11. September 2018 / 20:15 Uhr

Nach dem Meisterstück in Kiel: Die Hannover Spartans stehen kopf!

Nach dem Meisterstück in Kiel: Die Hannover Spartans stehen kopf!

Jonas Szemkus
US-Boy Michael Reives feiert den
 Aufstieg per Flickflack-Salto.
US-Boy Michael Reives feiert den Aufstieg per Flickflack-Salto. © Glenn Walter
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Die Hannover Spartans haben Geschichte geschrieben, sie spielen ab nächster Saison endlich zweitklassig! Der Sportbuzzer ist beim Meisterstück in Kiel hautnah dabei gewesen - und weiß unter anderem, welches Lied im Bus am lautesten mitgegrölt wurde.

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Jahrelang haben sie es erfolglos versucht, jetzt haben sie Vereinsgeschichte geschrieben: Die Footballer der Hannover Spartans sind Drittligameister und steigen in die 2. Liga auf. So hoch haben sie noch nie gespielt.

Am letzten Spieltag der Saison haben die harten Jungs vom Bischofsholer Damm es klargemacht – mit einer Machtdemonstration beim 48:9 in Kiel. Es ist das glückliche Ende einer langen Reise. Der SPORTBUZZER hat die Spartans am erfolgreichsten Tag ihrer Vereinshistorie begleitet.

Nicht zu stoppen: Die Spartans
 und Runningback Jerome Morris überrennen die Kieler, siegen 48:9 und steigen in die 2. Liga auf.
Nicht zu stoppen: Die Spartans und Runningback Jerome Morris überrennen die Kieler, siegen 48:9 und steigen in die 2. Liga auf. © Glenn Walter
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​Ganz zahm am Morgen

Die harten Jungs wirken an diesem Morgen ganz zahm. Einige noch mit Schlaf in den Augen, andere tragen Nackenrollen um den Hals, während sie ihre fetten Taschen mit Oberkörperschutz und dem Helm in den Teambus schleppen. Es ist Sonntag, kurz vor 8 Uhr. In Kiel, bei der Reserve der Baltic Hurricanes, geht es um die Drittligameisterschaft und den Aufstieg in die zweite Liga, die GFL 2. Noch sind sie zahm.

Fast auf die Minute genau zehn Stunden später, mit Abpfiff um 17.53 Uhr, werden sich die Spartaner in den Armen liegen, nach einer nicht immer fairen Partie, sie werden sich später zu Partymusik laut schreiend fragen, wie denn die Mutter von Niki Lauda heiße, und „We Are the Champions“ grölen.

​Bandana über den Augen

Abfahrt am Morgen mit dem Teambus und 40 Minuten Verspätung. Die Spartans haben einen ihrer amerikanischen Importspieler am Ho­tel vergessen. Coach Willie J. Robinson Jr. fährt schnell selbst, um seinen Landsmann einzusammeln. Die Fahrt nach Kiel ist lang. Ein paar Spieler unterhalten sich, übers Wochenende und die anstehende Partie. Die meisten schauen aus dem Fenster und hören Musik. Einer liegt mitten im Gang, Bandana über den Augen, und schläft.

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​Musikmix am Mittag

Vier Stunden später sind sie endlich da, zweieinhalb Stunden noch bis zum Spiel. Es läuft Musik aus einer tragbaren Musikbox. Deutscher Hip-Hop, amerikanischer R ’n’ B, zwischendurch mal harte Rocksongs für harte Jungs.

Die Spartans sind als großer Favorit zum Drittligaschlusslicht nach Kiel angereist. Das letzte Saisonspiel. Ein Sieg – und der Aufstieg in die 2. Liga ist endgültig fix. Das Team aus Hannover ist Tabellenführer, ambitioniert, mit starker Defensiv-Abteilung und richtig guten Amerika-Imports. US-Runningback Breon Allen (25) galt vor einer schweren Verletzung sogar als Kandidat für die US-Profiliga NFL.

​"Schreibt Geschichte, ihr sollt diesen Tag niemals vergessen."

