07. Juni 2018 / 06:00 Uhr

Marco Reus im Interview: "Ich werde nicht zurückziehen"

Marco Reus im Interview: "Ich werde nicht zurückziehen"

Heiko Ostendorp
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Marco Reus geht in seine erste WM, nachdem er das Turnier in Brasilien verletzt verpasste.
Marco Reus geht in seine erste WM, nachdem er das Turnier in Brasilien verletzt verpasste. © Getty
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Marco Reus spricht im Interview über seine Verletzungen, die WM 2014 und er erklärt, warum Deutschland nicht den Titelverteidiger-Fluch erleiden wird.

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Herr Reus, die wichtigste Frage zuerst: Wie fit sind Sie rund eine Woche vor dem WM-Start?

Marco Reus (29): Ich fühle mich gut, danke. Es war mit dem Bundestrainer besprochen, dass ich einige Einheiten zusätzlich gemacht habe, einige individuell. Insgesamt haben wir sehr intensiv trainiert, die Vorbereitung war sehr lang. Ich glaube, wir sind jetzt alle auf dem gleichen Niveau und bereit.

Das sah beim 1:2 gegen Österreich noch nicht danach aus. Muss man sich nach fünf Spielen ohne Sieg Sorgen machen?

Nein. Das Österreich-Spiel hat gezeigt, dass wir auch noch einige Arbeit vor uns haben – aber das ist kein Problem. Wir haben so viel Vertrauen in uns und wissen, dass wir eine Turniermannschaft sind. Zum ersten WM-Spiel werden wir bei 100 Prozent sein.

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Sie haben die letzten beiden Turniere aufgrund von Verletzungen verpasst. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Bei so einem Turnier will man sich mit den Besten messen. Und es gibt viele tolle Teams, ob Frankreich, Brasilien, Portugal, Argentinien oder Spanien – ich wollte grad schon Italien sagen (lacht). Es wird von der Leistungsdichte eine der spannendsten Weltmeisterschaften überhaupt. Und wir haben mit Mexiko gleich einen Brocken zum Auftakt, den man nicht unterschätzen darf.

Erst zweimal konnte ein Land den Titel verteidigen. Die letzten beiden Titelverteidiger flogen in der Vorrunde raus – warum wird Deutschland das nicht passieren?

Dieser Fluch ist schon krass. Es zeigt, wie schwer es ist, wenn man der Gejagte ist, wenn alle einen schlagen wollen. Das ist eine riesige Herausforderung für uns. Aber ich bin der Überzeugung, dass wir mit der Situation umgehen können und uns von Spiel zu Spiel steigern. Wir wollen auch schönen Fußball spielen, aber bei so einem Turnier muss man auch mal schmutzig gewinnen. Und das am besten siebenmal.

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Der Bundestrainer hat Sie kürzlich „eine Rakete“ genannt – schmeichelt Ihnen das?

Ich war jetzt wirklich lange nicht mehr dabei, da freut einen so ein Lob natürlich umso mehr. Offenbar habe ich im Training und in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen. Er hofft wie ich, dass ich jetzt auch bei der WM zünde (lacht).

2014 verletzten Sie sich im letzten Test vor der WM. Haben Sie Angst vor dem Spiel am Freitag gegen Saudi-Arabien?

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht daran denke. Aber ich gehe sicher nicht mit Angst in das Spiel. Ich weiß aus Erfahrung, dass immer was etwas passieren kann. Ich werde deshalb in keinem Zweikampf zurückziehen, sondern einfach meinen Stiefel runterspielen.

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Im Mannschaftshotel gibt es verschiedene Freizeitangebote. Lassen Sie es lieber sein Tennis oder Basketball zu spielen, aus Angst vor einer erneuten Verletzung?

Nein. So war ich noch nie. Wenn mir irgendetwas Spaß macht, wenn ich etwas machen möchte, dann mache ich es. Aber natürlich achtet man etwas mehr auf seinen Körper und spielt nicht gerade zwei Stunden Tischtennis, wenn der Oberschenkel schon hart ist.

Was unterscheidet Sie von Ihren direkten Konkurrenten wie Julian Draxler oder Mesut Özil?

Ich gehe gerne in Eins-gegen-Eins-Situationen, suche das Dribbling, will Chancen kreieren, Läufe in die Tiefe machen, Torabschlüsse suchen. Das könne alle anderen Offensivspieler aber auch, sonst wären sie nicht dabei. Ich denke, dass der Bundestrainer in jedem Spiel schauen wird, welcher Typ am besten zum Gegner passt und ich hoffe, dass ich vor allem in den entscheidenden Spielen dabei sein werde.

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Mit Leroy Sané ist ein Konkurrent bereits im Urlaub. Waren Sie auch überrascht?

Klar, Leroy wurde „Rookie oft he year“ in England, hat eine tolle Saison gespielt. Aber der Bundestrainer hat so entschieden, das müssen wir alle akzeptieren. Ich denke, Leroy ist professionell genug, damit umzugehen und gestärkt wieder zu kommen. Dann wird er auch wieder ein fester Bestandteil sein.

Haben Ihre Verletzungen Sie als Mensch oder Spieler in irgendeiner Form verändert?

Natürlich hat man genügend Zeit, über andere Dinge im Leben nachzudenken. Es gibt Sachen, die wichtiger sind als Fußball. Ich bin insgesamt vielleicht etwas lockerer geworden.

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Glauben Sie, dass man für das Entgangene irgendwann entschädigt wird?

Überhaupt nicht. Es wäre ein Fehler zu denken, dass ich jetzt irgendwas geschenkt bekomme oder weniger machen muss, weil ich mich zweimal verletzt habe. Ohne harte Arbeit funktioniert es nicht.

Wo waren Sie, als Deutschland 2014 ohne Sie Weltmeister wurde und was haben Sie gefühlt, als Mario Götze ihr Trikot hoch hielt?

Ich war im Urlaub und habe das Spiel natürlich geschaut. Ich muss aber gestehen, dass ich danach relativ schnell ins Bett bin und erst am nächsten Tag gesehen habe, was Mario da gemacht hat. Natürlich hat mich das gefreut und ich habe mich bedankt. Aber ehrlicherweise wäre ich auch gerne dabei gewesen.

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