29. November 2018 / 20:35 Uhr

Trotz 50+1: Mehrere Investoren bereit, Martin Kinds Anteile bei 96 zu übernehmen

Trotz 50+1: Mehrere Investoren bereit, Martin Kinds Anteile bei 96 zu übernehmen

Carsten Bergmann
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96-Clubboss Martin Kind.
96-Clubboss Martin Kind. © dpa
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Martin Kind hat in den vergangenen Monaten mindestens ein Angebot von Investoren bekommen, die den Kriterien des "Hannover-Modells" entsprechen. Doch der Präsident von Hannover 96 denkt scheinbar gar nicht daran, sich aus dem Zentrum der Macht herauskaufen zu lassen. 

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13,34 Millionen Euro. So viel sind die Anteile von Martin Kind wert, die dem Präsidenten das Sagen im Profifußball von Hannover 96 garantieren. Der 74-Jährige hält mit 52,73 Prozent die Mehrheit an der Geldgeber-GmbH Hannover 96 Sales & Service (S & S), die das Bundesligateam finanziert. „Wenn Sie jemanden finden, der mir die Anteile zum Nennwert abkauft, bin ich sofort bereit dazu“, sagte der 96-Boss in mehreren Interviews und auch auf dem Podium der Mitgliederversammlung.

Allerdings, betonte der Unternehmer stets, es gäbe überhaupt keine Interessenten. Nach Recherchen des SPORTBUZZER haben sich allerdings mindestens fünf millionenschwere Geldgeber gefunden, die den 74-Jährigen aus der Investorengesellschaft und damit aus dem Zentrum der Macht herauskaufen wollen. Und zwar sofort und trotz 50+1-Regelung.

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Geldgeber mit Lokalkolorit: Kind baut auf das Hannover-Modell

Kind baut auf das Hannover-Modell. Keine Heuschrecke aus Fernost und kein Investment-Fonds aus dem Orient sollen die Möglichkeit bekommen, bei dem 22.500-Mitglieder-Verein mehrheitlich einzusteigen. Auch hat der Gesellschaftervertrag der S & S Schutzmechanismen und Veto-Rechte der Teilhaber eingebaut, die einen Ausverkauf verhindern sollen. Die vier verbliebenen Investoren kommen alle aus Hannover und der Region: Martin Kind mit seiner Gesellschaft Marnicam (13,34 Millionen Euro, 52,73 Prozent der S-&-S-Anteile), der er gemeinsam mit Sohn Alexander als Geschäftsführer vorsteht, Dirk Rossmann (5 Millionen Euro, 19,76 Prozent), Gregor Baum (4,075 Millionen Euro, 16,11 Prozent) und Matthias Wilkening (2,885 Millionen, 11,4 Prozent).

Geldgeber mit Lokalkolorit – die Einstiegshürde für ein 96-Investment. Das Problem: Zumindest aktuell versprüht Hannover 96 nicht den Glanz, um potenzielle Unternehmer über die Landesgrenzen hinaus erreichen zu können. Selbst für Weltfirmen mit Sitz in der Landeshauptstadt wie die Tui oder Continental wirkt 96 nicht ausreichend lukrativ, um öffentlichkeitswirksamer zu agieren. Dazu kommen die Regularien der Deutschen Fußballliga (DFL).

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„Dass es niemanden geben soll, der bereit wäre, die Anteile von Martin Kind zu übernehmen, ist falsch. Mehrere Investoren und ich wären bereit, sofort einzusteigen“

Laut Kind sei unter den Bedingungen der 50+1-Regel, die das Mitbestimmungsrecht beim Mutterverein fest verankert, bisher niemand bereit, zusätzlich in Hannover 96 zu investieren. Nur wer auch über den Einsatz des Geldes letztlich die Strategie mitbestimmen könne, sei bereit dazu. Auf Nachfrage sagt Kind: „Aktuell gibt es Interesse seitens von Investoren aus der Region Hannover sowohl am Erwerb von Anteilen als auch bezüglich der Teilnahme an einer künftigen Kapitalerhöhung.“ Aufgrund der schwebenden Verfahren seien diese Anfragen jedoch zurückgestellt. Beteiligungen sind also sehr willkommen, ein Verkauf der kindschen Anteile jedoch nicht. Ein Sinneswandel.

Nach unseren Recherchen hat Martin Kind in den vergangenen Monaten mindestens ein Angebot von Investoren bekommen, die die Kriterien des Hannover-Modells erfüllen. Trotz 50+1. „Dass es niemanden geben soll, der bereit wäre, die Anteile von Martin Kind zu übernehmen, ist falsch. Mehrere Investoren und ich wären bereit, sofort einzusteigen“, sagt Matthias Wilkening. Der Geldgeber betont, dass es viele finanzstarke Hannoveraner gebe, die Verantwortung übernehmen wollen. Ohne Kind. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt: Karl Gerhold, Gründer und Geschäftsführer von Getec, einem millionenschweren Energie-Unternehmen mit Sitz in Magdeburg. Sein Wohnort aber ist Hannover.

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Kapitalerhöhung? Mitgesellschafter müssen zustimmen

Es macht auch aktuell keinen Sinn, Martin Kind lehnte diese Angebote bisher alle ab. Er selbst schreibt in einer Erklärung: „Ein Verkauf meiner Anteile an Mitgesellschafter oder Dritte ist nicht geplant, zumal das Verfahren hinsichtlich der Erteilung einer Ausnahmegenehmigung im Rahmen der 50+ 1-Regel bei der DFL noch anhängig ist.“

Für Matthias Wilkening kein Argument. Er sagt, die Perspektiven seien im Verein verschoben, die Basis sei in den vergangenen Wochen und Monaten sträflich vernachlässigt worden: „Der Profifußball muss den Breitensport fördern – und nicht umgekehrt.“ Es helfe nicht, ein neues Vereinssportzentrum zu bauen, ohne aber ein entsprechendes Vereinsleben vorzuleben.

Und auch innerhalb der vier Investoren herrscht Uneinigkeit: Wilkening gewann zuletzt zwei Prozesse gegen Kind. Baum und Kind haben im Stadion zwar die Logen direkt nebeneinander, ein Miteinander allerdings gestaltet sich durchaus schwierig. Wilkening und Baum verfügen mit knapp 27,5 Prozent der Anteile über eine Sperrminorität in der S & S. Das heißt im Klartext: Ohne Einverständnis der beiden sind grundsätzliche Veränderungen in Struktur, Ausrichtung und Satzung nicht möglich. Auch einer von Kind ins Spiel gebrachten Kapitalerhöhung müssten beide zustimmen.

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