Sein erstes Jahr in Hannover dürfte sein letztes gewesen sein. So ist das häufig mit Importspielern. Allen ist zu gut für 3. Liga, vermutlich auch zu gut für die GFL 2. Und definitiv zu gut für die Kieler. Genau wie das gesamte Hannover-Team. „Schreibt Geschichte, ihr sollt diesen Tag niemals vergessen“, hatte Cheftrainer Robinson vorm ersten Kick-off von seinen Spielern gefordert, „es geht um Unsterblichkeit. Das Spiel ist größer als ihr, als ich. Größer als wir alle. Wir müssen einen Weg finden, es zu schaffen.“

Eine flammende Rede des nicht immer unumstrittenen US-Trainers, der auch mal zu emotionalen Ausbrüchen neigt. Mit genau dieser Emotionalität riss er sein Team mit. Anschließend kommen die Spieler zum Huddle, ihrem engen Besprechungskreis, nah zusammen. „Ich will von jedem bis zum Schluss 100 Prozent. Wir sind eine Familie, und als Familie steigen wir heute auf“, fordert Spartans-Spieler Justin Schieck von den Mitspielern. Klappt!

Die Hannover Spartans bejubeln den Aufstieg.
Die Hannover Spartans bejubeln den Aufstieg. © Glenn Walter

​Konzentriert am Nachmittag

Von Beginn an dominieren die Spartaner die Hurricanes-Reserve. Die Kieler wirken sowohl im Angriff als auch in der Defensive überfordert. Es klappt wenig, nur die spitzen Sprüche – sogenannter Trash-Talk – sitzt. Die Coaches der Kieler: laut, pöbelnd, manchmal unter der Gürtellinie.

Die Spartans lassen sich nicht aus ihrem Rhythmus bringen. Der Traum von Liga 2 wirkt beruhigend, die rund 50 Spartans-Fans geben Rückenwind. Mit Trommeln, Tröten, Anfeuern. Dafür verteilt Teampräsident Frank Schambor vor der Halbzeit Gratisgetränke an die mitgereisten Anhänger.

Auch auf dem Platz läuft es flüssig. Weil außer US-Boy Allen weitere Führungsspieler einen richtig guten Tag erwischt haben, wird es schon bis zur Halbzeit deutlich. In der Defensive stechen unter anderem Teamcaptain und Middle Linebacker Ma­thias Wulf, Cornerback Joern Barkemeyer und Importspieler Michael Reives als Safety hervor. In der Offensive Quarterback Alexander Bograkos, der an diesem Tag vier Touchdown-Pässe wirft. Mit 28:6 geht es in die Pause.

​20 XXL-Pizzen und Party pur am Abend

Es bleibt auch danach nicklig – selten bei harten Tackles, mehr mit Sprüchen. Dafür gibt es kurz vor Schluss sogar eine Strafe für die Kieler Coaches – wegen un­sportlichen Verhaltens. Es ändert alles nichts. Die Spartans bleiben dominant, es steht 48:9. Abpfiff, Meisterschaft, Aufstieg. Direkt danach schauen die Spartans erst ein wenig entgeistert drein. Zu lange haben sie dafür gearbeitet.

Dann realisieren sie es langsam. Ein kollektives Grinsen macht sich breit, die Handys werden gezückt – Erinnerungsbilder aus Kiel. Fotos vom Aufstiegstag, an dem Spartans-Geschichte geschrieben wurde. Einige Spieler und auch Trainer Robinson haben Freudentränen in den Augen. Harte Jungs ganz stolz.

​"Wie heißt die Mutter von Niki Lauda?"

Es folgt die Meisterfeier, zunächst in der Kabine, dann am und im Teambus. 20 XXL-Pizzen stehen bereit – in 30 Minuten sind die weg. Aus der Box dröhnt zum x-ten Mal der Partysong „Mama Lauda“. Die Spartaner grölen mit, Ami-Import Reives und einige andere tanzen. Die Rückfahrt wird zur Partytour. „Als alle gesagt haben, ich sei verrückt, habt ihr gesagt: Mach weiter“, ruft Trainer Robinson seinen Spielern zu. Nächste Saison machen die Spartaner in der 2. Liga weiter.

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