Marvin Compper im Interview mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer. Marvin Compper im Interview mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer. © Dirk Knofe
Marvin Compper im Interview mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer.

Marvin Compper: "Ich wollte meine Karriere bei RB Leipzig beenden"

Der Neu-Schotte spricht im exklusiven Abschiedsinterview über seinen neuen Club Celtic Glasgow, Geld, Gott und die Welt.

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Leipzig. Er war zwei Jahre lang eine tragende Säule in der RB-Abwehr, bestach mit Routine und Charisma, spielte Fußball wie er aussieht: gut. Jetzt sitzt der fesche 32-Jährige, der 2014 vom AC Florenz zu den Rasenballern gewechselt ist und in 67 Punktspielen fünf Tore gemacht hat, auf gepackten Koffern. Weil er bei RB zum schmückenden Beiwerk mutierte, zieht es den zweifachen Familienvater hinaus in die weite Welt. Am Sonnabend fliegt der 32-jährige Innenverteidiger nach Dubai ins Trainingslager von Celtic Glasgow. Compper hat beim schottischen Vorzeigeverein einen Vertrag bis 2020 plus eine Option auf ein weiteres Jahr unterschrieben. Der ursprünglich angedachte Anschlussvertrag bei den Rasenballern im Management oder im Trainerbereich ist damit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Beim Abschiedsinterview im kultigen Plagwitzer Kaiserbad spricht Compper über seine Zeit bei RB, die Fallhöhe von der Stammkraft zum Tribünengast, ein Frühstück mit Celtic-Coach Brendan Rodgers und unbändige Freude auf eine neue Herausforderung. Nach dem Gespräch eilte Compper in die Brauerei am Thomaskirchhof und sagte seinen RB-(Ex)Kollegen adieu. Das Abendbrot ging auf den Deckel des gebürtigen Schwaben.

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Sie sind ein intelligenter junger Mann, sprechen fünf Sprachen. War keine Sprache darunter, in der Sie sich mit Ralph Hasenhüttl über Ihren sinkenden Stern austauschen konnten?

Eine Kommunikation im eigentlichen Sinn fand erst statt, als ich mich innerlich dazu entschieden hatte, den Verein zu verlassen. Ich war Stammspieler und ein wichtiger Faktor in einer Saison, in der wir Vize-Meister geworden sind. In der neuen Saison war ich unter ferner liefen, spielte keine Rolle mehr. Das ist schwer zu verarbeiten. Wenn ich zehn Spiele gemacht hätte, wäre ich zufrieden gewesen.

Mit einer Rolle als routinierter Backup, der jungen Menschen wie Ibrahima Konate den Weg weist.

Ja, das hätte gepasst. Ich wollte meine Karriere bei RB in zwei, drei Jahren beenden und danach beim Club bleiben, beispielsweise im Nachwuchsbereich. Aber so ganz ohne Aufgabe und Rolle zu sein, das war hart. Ich habe weiter an mir gearbeitet, keine schlechte Stimmung verbreitet, bin integer geblieben Jetzt habe ich eine neue und spannende Aufgabe. Ich zähle die Stunden bis zum Abflug ins Trainingslager.

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Posted by RB Leipzig on Samstag, 25. März 2017

Welche Rolle spielten die Finanzen?

Keine entscheidende. Ich habe mich weder verschlechtert noch verbessert. Es ging um die Aufgabe.

Bevor Celtic anklopfte, sollen auch Gladbach und der VfB Stuttgart Thema gewesen sein.

Ja, wir wären gerne in Deutschland geblieben, es wurde aber weder hier noch da konkret.

Ralf Rangnick hat Sie 2014 nach Leipzig geholt. Wie ist das Verhältnis heute?

Gut. Er hat mich angerufen und alles Gute gewünscht. Wir bleiben in Kontakt.

Ist eine spätere Zusammenarbeit denkbar?

Ja. Wir kennen und schätzen uns seit vielen Jahren.

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Ihr Wechsel nach Leipzig war ...

... die richtige Entscheidung. Wir sind aufgestiegen, haben ein sensationelles erstes Jahr hingelegt, ich habe mit 32 mein erstes Champions-League-Spiel gemacht. Meine Familie und ich haben uns in Leipzig extrem wohlgefühlt. Aber wenn ein Profifußballer nicht mehr spielt, ist die Schönheit der Stadt sekundär.

