11. August 2018 / 21:08 Uhr

Meistertrainer Maik Machulla von der SG Flensburg-Handewitt über die Herausforderung Handball-Bundesliga

Meistertrainer Maik Machulla von der SG Flensburg-Handewitt über die Herausforderung Handball-Bundesliga

Redaktion Sportbuzzer
Maik Machulla, Cheftrainer der SG Flensburg-Handewitt.
Maik Machulla, Cheftrainer der SG Flensburg-Handewitt. © FELIX KÖNIG/54°
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"Wir haben ambitionierte Ziele, wollen wieder ins internationale Geschäft und in der Liga unter die ersten Fünf."

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Am Dienstag um 18 Uhr kommt der deutsche Handball-Meister SG Flensburg-Handewitt zum letzten Testspiel vor dem Pflichtspiel-Auftakt im DHB- Pokal in die Lübecker Hansehalle. Vor dem Vergleich mit Zweitligist VfL Lübeck-Schwartau sprach SG-Trainer Maik Machulla mit den LN über Erwartungen, Veränderungen und Herausforderungen.

Maik Machulla, was ist da eigentlich schief gelaufen? Sie holen in ihrer ersten Saison als Cheftrainer den ersten DM-Titel seit 14 Jahren für die SG und zum Trainer der Saison wird Mannheims Nikolaj Jacobsen gewählt…
Mit dieser Wahl habe ich mich gar nicht beschäftigt. Mir ist der Meistertitel mit meiner Mannschaft zehnmal mehr wert als eine solche persönliche Auszeichnung. Sie ist die Anerkennung für die geleistete Arbeit, und Nikolaj hat das absolut verdient. Er hat die Rhein Neckar Löwen in der nationalen Spitze etabliert und erstmals den DHB-Pokal gewonnen.

Oder lag's daran, dass Sie "einfach nur" eine fertige Mannschaft übernommen und zum Titel geführt haben?

Ich glaube, wenn man sich im Handball oder im Sport auskennt, dann weiß man, dass es nicht so einfach ist eine Mannschaft auf diesem Topniveau zu übernehmen. Ljubomir Vranjes hat mich in sämtliche Entscheidungsprozesse in den fünf Jahren unserer Zusammenarbeit mit eingebunden, sodass es auch ein Stück weit meine Mannschaft war. Ich habe im vergangenen Jahr sehr viel Arbeit und Akribie in diese Mannschaft investiert und einige Veränderungen herbeigeführt. Ich denke, es ist eine absolute Herausforderung, ein intaktes Team von einem solchen Trainer zu übernehmen, da ist die Fallhöhe ziemlich hoch. Da kommt es auf Kleinigkeiten an, die auch schnell in eine negative Richtung gehen können. Das Wichtigste für mich ist, dass die Mannschaft hinter mir steht und diese Entscheidungen und Veränderungen mitträgt. Dieser Herausforderung habe ich mich gestellt und haben sich bereits andere erfolgreiche Trainer gestellt. Nikolaj Jacobsen oder Alfred Gislason zum Beispiel. Auch sie haben starke, intakte Teams übernommen und konnten ihre eigenen Erfolge mit ihnen feiern. Vielleicht ist auch genau das eine Qualität, die ein erfolgreicher Trainer mitbringen sollte.

Mit zwölf Minuspunkten ist zuletzt vor 16 Jahren ein Klub Deutscher Meister geworden. Haben Sie von der Schwäche der Konkurrenz profitiert?
Es wäre absolut falsch, sich für den Meistertitel zu entschuldigen. In der Saison davor haben wir unser vorletztes Heimspiel gegen die Rhein Neckar Löwen verloren und sind deshalb nicht Meister geworden. Man muss über 34 Spiele Leistung bringen, immer oben mitspielen, um die Meisterschaft am Ende für sich zu entscheiden. Die Chance war in der Schlussphase der Saison bei drei Punkten Rückstand natürlich gering, aber wir haben an uns geglaubt und sind in Schlagdistanz geblieben. . Wir sind auch schon mit weniger Minuspunkten nur Vizemeister geworden, aber ich glaube, auch in der neuen Spielzeit wird der Meister nicht unter zehn Punkten bleiben.

