Michael Esser und Philipp Tschauner. Michael Esser und Philipp Tschauner. © Petrow
Michael Esser und Philipp Tschauner.

Esser oder Tschauner: Wer wird die neue Nummer eins bei Hannover 96?

Die endgültige Entscheidung will André Breitenreiter erst kurz vor Saisonbeginn treffen und es wird keine leichte: Welcher Torwart steht bei Hannover 96 künftig im Tor. Für beide spricht vieles.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Zwei Typen, der eine neu, der andere etabliert. Einer will dem anderen etwas wegnehmen, der andere verteidigt sein Revier. Wie läuft so eine erste Begegnung zwischen zwei Torhütern, die um den einzigen Platz im Bundesligator streiten? „Wir haben uns begrüßt und Spitznamen ausgetauscht“, erzählt Philipp Tschauner. Hallo Bruno, hallo Tschauni. Der Kampf ums Tor beginnt.

Wir trafen beide Kandidaten in St. Peter-Ording. Bruno, das ist Michael Esser (29), der nach einer ordentlichen Saison vom Absteiger Darmstadt kam. Er spricht sehr ruhig und sagt: „Mich bringt nichts auf die Palme.“ Er lächelt freundlich, seine Stimme klingt gleichzeitig so souverän und jungenhaft wie die von Recken-Manager Benjamin Chatton.

Esser kam über den zweiten Bildungsweg in die Branche. „Ich habe irgendwann in der B-Jugend die Pubertät bekommen“, sagt Esser und lacht, weil er darüber erzählt, als habe ihn in der Jugend eine seltsame Krankheit heimgesucht. Er spielte damals in Erkenschwick in der Junioren-Bundesliga. Bis er 16 Jahre alt war. „Ich hatte irgendwie keine Lust mehr, richtig zu spielen“, sagt er, „ich habe nur mit den Kollegen gespielt, mit denen ich um die Häuser gezogen bin.“ Und er lernte einen anständigen Beruf. Esser wurde Klempner. „Heute weiß ich es zu schätzen, ich könnte jetzt auch in irgendeinem Keller rumliegen“, erklärt er.

Bilder: Hannover 96 - Weiche Flensburg

Er ging mit 16 runter in die Kreisliga zum VfB Habinghorst: „Von da aus bin ich nach Obercastrop gegangen, wo mein Vater Trainer war, dann in die Landesliga nach Sodingen.“ Irgendwann erkannte Esser: „Schön und gut, aber das könnte jetzt vor mir ein bisschen schneller laufen.“ Es ging schneller: Der 1,98 Meter Überflieger des Amateurfußballs landete bei Peter Neururer in Bochum. „Ein toller Trainer“, sagt er. Danach ging es bergauf für den Ruhrpott-Riesen aus Castrop-Rauxel: Bochum, Graz, Nummer eins in Darmstadt und Bundesliga.

Die Bundesliga, da war Tschauner noch nie. Der mittelfränkische Einschlag macht Tschauners Stimme härter als die von Ruhrpott-Bruno. Er spricht geradliniger, zielstrebiger. „Die Bundesliga ist ein Ziel, das ich seit zwölf Jahren verfolge“, sagt er, „ich habe genug Zweitligaspiele gemacht.“ Nach 185 Partien in der Zweitklassigkeit „soll auch keines mehr dazukommen“.

Tschauner ist 31, aber: „Ich mache mich da nicht mehr verrückt“, obwohl er neu um den Status kämpfen muss, den er sich vor einem Jahr schon einmal erarbeiten musste. „Ich habe mir was erkämpft, mir was aufgebaut“, sagt er. Jetzt kommt Esser und will es einreißen. Tschauner versucht es anders zu sehen: „Da gibt es kein Misstrauen. Wir sind eine Truppe hier, und ich wusste bei meiner Vertragsverlängerung, dass 96 beim Aufstieg Bundesliga-Erfahrung für das Tor sucht. Das ist kein Problem für mich.“

Neururer unterstützt Esser

Wer hat jetzt die besseren Chancen? Tschauner und Esser sind beide eher haltende als spielende Torhüter. Esser formuliert es so: „Ich bin Torwart, da geht es darum, Bälle zu halten.“ Tschauner hätte es ähnlich gesagt. In der „Bild“-Zeitung sagte Neururer, Esser sei jetzt schon die Nummer eins bei 96. „Danke nochmal, Peter, für die Unterstützung“, sagt Esser zurückhaltend.

Für Esser spricht nicht Neururer – aber die 2,5 Millionen Euro, die 96 bereits in ihn investierte. Tschauner dagegen hat ein großes Standing in der Mannschaft, hat 16-mal die Null gehalten, im Eins-gegen-eins Spiele für 96 gerettet, er ist Kassenwart, Mannschaftsrat und hat die Aufstiegsfeier inklusive Balearen-Fahrt mitgeplant. Das wird keine einfache Entscheidung für Trainer André Breitenreiter.

Hannover 96: Der dritte Trainingstag in Garding

Wie schwierig so ein Kampf ums Tor ist, hat Oliver Kahn zu­letzt treffend beschrieben. Auf dem Niveau, sagte der Titan, bewege man sich immer an der Grenze zum Burnout. Die Wahl zur Nummer eins entscheidet über den Verlauf einer kompletten Saison. Wer auf der Bank sitzt, hat im Prinzip ein Karrierejahr verschenkt. Ein herausfordernder Job, mental schwieriger vielleicht als der Klempner-Beruf. Dass Torhüter ohnehin meist für sich allein an der Leistung schrauben, erleichtert die Arbeit auch nicht. Tschauner erklärt das Gefühl an einem Beispiel: „Wir trainieren ja schon oft abseits von den anderen und machen da unser Ding, fast so, als wären wir nicht Teil des Teams.“ Torhüter sein kann hart sein. „Aber ich will es auch nicht anders“, sagt Tschauner. Und die Chancen fürs Tor? „50 zu 50“, glaubt er.

Die Entscheidung treffen kurz vor Saisonbeginn aber weder Tschauner noch Esser. Breitenreiter wird erst kurz vor Start sagen, wer Nummer eins bei 96 wird – und wer auf die Bank muss.

Region/Hannover Fussball Bundesliga Hannover 96 (Herren) Michael Esser (SV Darmstadt 98) Philipp Tschauner (Hannover 96)

KOMMENTIEREN

Die besten Bundesliga Quoten werden bereitgestellt von Smartbets.

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige