Ausschreitungen beim Spiel des SV Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus am 28. April im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg. Ausschreitungen beim Spiel des SV Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus am 28. April im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg. © Jan Kuppert
Ausschreitungen beim Spiel des SV Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus am 28. April im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg.

Matthias Auth (Energie Cottbus): "Wir werden das Mittel der Tageshausverbote, wenn nötig, einsetzen"

Regionalliga Nordost: Vor dem Hochsicherheitsspiel zwischen Energie und dem SV Babelsberg 03 erklärt der Verwaltungsratschef Maßnahmen gegen Extremismus.

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Am Sonntag (13.30 Uhr, Stadion der Freundschaft) empfängt Fußball-Regionalliga-Tabellenführer Energie Cottbus den SV Babelsberg 03 zum Brandenburg-Derby. Beim vergangenen Duell in Potsdam kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen den Fanlagern. Als Folge hat Energie am Dienstag einen Maßnahmenplan vorgestellt.
Verwaltungsratschef Matthias Auth, der den Plan entworfen hat, spricht im Vorfeld des Sicherheitsspiels über Auswirkungen auf die Region, ein Pilotprojekt zur Erkennung von Bengalischen Feuern und die aufgelöste Fangruppe Inferno Cottbus.

Ende April gab es beim Spiel von Energie in Babelsberg schwere Ausschreitungen, Personen im Energie-Block zeigten den Hitlergruß und riefen „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“. Ist es Zufall, dass der Maßnahmenplan gerade vor dem Spiel gegen Babelsberg veröffentlicht wurde?
Matthias Auth: Ja und nein. Wir haben gesagt, wir wollen schon vor dem Spiel die Kommunikation starten. Dass es jetzt wenige Tage vorher sind, ist eher Zufall. Wir präsentieren jetzt auch nicht ein Paket, das sofort greift und danach ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es sind kurz-, mittel- und langfristig angelegte Maßnahmen.

Bilder vom Regionalliga-Derby mit Spielunterbrechung.

Welche Maßnahmen gelten schon zum Spiel?
Ich will betonen: Das Maßnahmenpaket hat nicht das Babelsberg-Spiel im Fokus. Allerdings werden wir das Mittel der Tageshausverbote schon, wenn nötig, einsetzen. Wenn es berechtigte, augenscheinliche Gründe gibt, machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch.

Angst vor Willkür kann ich nehmen

Was wäre so ein Grund?
Außer den Dingen, die laut Stadionordnung eh schon verboten sind, also das Tragen bestimmter Embleme und dergleichen, könnte man beispielsweise sehen, dass jemand eine Sturmhaube dabei hat. Da sind die Sicherheitsfirmen und -behörden geschult. Es kommt viel darauf an, wie sich eine Person gibt, wie sie sich verhält oder was sie sagt. Nur weil jemand schwarz angezogen ist, wird er nicht aus dem Stadion geworfen. Die Angst vor Willkür kann ich den Fans nehmen.

Der Sicherheitsdienst von Energie steht immer wieder in der Kritik. 2010 soll er gegnerische Fans angegangen sein, der Chef der Sicherheitsfirma ist der wegen Bestechung eines Polizisten verurteilte André Waiß, bis 2015 Sicherheitsbeauftragter von Energie. Ist der Sicherheitsdienst Teil des Problems?
Ein klares Nein. Wir arbeiten ausschließlich mit Firmen zusammen, die grundsätzlich den Anforderungen der Bewachungsverordnung entsprechen sowie zertifiziert geschult oder zertifiziert sind. Im Einsatz befindliche Ordner müssen gemeldet werden und sich Zuverlässigkeitsprüfungen unterziehen. Sollte es da Auffälligkeiten geben, werden diese Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes nicht zum Einsatz kommen. Gleichwohl: Wenn wir – dazu zähle ich den Verein, aber auch die Fans – erkennen würden, dass jemand beispielsweise verbotene Symbole trägt, dann bitten wir dringend, das auch an uns zu melden.

Was beinhaltet der angekündigte Verhaltenskodex für Ordner?
Wir hatten Situationen, dass Sicherheitskräfte Fans aus dem privaten Umfeld kennen und sich mit High Five begrüßt haben. Da stellt sich für Außenstehende die Frage: Was gibt es da für eine Verbindung? Dass so etwas nicht vorkommt, ist ein Teil des Kodex.