Weil?
… die Belastung der Spieler in den Topteams der Bundesliga immer größer wird. Durch den neuen Champions-League-Modus ist die Zahl der Spiele expandiert. Jetzt sind es 18 bis zum Final Four. Schon bis Weihnachten haben wir zuletzt 34 Spiele absolviert, so viele wie andere Teams in der ganzen Saison. Da kannst du nicht immer den tollsten Handball spielen, da musst du dir Siege auch mal erarbeiten. Hinten raus fehlt dann in der Saison auch mal die Kraft, das ist ganz normal. Zudem haben Teams wie Magdeburg, Berlin und Melsungen eine tolle Entwicklung genommen.

Sind die Spitzenteams auch schwächer geworden? Die internationalen Top-Stars spielen nicht mehr in der einst "besten Liga der Welt", die SG war 2014 letzter deutscher CL-Gewinner, zuletzt war die Bundesliga zweimal nicht beim Final Four vertreten.
Die Tendenz ist tatsächlich, dass große Top-Stars die Liga verlassen, weil sie sich nach sechs, sieben Jahren selbst schützen wollen. Sie merken, dass sie mit der Belastung in der Bundesliga auf höchstem Niveau nicht mehr bestehen können und wechseln dann in Ligen, in denen sie national weniger gefordert sind.

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Zum FC Barcelona nach Spanien oder nach Osteuropa.
Dort können die Spieler nicht nur mehr Geld verdienen, sie können auch zwei, drei Jahre länger spielen wegen der geringeren Belastung. Sie gehen auch dorthin, weil die Chancen größer sind, die Champions League zu gewinnen. Eben weil die Bundesliga zu stark beansprucht. Wir hatten in der vergangenen Saison vier 48-Stunden-Spiele, mussten also nach der Bundesliga gleich in der Champions League ran. Da leidet die Vorbereitung und man erkennt, dass die Leistung im zweiten Spiel nicht mehr so vorhanden ist. Das ist ein ständiger Tanz auf der Rasierklinge. Mit der Frage: Gehe ich im Schnitt alle drei Tage jedes Mal "all-in". In Osteuropa sind die Ligen nicht so stark, da stellt sich diese Frage für die Topklubs gar nicht.

Am Donnerstag gab's in Neumünster eine sehr deutliche 22:31-Niederlage gegen den THW Kiel. Ist das allein mit dem personellen Umbruch bei der SG zu erklären?
Uns fehlen natürlich noch viele Automatismen. Deshalb ist es besonders wichtig Absprachen zu treffen, an die wir uns halten. Das hat in der ersten Hälfte nicht gut funktioniert. Auf unsere Neuzugänge kommt viel Neues zu, eine neue Liga, die neue Sprache, ein neues Umfeld. Aber sie wollen alle diese Stufe in ihrer Karriere erklimmen, also müssen sie auch alles dafür tun und davon weg gehen, zu denken: ,Wir machen das mal irgendwie ein bisschen.' Wir haben genaue Vorstellungen davon, was wir spielen wollen, und daran müssen sich alle halten. Gerade wenn die Routine noch nicht da ist. Handball ist ein sehr komplexes Spiel, da müssen alle ihren Teil hochkonzentriert beitragen.

Das hört sich nach noch viel Arbeit an beim Deutschen Meister.
Definitiv. Die Mannschaft des letzten Jahres hat sich über Jahre entwickelt und ist nur punktuell verstärkt worden. Jetzt haben wir mit sechs Ab- und sechs Zugängen einen Umbruch. Ich sehe die Bereitschaft bei allen, aber auch die Anspannung. Sie wollen es besonders gut machen. Aber Handball ist auch Spaß und muss auch Spaß machen, um nicht zu verkrampfen. Es wird einfacher, je länger sich die Spieler auch in ihrer Freizeit mit ihren Aufgaben beschäftigen, sich über ihre Positionen austauschen. Ich erwarte von meinen Spielern auch, , dass sie ihre Eigenverantwortung erkennen. Und ich tue mein Bestes, um sie auf die neuen Aufgaben vorzubereiten.

Kann ein eingespielter Zweitligist einem umformierten Meisterteam gefährlich werden? Sie spielen am Dienstag beim VfL Lübeck-Schwartau, das ist zugleich die Generalprobe fürs erste DHB-Pokalspiel am kommenden Samstag gegen Zweitligist Nordhorn-Lingen.
Ich habe grundsätzlich großen Respekt vor den Zweitliga-Mannschaften, die können Handball spielen, kämpfen und bringen viel Leidenschaft ein - und sind deshalb immer eine Gefahr, wenn man nicht bereit ist gegenzuhalten und die Einstellung nicht stimmt. Deshalb kommt mir das Spiel in Lübeck sehr gelegen. Ich möchte sehen, dass meine Spieler bereit sind, den Kampf anzunehmen. Ich freue mich auf das Spiel, es ist genau richtig, um sich auf den Pokal vorzubereiten. Da wollen wir weiterkommen und möglichst lange auf allen drei Hochzeiten tanzen.

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Was darf man von der "neuen" SG erwarten? Zuletzt ist der Klub sieben Mal in Folge unter den Top-3 der Liga gelandet.
Wenn wir sagen würden, wir wollen oder müssen gar den Meister-Titel verteidigen, wäre das unrealistisch. Aber wir haben ambitionierte Ziele, wollen wieder ins internationale Geschäft und in der Liga unter die ersten Fünf. Wir müssen sehen, wie schnell wir die neuen Spieler integrieren, dann ist es möglich an mehr zu glauben. Ich bin optimistisch, dass wir um einen Titel mitspielen. Ich rede nicht von Champions League oder Meisterschaft. Im DHB-Pokal hängt es auch immer von der Auslosung ab, aber das Final Four ist für uns drin und natürlich wollen wir den Supercup gewinnen. Unsere neuen Spieler sollen lernen, titelhungrig zu sein . Deshalb sind sie in Flensburg. Der Verein hat eine erfolgreiche Historie und die Spieler wollen ihre eigene schreiben. Wir werden ihnen helfen, das zu schaffen.

Wie lange geben Sie ihnen und sich dafür?
Man muss sehen, was sich in den nächsten Jahren tut. Im kommenden Sommer laufen die Verträge von Holger Glandorf und Tobias Karlsson aus. Wenn die beiden sich entscheiden wegzugehen, sind es mit Rasmus Lauge (Vorvertrag mit Veszprem, die Red.) gleich drei. Insgesamt denke ich, wird diese Mannschaft drei, vier Jahre brauchen, um die DNA der SG zu verinnerlichen.

Wir haben über Barcelona bereits gesprochen. Mit U20-Nationalspieler Jannek Klein wechselt ein Talent aus der A-Jugend der SG dorthin, ebenso wie der Bad Schwartauer U18-Nationalspieler Juri Knorr von der HSG Ostsee. Waren die kein Thema für den Erstliga-Kader der SG?
Doch sie waren ein Thema, bei Juri hatten wir auch ein Gespräch mit seinem Vater Thomas. Aber sie helfen uns kurzfristig nicht weiter. Auch Jannek hätte ich gern in einer Kooperation mit dem VfL Lübeck-Schwartau näher bei uns gesehen. Barcelonas B-Team, in dem beide zunächst spielen sollen, hat dort wenig Kontakt zur Ersten. Nun ihre Entwicklung in Spanien zu beobachten und zu beurteilen, wird natürlich schwieriger. Aber wir werden sie nicht aus dem Blick verlieren. Interview: Christian Schlichting

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