25. November 2017 / 08:00 Uhr

Michael Greis exklusiv: Warum am Sonntag alle Deutschen Biathlon gucken!

Michael Greis exklusiv: Warum am Sonntag alle Deutschen Biathlon gucken!

Stefan Döring
Die Biathlon-Saison startet am Sonntag. Favoritin bei den Frauen ist Laura Dahlmeier. Biathlon-Legende Michael Greis im exklusiven Interview über die neue Saison.
Die Biathlon-Saison startet am Sonntag. Favoritin bei den Frauen ist Laura Dahlmeier. Biathlon-Legende Michael Greis im exklusiven Interview über die neue Saison. © imago
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Am Sonntag beginnt die Biathlon-Saison. TV-Experte und Biathlon-Legende Michael Greis eklärt im exklusiven SPORTBUZZER-Interview, warum alle Deutschen zum Saisonstart am Sonntag vor dem Fernseher sitzen.

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Michael Greis, am Wochenende beginnt die Biathlon-Saison in Östersund und es werden wieder Millionen Fans vor dem Fernseher sitzen. Erklären Sie uns den Biathlon-Hype.

Der Sport ist mit enorm vielen Emotionen verbunden und das reißt die Leute mit. Biathlon ist eine Sportart, die zwei konträre Disziplinen miteinander verbindet. Zum einen die Kraft und die Ausdauer beim Laufen, dann die Ruhe und Präzision beim Schießen. Da können die Fans mitfiebern. Die Unvorhersehbarkeit des Schießens macht unseren Sport so erfolgreich, weil man nie weiß, was passiert. Außerdem werden tolle Bilder in die Wohnzimmer gesendet. Wenn man die Bilder von den verschneiten Bergen sieht, ist das etwas Besonderes.

Ist der Sport für die Fans vor dem TV so begeisternd, weil immer etwas passiert?

Ja, definitiv. Im Biathlon fiebern die Fans von Schuss zu Schuss mit. Die mediale Aufbereitung ist unglaublich gut. Für jeden Zuschauer ist es nachvollziehbar, was passiert. Wenn die Scheiben weiß werden, ist gut. Ansonsten gibt es eine Strafrunde. Die Sportart ist ganz einfach zu verstehen.

Der Erfolg des Biathlons schlägt sich auch in den Besucherzahlen der Weltcups nieder. In Mitteleuropa sind immer Zehntausende Zuschauer an der Strecke.

Bei den Rennen haben die Organisatoren viel Wert darauf gelegt, dass die Fans unterhalten werden. Viele Fans sind schon drei, vier Stunden vor dem Start im Stadion, um von den Athleten etwas mitzubekommen und ganz nah ran zu kommen. Biathlon ist familiär. Zudem ist rund um die Strecke immer etwas los, es gibt Partys. Viele Leute verbinden das mit einem Kurztrip. Wenn viel los ist, begeistert das auch die Biathleten. Aber die Konzentration liegt natürlich auf dem Wettkampf.

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"Die Beständigkeit der deutschen Erfolge hilft. Wir brauchen Gesichter, wir brauchen Typen, die sich gut darstellen lassen"

Steigt durch die Aufmerksamkeit der Druck? Wie war das für Sie in Ihrer aktiven Karriere?

Für mich war es schön, dass die Leute gekommen sind, um mich anzufeuern. Wenn Laura Dahlmeier und Simon Schempp heute an den Start gehen, liegt auf ihnen eine große Erwartungshaltung, die nicht einfach für die Sportler ist. Dennoch wünscht sich jeder Athlet ein volles Stadion. Es gibt nichts Schöneres, als zu gewinnen, wenn man weiß, dass die Leute deinetwegen gekommen sind. Jeder Sportler merkt durch die mediale Aufmerksamkeit, dass das Interesse am Biathlon riesig ist.

Ist der Biathlon-Sport in Deutschland nur erfolgreich, weil die deutschen Athleten erfolgreich sind?

Die Beständigkeit der deutschen Erfolge hilft. Wir brauchen Gesichter, wir brauchen Typen, die sich gut darstellen lassen. Magdalena Neuner war eine Vorzeigesportlerin. Sie war sympathisch und erfolgreich. So sind auch kurze Durststrecken wie vor vier, fünf Jahren zu verkraften. Der Erfolg ist aber enorm wichtig, weil die Leute natürlich gern mitfiebern, wenn es um Siege oder das Podest geht.

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Welche deutsche Athleten sind in Olympia-Form und welche müssen noch zulegen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen und Antworten zum Start des Biathlon-Winters!
Welche deutsche Athleten sind in Olympia-Form und welche müssen noch zulegen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen und Antworten zum Start des Biathlon-Winters! © imago

Auf Laura Dahlmeier treffen diese Dinge ebenfalls zu. Sie ist das aktuelle Gesicht des deutschen Biathlon-Sports. In der Vorsaison war sie die überragende Athletin. Kann sie so einen Winter wiederholen?

