27. Juni 2017 / 14:21 Uhr

Präsident Martin Kind will das Sagen haben

Präsident Martin Kind will das Sagen haben

Carsten Bergmann
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Brachte Hannover 96 zurück in den Profi-Fußball: Präsident Martin Kind
96-Präsident Martin Kind. © dpa
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Martin Kind will noch in diesem Jahr die 50+1-Regel kippen und die alleinige Macht bei Hannover 96 übernehmen. In einem offenen Brief appelliert der Verein an seine Mitglieder.

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Martin Kind drückt auf die Tube. Pünktlich zum 20. Dienstjubiläum als Präsident von Hannover 96 will er die Investorenregel 50+1 kippen. Der 96-Chef erhofft sich durch die Umstellung mehr Professionalität, seine Gegner fürchten hingegen ein unkontrollierbares Imperium. Mehr noch: Sie haben vor allem Angst, dass die komplette Fußball-Abteilung an einen Investoren verkauft werden könnte.

Auf der Jahreshauptversammlung Ende April war es zum Eklat gekommen. Einem Antrag auf Satzungsänderung, die den Erhalt der Klausel gewährleisten sollte, fehlten nur wenige Stimmen zur notwendigen Zweidrittelmehrheit. Vorstand und Gegner lieferten sich hitzige Wortgefechte, es ging weit unter die Gürtellinie. Nach Mitternacht stimmte die Versammlung einem Antrag zu, der besagt, dass Kind seine Übernahmepläne den Mitgliedern des Vereins nochmals zur Abstimmung vorlegen müsse. Kind dazu: „Das ist eine Empfehlung. Es gilt die Satzung. Ende.“

Eindrücke vom ersten 96-Training der neuen Bundesliga-Saison

Aus den Zerwürfnissen hat der 96-Präsident seine Lehren gezogen. „Wir werden viel intensiver mit den Mitgliedern kommunizieren, diskutieren, sie informieren – das ist uns in der Vergangenheit nicht hinreichend gelungen.“ Abstimmen lassen will er nicht mehr.

96-Aufsichtsratmitglied Ralf Nestler nimmt den Vereinsvorstand in die Pflicht. Die Umsetzung des Beschlusses sei eine Pflicht gemäß der Satzung. „Der Vorstand ist verpflichtet, den Beschluss der Mitglieder vom 27. April 2017 eins zu eins umzusetzen. Ganz abgesehen davon erinnere ich daran, dass Kinds Pläne, die 50+1-Regel in Hannover abschaffen zu wollen, nicht mehrheitsfähig ist und nur gut ein Prozent der stimmberechtigten Mitglieder des Vereins für seine Pläne auf der Mitgliederversammlung gestimmt haben.“

Gestern schickte 96 nochmals Post an seine Mitglieder, appellierte an einen respektvollen Umgang und ein besseres Miteinander. Der Verein gesteht in dem Schreiben Fehler ein, nicht genug über etwaige Vorteile der 50+1-Regel informiert zu haben. „Diese Überzeugungsarbeit werden wir die kommenden Wochen und Monate intensivieren.“ (Hier das ganze Schreiben im Wortlaut.)

Die Bilder von der Mitgliederversammlung von Hannover 96 im April 2017:

96-Präsident Martin Kind auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. Zur Galerie
96-Präsident Martin Kind auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. ©
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Kind will das Thema vom Tisch haben. „Wir brauchen Ruhe und Planungssicherheit. Auch das Kapital braucht Rechtssicherheit“, sagt er. Die Deutsche Fußball-Liga wird über den Antrag entscheiden. Wann genau, ist noch nicht abzusehen. „Oberste Priorität hat das Wohl des Vereins. 96 weiterzuentwickeln, das ist unsere Aufgabe“, sagt Kind.

Worum geht es dabei genau? Das Gebilde ist kompliziert. Im Zentrum des Ganzen steht die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG. Hier versammeln sich die vier Geldgeber Martin Kind, Dirk Roßmann, Gregor Baum und Matthias Wilkening (siehe Grafik). Diese Sales & Service GmbH besitzt wiederum 100 Prozent an der Hannover GmbH & Co. KGaA, die sich bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) um die Lizenz für den Profifußball bewirbt.

Das sind die Anteilseigner der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG.
Das sind die Anteilseigner der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG. ©

Die Geschäftsführung wird durch die Hannover 96 Management GmbH berufen. Und jetzt kommen wir zum Hauptpunkt: In dieser GmbH gilt die 50+1-Regel. Das heißt, der Hauptverein Hannover 96 e.V. muss laut Statuten die Mehrheit besitzen. Im Klartext: Nur der Mutterverein darf bestimmen, wer in dieser Management GmbH das Sagen hat. Bisher. Kind will das ändern, um möglichen Investoren mehr Sicherheit zu garantieren. Denn: Dass die vom Hauptverein berufenen Chefs der Management GmbH immer auf der Seite der für den Profifußball so wichtigen KGaA stehen, ist zumindest theoretisch ungewiss.

So viel zum Geflecht. Die DFL gewährt eine Ausnahme: Wenn eine Person länger als 20 Jahre einen Verein erheblich gefördert und unterstützt hat, dann verfällt die 50+1-Regel. Martin Kind könnte also am 26. September, dem Tag, als er vor 20 Jahren als Präsident begann, die Geschicke des damaligen Regionalligisten zu leiten, 96 übernehmen und auf zukunftsfähige Füße stellen, wie er selbst sagt. Für den 73-Jährigen steht fest: „Die Arbeit wird immer mit hohem Verantwortungsbewusstsein erledigt werden müssen. Aber die Kapitalseite muss das letzte Wort haben.“

Fotos vom ersten Training der Saison bei Hannover 96

Das erste Foto der neuen Saison: Die 96-Profis auf dem Weg zum Training. Zur Galerie
Das erste Foto der neuen Saison: Die 96-Profis auf dem Weg zum Training. ©
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