Berti Vogts: "Vor Mario Gomez ziehe ich meinen Hut." © dpa/Sportbuzzer

Mario Gomez ist unrecht getan worden!

Sportbuzzer-Kolumnist Berti Vogts beschäftigt sich vor dem Viertelfinale gegen Italien ausführlich mit Stürmer Mario Gomez – und zieht seinen Hut!

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Deutschland gegen Italien, das ist ein Klassiker, das sind zwei Fußballnationen, die diesem Spiel entgegenfiebern. Was will man als Zuschauer mehr? Gegen die Italiener werden wir zum ersten Mal bei diesem Turnier maximal gefordert sein. In der Defensive ohnehin, aber auch in der Offensive: Italien ist bekannt für hervorragende Abwehrleistungen – wir müssen eine unheimliche Durchschlagskraft entwickeln.

Es ist an der Zeit, mal über einen Mann zu reden, der bisher vielleicht die (Neu-)Entdeckung in der deutschen Nationalmannschaft ist. Einer, den sie in Italien beim AC Florenz weggeschickt haben und der bei dieser EM 199 Minuten auf dem Platz stand: Mario Gomez.

Wie er mit seinen 1,89 Metern immer zwei Gegenspieler bindet, als Keilspieler vorn im Zentrum, das ist super. Man kann Mario mit Robert Lewandowski vergleichen; er ist einer, der mit seiner Beidfüßigkeit die Bälle hält, anspielbar ist, mit seiner ganzen Power (wegen der er auch so verletzungsunanfällig ist) den Körper einsetzt, 60 Prozent seiner Luftduelle gewinnt – und im Strafraum das richtige Näschen hat, um als Torjäger zu vollstrecken. Ein Instinktfußballer. Mario braucht laut Statistik nur vier Torschüsse für ein Tor. Blickt man in der Historie noch weiter zurück, dann war auch Horst Hrubesch so ein Spieler.

Oft ist ihm früher vorgeworfen worden: „Er muss sich besser bewegen!“ Nein, andersherum ist es richtig: Er muss immer in Position gebracht werden! Mario, der schon im Alter von 21 Jahren sein Debüt in der Nationalelf gegeben hat, ist sehr lange unrecht getan worden. Er ist ausgepfiffen worden bei den Spielen der Nationalelf. Das tat mir immer unheimlich weh, weil es kein Spieler verdient hat, ausgepfiffen zu werden.

Vor Mario Gomez ziehe ich meinen Hut. Wie er sich über die Türkei – dort hat er bei Besiktas Istanbul in 41 Spielen 28 Tore erzielt – zurückgekämpft hat, imponiert mir sehr. Er wirkt frischer denn je, ja, regelrecht befreit. Mittlerweile hat er in 67 Länderspielen 29 Tore erzielt, was eine beachtliche Quote ist, denn Mario hat nur 13-mal über die volle Distanz spielen dürfen.

Mit seinen insgesamt fünf EM-Toren hat Gomez den deutschen Bestwert von Jürgen Klinsmann, der Deutschland 1996 als Kapitän zum bis dato letzten Europameistertitel geführt hat, eingestellt.

Manchmal sieht es tatsächlich so aus, als wenn Mario mit seinen technischen Fähigkeiten nicht am Kombinationsspiel der Deutschen teilnehmen könnte. Das stimmt aber nicht, seine Fehlpassquote ist mit 23 Prozent für einen Stürmer sehr gering – und denken Sie an Thomas Müller; auch bei ihm sehen manche Bewegungen unrund aus, tatsächlich aber besitzt er eine super Technik. Ich wäre froh, wenn wir in den USA so einen Spieler wie Mario Gomez hätten. Heute gegen Italien drücke ich ihm umso mehr die Daumen. Mein Tipp: 3:1 für Deutschland.

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