Laura hat im letzten Jahr alles übertroffen. Sie hat bei der WM fünf Goldmedaillen gewonnen, zudem war sie im Sprint Zweite. Dann hat sie auch noch den Gesamtweltcup gewonnen - das war einzigartig. Auch bei den Olympischen Spielen kann sie diese Erfolge erreichen. Aber die Spiele sind immer besonders. Im letzten Jahr haben wir auch gesehen, welcher Druck auf ihr lastet. Nach manchen Rennen war sie völlig kaputt. Ich traue ihr zu, dass sie bei den Olympischen Spielen drei-, viermal Gold gewinnt.

Neben Dahlmeier stand im Vorfeld der Saison auch Denise Herrmann im Fokus. Ist sie in der Biathlon-Spitze angekommen?

Ich hatte ihr vergangene Saison schon viel zugetraut. Sie hat so viel Freude am Schießen und beschäftigt sich mit vielen Details. Sie hat daran einen Narren gefressen. Von der Schießstandzeit ist sie wesentlich besser geworden - im Laufen ist sie ohnehin gut. Bei ihr hängt es aber davon ab, wie sie ihren Formaufbau gestaltet. Ist alles auf Olympia ausgerichtet? Oder möchte sie über die Saison in der erweiterten Weltspitze Fuß fassen? Ich glaube, dass sie aktuell in einer sehr guten Verfassung ist. Sie will versuchen, sich im Weltcup zu etablieren.

Olympia-Held von 2006: Michael Greis sammelte in seiner Biathlon-Karriere fleißig Medaillen und arbeitet heute als Eurosport-Experte. Im Interview gewährt er Einblicke in des Deutschen liebstes Winter-Kind und wagt einen Ausblick auf die neue Saison.
Olympia-Held von 2006: Michael Greis sammelte in seiner Biathlon-Karriere fleißig Medaillen und arbeitet heute als "Eurosport"-Experte. Im Interview gewährt er Einblicke in des Deutschen liebstes Winter-Kind und wagt einen Ausblick auf die neue Saison. © imago

"Jeder Sportler muss Akzente in seiner Saison setzen"

Wie sehen Sie die Chancen der Männer, die Vormachtstellung des Franzosen Simon Fourcade zu knacken?

Fourcade ist momentan der überlegene Mann. Wenn er seine Leistung bringt, wird dort niemand hinkommen. Simon Schempp hatte in der vergangenen Saison ein paar Mal die Chance, ein Rennen aus eigener Kraft zu gewinnen. Ich traue ihm auch bei den Olympischen Spielen einiges zu. Dafür muss er aber schon vorher bei den Weltcups gut dabei sein. Fourcade ist auch nicht immer fehlerfrei. Aber im Herrenbereich ist die Leistungsdichte so groß, dass immer jemand vorn angreifen kann. Da hängt viel davon ab, wie man durch die Saison kommt und wie cool ein Sportler bleibt. Insgesamt hat der DSV mit Lesser, Peiffer, Doll und Schempp vier Siegläufer.

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Das hängt von der Entwicklung des Sportlers in der Saison und der Stellung im Team ab. Jeder muss sich einen Marschplan zurechtlegen, wann er voll da sein will. Es ist nahezu unmöglich, von Anfang Dezember bis Ende Februar voll da zu sein. Jeder Sportler muss Akzente in seiner Saison setzen. Aufgrund der Beliebtheit des Biathlons ist es für die Besten aber immer schwierig, einen Weltcup auszulassen. Die Fans erwarten, dass sie bei jedem Weltcup an den Start gehen. Die Olympischen Spiele stehen aber natürlich an oberster Stelle und jeder Athlet muss entscheiden, ob er selbst bei den Spielen einmal ein Rennen aussetzt, um dann frischer zu sein.

Sie waren Athlet, sind jetzt als Experte für Eurosport tätig und arbeiten als Trainer in der Schweiz. Welche Rolle lag Ihnen am meisten?

Als ich als Biathlet mitten im Geschehen dabei war und mitgekämpft habe, war das natürlich sensationell. Der Kick war unglaublich. Jetzt als Experte dabei zu sein, ist aber auch schön, weil ich einen anderen Blick auf das große Ganze habe. Das kommt mir dann als Trainer in der Lenzerheide zugute, weil ich mit dem Nachwuchs etwas erarbeiten kann. Die sind in einem Alter, wo der Wechsel zwischen Hobby und Beruf vonstatten geht – da kann ich denen viel mitgeben. Aber selbst am Start stehen, das ist das richtige Biathlon.

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