09. Oktober 2018 / 21:52 Uhr

Marcel Halstenberg: Comeback für RB Leipzig vom anderen Stern

Marcel Halstenberg: Comeback für RB Leipzig vom anderen Stern

Guido Schäfer
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RB Leipzigs Spieler halten das Trikot vom verletzten Marcel Halstenberg hoch.
RB Leipzigs Spieler halten das Trikot vom verletzten Marcel Halstenberg hoch. © Imago
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Der Linksverteidiger der Roten Bullen Marcel Halstenberg (27) ist zurück – und er ist ein Garant für Siege.

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Leipzig. Wenn sich Fußballer brachial verletzt haben, kommt kurz später zielsicher eine Foto-Nachricht via Twitter, Instagram oder Facebook. Bettengruft, Orangensaft auf dem Beistelltisch, Spieler XXY lächelnd, Daumen hoch. Plus die immer gleiche Botschaft: „Ich komme stärker zurück!“ Von Marcel Halstenberg sind derartige Grüße nicht überliefert. Der erdverbundene Nationalspieler der Rasenballer ist kein Mann großer Parolen, hat seine Knieverletzung verpackt, sich zurückgekämpft auf den Rasen und ist, ja, auch ohne WWW-Gedöns stärker denn je. Linksverteidiger Halstenberg, 27, über ein Comeback wie gemalt, den Hallo-wach-Effekt des Salzburg-Spiels, Besuche vom inneren Schweinehund, entspannte Gedanken an die Nationalmannschaft und die Vorhersage eines gewissen David Wagner aus dem Jahr 2012.

2:0 gegen Stuttgart, 3:1 in Trondheim, 6:0 gegen Nürnberg. Marcel Halstenberg in der Startformation muss sein. Weiß Ralf Rangnick von dieser Bilanz?

Das müssen Sie ihn fragen. Aber wenn er davon erfährt, wird er mich wahrscheinlich nie mehr auf die Bank setzen. Im Ernst: Ich bin sehr glücklich, wieder das tun zu können, was ich liebe.

Und Sie tun das in erstaunlicher Art und Weise.

Es läuft gerade gut – bei uns und bei mir.

Bei Ihren ersten 30 Testminuten gegen Lubin machten Sie Anfang September nicht unbedingt den Eindruck totaler Spielfitness.

Das war mein erster Einsatz nach vielen Monaten. Das große Feld, 22 Mann, die Rennerei, da muss man sich erst mal wieder orientieren, Gefühl für Ball, Raum und Zeit entwickeln. Das war extrem anstrengend, vor allem für den Kopf. Ich bin abends um 20 Uhr ins Bett gegangen und habe zehn Stunden geschlafen.

DURCHKLICKEN: Marcel Halstenberg im Leipziger Dress

Marcel Halstenberg ist inzwischen aus der Mannschaft der Roten Bullen nicht mehr wegzudenken. Zur Galerie
Marcel Halstenberg ist inzwischen aus der Mannschaft der Roten Bullen nicht mehr wegzudenken. ©
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Kurze Zeit später mussten, durften Sie beim Stand von 0:2 in der zweiten Halbzeit gegen Salzburg ran.

Ich musste nicht, ich durfte. Wir lagen 0:2 hinten, wollten das Ding drehen.

Sie haben die zweite Halbzeit 2:1 gewonnen. Auch dank Ihrem glänzenden Pflichtspiel-Comeback auf links. Es gab also doch einen Leipziger Gewinner.

Wir haben das Spiel 2:3 verloren, es gab keinen Gewinner. Aber es waren wichtige 45 Minuten für mich, die mir gezeigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich habe mich im Spiel frisch und wohlgefühlt.

War es im Nachhinein besser, dass die Nummer kurz vorm Ende in die Hose gegangen ist?

Ich hätte schon lieber 2:2 als 2:3 gespielt. Wir haben aufs 3:2 gespielt und sind in einen Konter gelaufen. Ich weiß, was Sie meinen. Ein Unentschieden hätte vielleicht einiges verklärt. Nach dieser Niederlage im Prestigeduell ist bei uns viel passiert, musste einiges anders werden. Auf und neben dem Platz. Ja, Salzburg war ein Schuss vor den Bug zum richtigen Zeitpunkt.

Der Trainer hat dem Team einen mächtigen Einlauf verpasst, inbesondere den Herren Mukiele und Augustin.

Wir wurden zu Recht hart kritisiert, wussten selbst, dass wir so nicht weiterspielen dürfen. Wir haben nicht nur mit den Trainern, sondern auch innerhalb der Kabine viel miteinander gesprochen.

DURCHKLICKEN: Marcel Halstenberg bei RB Leipzig

2015 September: Halstenberg spielt für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 September: Halstenberg spielt für RB (@GEPA Pictures) ©

Es kamen also die berüchtigten Selbstreinigungskräfte zum Einsatz?

Wenn Sie es so nennen wollen. Grundsätzlich stimmt bei uns die Mentalität und auch das Miteinander. Es gibt bei uns keine Stinkstiefel.

Sondern?

Wir haben spezielle Charaktere, das muss man erkennen und damit muss man ungehen. Das ist bei anderen Mannschaften nicht anders. Aber auch bei uns müssen die vermeintlichen Kleinigkeiten stimmen. Wir haben Regeln aufgestellt, und an die müssen sich alle halten.

Champions League-Flair: RB Leipzigs Marcel Halstenberg im Zweikampf mit Youri Tielemans von der As Monaco
Champions League-Flair: RB Leipzigs Marcel Halstenberg im Zweikampf mit Youri Tielemans von der As Monaco © 2017 Getty Images

Und wer so kurz vor dem Spiel am Handy daddelt, der ist nicht bereit für Heldentaten?

Die Spielvorbereitung ist klar geregelt. Und damit hat sich das Thema jetzt auch.

Nach langer Matchpause schaut der innere Schweinehund öfter vorbei. Wie war das bei Ihren ersten Starteinsätzen?

Ja, ich bin ihm ein paar Mal begegnet. Aber da muss man durch. Übrigens auch mit Hilfe der Kollegen. Momentan arbeitet jeder für den anderen. Und das muss bei unserer Art zu spielen auch so sein. Und so bleiben. Ohne Arbeit gegen den Ball geht es nicht, das ist die Basis für alles.

Sie und Marcelo Saracchi teilen sich die Position des Linksverteidigers. Könnten Sie sich auch woanders vorstellen?

Marcelo, Ralf Rangnick und ich haben darüber auch schon gesprochen. Denkbar wären sicherlich auch andere Konstellationen, aber das bleibt erstmal unter uns.

Marcel Halstenberg im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg (6:0)
Marcel Halstenberg im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg (6:0) © 2018 Getty Images

Saracchi ist ...

... jung, dynamisch, bissig. Er tut uns gut.

Wie schmeckt sein Mate-Tee?

Keine Ahnung, da habe ich mich noch nicht rangetraut.

Die Nationalmannschaft spielt gegen Holland und Frankreich.

War das jetzt eine Frage?

Weiteres zu RB Leipzig

Sie spielt ohne Sie.

Nun mal langsam. Ich bin froh, dass ich bei RB viele Einsatzminuten bekomme. Ich bin da völlig entspannt. Wenn ich mich in Leipzig in den Vordergrund spiele, kommt alles andere von allein. Dass es das Größte ist, für sein Land zu spielen, muss ich nicht erwähnen.

Ihr Kollege Diego Demme wurde nicht nominiert. Stattdessen darf Schalkes Reservist Sebastian Rudy Spielpraxis sammeln. Ist das nur seltsam oder ungerecht?

Diego ist top. Mit Ball, ohne Ball, charakterlich. Der Bundestrainer weiß ganz sicher, wie stark Diego ist und dass man sich auf ihn verlassen kann. Vielleicht fahren wir ja irgendwann zu dritt (Demme, Halsternberg, Werner, d. Red.) zum DFB.

Marcel Halstenberg im Kopfballduell mit Stuttgarts Pablo Maffeo Becerra 
Marcel Halstenberg im Kopfballduell mit Stuttgarts Pablo Maffeo Becerra  © 2018 Getty Images

Am 20. Oktober müssen Sie beim FC Augsburg antreten. Das 0:1 aus der Vorsaison war ...

... grauenvoll, katastrophal. Augsburg ist schwer zu bespielen. Aber das sind wir aktuell auch.

Ihr Dortmunder Drittliga-Coach David Wagner soll Ihnen schon 2012 eine große Zukunft vorhergesagt haben.

Er sagte damals, dass mein linker Fuß in die Bundesliga gehört. Und dort ist der Rest von mir auch angekommen.

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