Nur weil jemand Kickboxer ist, ist er nicht zwangsläufig Mitglied von Inferno Cottbus

In einer Anfrage der Grünen im Landtag im Juli wird von einer Verquickung des Kickbox-Milieus zum Sicherheitsdienst gesprochen. Gibt es diese?
Das kann ich so nicht bestätigen. Der OSD, wie bereits gesagt, ist ein ganz normal zertifizierter Sicherheitsdienst. Und nur weil jemand Kickboxer ist, ist er nicht zwangsläufig Mitglied von Inferno Cottbus.

Ist Inferno Cottbus (IC), eine Fangruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wurde und sich am 10. Mai aufgelöst hat, noch aktiv?
Die Ankündigung der Auflösung haben wir zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Wir wissen, dass Akteure, die wir IC zuordnen, weiterhin aktiv sind. Für uns ist deshalb nicht relevant, ob man sich IC nennt, sondern die Handlungen.

Das ist nicht ein Problem von Energie Cottbus, das ist ein gesellschaftliches Problem.

Wie groß ist das Problem mit rechtsextremen Fans bei Energie?
Ich würde das Thema Rechtsextremismus nicht ausschließlich auf Energie Cottbus projizieren. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Diejenigen, die dort im Block von Energie – und das ist in Heimspielen weniger der Fall, sondern vor allem bei Auswärtsspielen – stehen, das sind für mich keine Fans, sondern Menschen, die die Plattform Fußball nutzen, um ihre Parolen loszuwerden. Das ist nicht ein Problem von Energie Cottbus, das ist ein gesellschaftliches Problem. Ich sage nicht, dass wir nicht Verantwortung übernehmen sollen, schließlich tun wir das mit dem Maßnahmenplan. Aber wir sind nicht für alles verantwortlich. Wir haben das Problem, dass bestimmte Gruppierungen unseren Verein für ihr Gebaren nutzen wollen. Aber das sind aus meiner Sicht keine Energie-Fans.

Wie groß ist der Imageverlust?
Natürlich belastet das den Verein. Es belastet aber auch die Stadt und die ganze Region, weil man in eine rechte Ecke gerückt wird.

Der Maßnahmenplan soll kein Papiertiger sein

Es soll eine Stelle für Vielfalt und Toleranz geschaffen werden. Welche Aufgaben wird der Beauftragte haben?
Wir erörtern aktuell, ob beispielsweise politikwissenschaftliche, sozialpädagogische oder vielleicht sogar auch psychologische Kompetenzen notwendig sind. Ideal wäre sicherlich ein Mix aus vielen Bereichen, wir erarbeiten gerade ein Stellenprofil. Der Maßnahmenplan soll kein Papiertiger sein, sondern wir wollen jemanden haben, der ihn moderiert. Es geht hauptsächlich um die Aufgaben, die ich die vergangenen Monate übernommen habe. Wir wollen das in qualitativ hochwertige, professionelle Hände legen. Wir haben unmittelbar nach dem Babelsberg-Spiel zusammengesessen und die Vorkommnisse analysiert. Es ist ja nicht so, dass der Maßnahmenplan das erste ist, was wir tun, wir haben schon viele Aktionen, gerade im Kampf gegen Rechts. 2015 haben wir beispielsweise die Initiative „Energie für Vielfalt und Toleranz“ gegründet.

In welcher Form beteiligt sich Energie am Pilotprojekt der Brandenburgischen Technischen Universität zum Thema Bengalische Feuer?
Vereinfacht gesagt sollen mittels Kameratechnik Spuren von pyrotechnischen Erzeugnissen an Kleidung erkannt werden. Wir fanden das hochinteressant, wobei das natürlich keine präventive Maßnahme ist.

Was erwarten Sie am Sonntag für ein Spiel?
Erstmal hoffe ich, dass Energie gewinnt. Es ist ein Hochsicherheitsspiel und wir haben alle Maßnahmen ergriffen, um Ausschreitungen zu verhindern. Ich kann aber natürlich nicht eine seriöse Prognose geben, dass nichts passiert. Wenn etwas passiert, dann würde aber unser Maßnahmenplan nicht ad absurdum geführt.

Zur Person:

Matthias Auth ist seit Juli 2015 Vorsitzender des Verwaltungsrats bei Energie Cottbus, seine Amtszeit dauert noch bis Juli 2018. Der 49-Jährige erarbeitete, gemeinsam mit dem Cottbuser Fanbeauftragten Stefan Scharfenberg, in den vergangenen vier Monaten den Maßnahmenplan von Energie.

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