Was waren Ihre Highlights bei RB? Der Aufstieg nach dem 2:0 gegen Karlsruhe oder das 4:1 in Berlin und die Qualifikation zur Champions League?

Das waren besondere Spiele, aber meine Nummer eins ist eine andere. Das 1:0 gegen Leverkusen. Wir waren zu zehnt, gingen auf dem Zahnfleisch und drängten trotzdem auf den Sieg. Kurz vorm Ende spielt Emil steil auf Yussi und der macht das 1:0. Danach habe ich meinen schnellsten Sprint des Spiels hingelegt und war hinter Emil und Naby der dritte bei Yussi. Das war die pure Freude.

Sie haben mit vielen Top-Fußballern gespielt. Wer waren die Besten?

In Florenz war das Giuseppe Rossi. Ein unglaublicher Spieler. Bei dem wusstest du nicht, was sein schwacher Fuß ist. Naby und der Ball sind eins. Wenn Naby dribbelt, klebt der Ball unter seinem Körper. Das habe ich so noch nie gesehen.

RB hat zuletzt fünfmal hintereinander nicht gewonnen. Sind Zweifel am großen Ganzen angebracht?

Nein, schwierige Phasen bieten immer auch Chancen, schärfen die Sinne.

Fotogalerie: Marvin Compper bei RB Leipzig

Und werfen Fragen auf.

Ja. Was fehlt? Wie kann man etwas zurückholen, was da war? Fakt ist, dass bei aller individuellen Klasse von Naby, Emil, Timo oder Diego, alles bei RB auf Teamwork basiert. Und wenn das Team funktioniert, ist es erfolgreich.

Ist das RB-Spiel eindimensional und damit ausrechenbar?

Nein. Das RB-Spiel kann man nicht auf Pressing und Gegenpressing reduzieren. Wege, tief stehende Gegner auszuhebeln, gehören längst zum Repertoire.

Kommen wir zu Celtic und Ihrem Fachwissen. Wer ist mit 822 Spielen Rekordspieler?

Billy McNeill. Er war 1967 Kapitän, als Celtic in Lissabon den Landesmeister-Cup gewann. Die Celtic-Fans besingen diesen Tag immer in der 67. Minute.

Wie oft wurde Celtic Meister und Cup-Gewinner?

48 Meisterschaften, 37 FA-Cups.

Der Celtic Park fasst ...

60. 000 Zuschauer.

Wo saß Ihr neuer Coach Brendan Rodgers bis 2015 auf der Bank?

Beim FC Liverpool. Dann kam Jürgen Klopp.

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Sie sind glänzend informiert.

Es gehört dazu, dass man sich mit seinem Arbeitgeber auseinandersetzt, die Geschichte kennt. Ich habe auch Brendan Rodgers Biografie gelesen. Er war von klein auf glühender Celtic-Fan, lebt und liebt diesen Verein.

Er wollte Sie unbedingt. Gutes Gefühl?

Sehr gutes Gefühl. Celtic spielt ähnlich wie RB. Hoch stehen, keine sinnlosen Bälle nach vorne, auch Pressing und Gegenpressing. Ich soll der jungen Multikulti-Truppe mit meiner Erfahrung helfen. Auch und vor allem in den internationalen Spielen.

Die finden erst in der kommenden Saison mit Ihnen statt.

Das ist nicht zu ändern.

Celtic will in die Champions League, der Weg in die Gruppenphase ist ellenlang.

Das ist er, wir müssen vier Quali-Runden spielen.

Welche Rolle würde Celtic in der Bundesliga spielen?

Um die Plätze fünf bis sieben. Wir haben eine richtig gute Mischung.

Und einen wunderbaren Trainer.

Er ist auf jeden Fall unglaublich offen und sympathisch. Ich war bei ihm daheim zum Frühstück eingeladen. Es gab glutenfreies Brot und laktosefreies Müsli. Und dann hat er mir ein achtseitiges Exposé über mich gezeigt. Er wusste alles von mir, kannte meine Vorliebe für gesundes Essen und sogar das Alter meiner Frau und unserer Kinder. Wir freuen uns auf Glasgow. Goodbye, Leipzig!

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