Er fällt aber im Vergleich zu unseren anderen Spielern nicht ab. Ich bin überzeugt, dass er Bezirksliga-Niveau hat. Robin ist vergleichbar mit Michael Eberle, den wir letztes Jahr vom TSV Ganderkesee geholt haben. Er ist schnell und dribbelstark, muss aber gerade gegen den Ball noch besser werden. Ähnliches gilt aber auch für Eberle oder Kevin Kari. Maximilian Seidel ist den anderen Außenbahnspielern, auch wenn er im Zentrum spielen kann, körperlich und in der Defensivarbeit ein Stück voraus. Elias zeigt bereits ein hohes Spielverständnis und ist körperlich gut durchtrainiert. Wir wollen ihn langsam aufbauen, nicht verheizen.

Gerade der Defensivarbeit messen Sie einen großen Wert bei.

Bei uns gilt der Leitsatz: Wenn der Gegner den Ball hat, sind alle Verteidiger. Alle elf. Daher würde bei mir ein Mesut Özil nicht spielen. Nicht wegen der Debatten um ihn und um das ganze Drumherum. Das spielt für mich keine Rolle. Aber bei uns ist die Arbeit gegen den Ball eminent wichtig. Das müssen gerade die neuen Spieler lernen und sich darauf einstellen. Aber das wird klappen, das sind charakterlich einwandfreie Jungs, sie passen wunderbar ins Team.

Alle vier Neuzugänge sind externe.

Das ist so. Der Kader muss auch nicht zu 90 Prozent aus Wildeshausern bestehen, aber es wäre schön, Leute aus dem eigenem Nachwuchs zu rekrutieren. In der aktuellen C- und B-Jugend sehe ich viel Potenzial. Auch aus der A-Jugend werde ich mir ein oder zwei Leute noch mal genauer anschauen, aber das Niveau ist in diesem Jahrgang nicht so hoch. Das hat natürlich Gründe, beispielsweise ging vor ein paar Jahren der komplette 99er-Jahrgang. Wir sind da in den vergangenen Jahren aber wieder besser geworden. Ich bin mit den Jugendtrainern in engem und permanentem Austausch. Die Jugendspieler müssen aber auch bereit sein, ein Jahr in die U23 zu gehen und in der Kreisklasse zu spielen, wenn das erforderlich ist. Damit wir in den kommenden Jahren wieder mehr Leute aus den eigenen Reihen hochziehen können, müssen die Jugenden und die U23 auf gesunden Beinen stehen. Das hat Priorität für mich, sogar etwas vor dem Abschneiden der ersten Mannschaft in der Bezirksliga. Da spielt es dann nicht die große Rolle, ob man Dritter oder Fünfter wird. Ich bin ja nicht nur Trainer der ersten Herren, sondern auch VfLer. Mit Andre Höttges bekommen wir jetzt einen guten Trainer für die U23. Wir kennen uns gut, und wie ich ihn kenne, entwickelt er die Spieler weiter.

14 Uhr: Fußball-Bezirksliga
TSV Ganderkesee 11 –
BV Bockhorn
Immerweg
Geplant: 17.04.2016, 14:00 bis 15:00
Robin Ramke (weiß) ist einer der Neuzugänge des VfL Wildeshausen. © Ingo Moellers
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Wo liegen die Schwerpunkte in der Vorbereitung?

Wir trainieren jetzt fünf- bis sechsmal pro Woche und haben einen abgewandelten Cooper-Test zum Start gemacht. Die Mannschaft ist fit aus der Sommerpause gekommen, daher fiel es leicht, in die Woche einzusteigen. Wir haben jetzt vier Wochen, jede Woche ist ein Block: erstens Grundlagenausdauer, zweitens Kraftausdauer, drittens Schnelligkeitsausdauer, viertens Schnelligkeit. Um die Blöcke herum trainieren wir natürlich auch Spielformen ein. Wir machen alles mit dem Ball. Natürlich kann man in der Vorbereitung auch mal verschiedene Spielsystem ausprobieren, aber wir sind Amateurfußballer, da kann nichtder Fokus drauf liegen. In erster Linie geht es darum, die Mannschaft fit zu bekommen. Natürlich probieren wir in Testspielen verschiedene Sachen aus, beispielsweise ein Angriffspressing gegen schwächere Teams oder ein defensiveres Verhalten gegen stärkerer Gegner. Ich bin großer Freund von Testspielen.

Worauf kommt es neben Fitness in der Vorbereitung noch an?

Neben der Fitness geht es vor allem darum, ein Team zu werden. Dafür absolvieren wir beispielsweise ein Trainingslager in Delmenhorst vom 27. bis 29. Juli inklusive eines Testspiels gegen den TuS Heidkrug. Wir haben neue Leute und einen neuen Co-Trainer. Wir müssen eine Truppe werden. Da gehört es auch dazu, mal abends zusammen zu grillen oder gemeinsam ein Bier zu trinken.

Welche Tests stehen noch auf dem Programm?

Wir spielen am Donnerstag gegen Atlas Delmenhorst, allerdings ist da die halbe Mannschaft auf dem Airbeat-Festival. Das ist auch in Ordnung, wir sind Hobbyfußballer. Was mir nicht gefällt, ist, wenn jemand den Großteil der Vorbereitung wegen Urlaubs verpasst, aber auch das lässt sich natürlich nicht immer vermeiden. Wir spielen auch wieder beim Schmidt+Koch-Cup in Löhnhorst mit, den hatten wir vergangenes Jahr überraschend gewonnen. Da ist unter anderem der Oberliga-Aufstieger Hagen/Uthlede dabei.

Das erste Pflichtspiel ist die erste Runde des Bezirkspokals Ende Juli.

Das hat aber keine Priorität, auch wenn wir uns vernünftig präsentieren und eine Runde weiterkommen wollen. Wir spielen gegen Frisia Goldenstedt, das ist Spitz auf Knopf. Kann man weiterkommen, kann manauch rausfliegen. Im Testspiel gegen Frisia am Wochenende haben wir es über weite Strecken schon ganz gut gemacht und 4:2 gewonnen. Die beiden Gegentore hätten wir aber nicht kassieren müssen. Der Fokus liegt aber auf der Liga. Das sieht man auch daran, dass der vierte Block, Schnelligkeit, in der Woche zwischen Pokal und Liga eingeplant ist.

Wie schätzen Sie die Qualität der diesjährigen Bezirksligateams ein?

Ich denke, dass es wesentlich spannender wird, dass nicht zwei oder drei Teams vorwegmarschieren wie diese Saison. Da würde ich drauf wetten. Der SV Wilhelmshaven hat sich verstärkt, könnte das neue Brake werden. Bei Frisia Wilhelmshaven tut sich was, die wollen in die Landesliga. Das sieht man beispielsweise an der Verpflichtung von Philip Immerthal von Atlas. Heidmühle als Absteiger ist großenteils zusammengeblieben. Und wenn der TSV Oldenburg das auch schafft, sind die auch sehr stark und Mitfavorit. Abbehausen ist in der Rückrundentabelle auf Platz zwei gelandet, GVO Oldenburg hat mehrere Leute von VfB II und Hansa Frisoythe geholt, Bümmerstede hat sich verstärkt, Stenum wird eine bessere Rolle spielen. Und wenn man sieht, wen Tur Abdin Delmenhorst geholt hat, beispielsweise Simon Matta, dann ist das auch eine ganz andere, stärkere Truppe. Diese Teams haben alle eine hohe Qualität. So wie wir auch. Davon bin ich überzeugt. Und weil die auch alle gut spielen können, müssen wir mit dem punkten, was uns eh schon stark macht, nämlich: Kraft, Fitness, Zusammenhalt.

Welchen Beitrag leistet der neue Co-Trainer?

Klar ist, dass wir im Trainerteam gut zusammenarbeiten und in die gleiche Richtung gehen müssen. Ich brauche keinen Hütchenaufsteller. Nach Marco Elia und Sven Apostel ist Patrick Meyer jetzt mein dritter Co-Trainerin Wildeshausen. Vor der Saisonvorbereitung setzte ich mich mit dem Co-Trainer vier, fünf Abende zusammen und wir reden über Fußball. Über Taktik, über Trainingsmethodik, über alles. Ich höre mir alles an und gleiche das mit meinen Ansichten ab. Natürlich behalte ich die meisten meiner Ansichten bei, von denen bin ich ja überzeugt. Aber zehn bis 20 Prozent ändert man immer. Und das ist auch gut so. Man darf als Trainernicht stur sein. Und man darf beim Fußball nicht stehenbleiben. Das Feuer muss immer wieder brennen, sonst kann man es lassen.

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