11. Juli 2018 / 14:44 Uhr

Mission erfüllt: Spendenaktion des SVGO Bremen erfolgreich

Mission erfüllt: Spendenaktion des SVGO Bremen erfolgreich

Martin Prigge
H58A9286 (1)
Ibrahima Bah (li) und Andre Vahlsing von der SVGO-Fußballabteilung mit den gesammelten Schuhen vor der Abreise nach Guinea. © Andreas Kalka
Anzeige

Die Spendenaktion von Ibrahima Bah und des SVGO Bremen endet in Guinea mit der Übergabe der Fußballschuhe / Politische Lage lässt keinen langen Besuch im Heimatland zu

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Eigentlich wollte Ibrahima Bah ein Jahr lang in seinem Heimatland Guinea Hilfe leisten. Im Mai 2017 haben wir über die Spendenaktion berichtet, die Bah damals zusammen mit dem Sportverein Grambke-Oslebshausen (SVGO) ins Leben gerufen hatte. Unter dem Motto „Sportschuhe für Guinea“ sammelte er Fußballschuhe. Letztlich wurde sein Aufenthalt in Guinea viel kürzer als geplant, politische Unruhen im Land zwangen ihn zur vorzeitigen Rückkehr. Seine Mission, Kinder der dortigen Fußballvereine mit Fußballschuhen und Trikots auszustatten, hat er dennoch erfüllt.

Bah flog nach Guinea, blieb drei Tage in der Hauptstadt Conakry und reiste dann weiter in sein 250 Kilometer entferntes Heimatdorf Bel Air. Eigentlich hatte Ibrahima Bah, der selbst als Spieler und Co-Trainer der Fußball-G-Jugend beim SVGO aktiv ist und von seinen Freunden „Ibo“ genannt wird, noch länger in Guinea bleiben wollen. Schließlich waren es aber nicht nur die politischen Unruhen, die ihn früher als vorgesehen zurückkommen ließen. „Wir sind hingereist, um Kinder mit Fußballschuhen und Trikots zu bekleiden. Das haben wir erfolgreich abgeschlossen und unsere Mission erfüllt“, sagt Ibrahima Bah. 60 Paar Schuhe habe er vor Ort übergeben, 15 Paar habe man ihm allerdings im Hafen von Conakry gestohlen. In vier Autos, die mit dem Schiff nach Guinea gebracht und dort verkauft wurden, transportierte „Ibo“ Bah die gespendeten Schuhe und Trikotsätze – nur 50 Euro Zollgebühr zahlte er für den Transport. Dankbar zeigt sich der 30-Jährige insbesondere gegenüber einer großzügigen Spende der Turn- und Sportgemeinde Ritterhude von 1887 (TuSG). TuSG-Spieler Marco Grahl hatte früher in Grambke gespielt und sich sofort bereit erklärt, bei der Spendenaktion mitzumachen.

Ibrahima Bah berichtet von den Lebensumständen in seinem Heimatort: Zwei Kilometer von Bel Air entfernt befinde sich eine Bauxit-Mine. Dieses Aluminiumerz finde wichtige Verwendung im Bau von Fahrzeugen, Eisenbahnwagons und Flugzeugen, aber auch in Handys und Computern. „Statt die großen Gewinne durch die vorhandenen Bodenschätze für das Volk zu nutzen, wird das Land ausgebeutet“, prangert Bah an. Arbeiter aus den USA und Australien seien am Dorf vorbeigefahren. „Aber keiner macht solche Hilfsaktionen.“ Immerhin habe die Firma aus Bambus einmal ein kleines Dorfkino gebaut. „Das ist jedoch nichts im Vergleich zu den Milliarden, die aus dieser Mine exportiert werden“, sagt Ibrahima Bah. Das durchschnittliche Monatseinkommen in Guinea liegt bei 45 US-Dollar, erzählt der Nordbremer. Damit könne man sich einen Sack mit 30 Kilogramm Reis und etwas Gemüse leisten. Das westafrikanische Land zählt zu den ärmsten Regionen des Kontinents.

Zwei Wochen nach seiner Ankunft in Afrika erreichten die ersten Autos samt Schuhen und Trikots die guineische Hauptstadt. Ibrahima Bah reiste nach Conakry, um die Autos zu entladen. Den ersten Eindruck, als Bah die Spenden erstmals im Dorf Bel Air verteilte, beschreibt er sehr anschaulich: „Es war ein toller Moment. Vorher hatte sich bereits herumgesprochen, dass wir kommen würden. Die meisten Kinder standen da ohne Schuhe. Als ich die Säcke mit den Sachen hervorholte, durfte sich jeder nehmen, was er wollte. Sie haben sich nicht auf die Kleidung gestürzt, weil sie sahen, dass genug für jeden da war. Manche mussten sogar erst lernen, mit den neuen Fußballschuhen zu laufen. Die Kinder kamen danach wieder, haben für uns gebetet. Das war ein wunderbarer Moment des Glücks.“ Ein Moment des Glücks, der sich allerdings zunächst verzögert hatte. Zum einen aufgrund erschwerter Bedingungen wegen der Regenzeit, zum anderen, weil es im Vorfeld Komplikationen mit den Papieren gegeben hatte und der Transfer über Brüssel zunächst nicht klappte.

Ibrahima Bah, der seit 13 Jahren in Deutschland lebt, spricht rückblickend von einer „tollen“ Erfahrung. „Aber man kann nicht allen helfen, weil es nie für alle reichen wird – das ist ein Wahnsinn.“ Hier sieht Bah Parallelen zur Flüchtlingskrise. „Guinea ist meine Heimat, aber Deutschland ist mein Zuhause. Hier habe ich Vernunft gelernt und Werte vermittelt bekommen. Viele in Bel Air sagten zu mir, ich sei ‚weiß‘ geworden. Aber Werte wie Pünktlichkeit oder ein Dankeschön aussprechen, hat nichts mit Hautfarbe zu tun.“ Für ein Volk sei Bildung das wichtigste Gut. „Das wird Afrika in den nächsten Jahrzehnten noch schwer zu schaffen machen und deshalb verstehe ich sehr gut, dass die deutsche Bundesregierung so viel Geld in die Bildung für Flüchtlinge investiert“, so Bah, der beruflich mit Geflüchteten arbeitet. „Die Menschen wollen die Hilfe zwar annehmen, kennen aber keine Eigeninitiative. Mehr als die Hälfte sind Analphabeten. So werden sie abgehängt, weil Guinea nichts für die Bildung tut.“

Bezeichnend sei der Umstand, dass es erst vor wenigen Monaten, von Oktober bis März, aufgrund von streikenden Lehrkräften, die in Guinea höchstens 150 Euro monatlich verdienen, im ganzen Land keinen Schulunterricht gegeben habe. „Uns wurde in Guinea das Risiko mit all den Demos, die es dort gibt, dann einfach zu hoch“, erzählt Ibrahima Bah von der Gefahr für seinen sieben Jahren alten Sohn Cale, der den Vater mit seiner Mutter Tanja begleitet hatte und vor Ort von einem Privatlehrer unterrichtet wurde. Am Ende ist Ibrahima Bah zufrieden mit dem Erfolg der Spendenaktion. Auch André Vahlsing, SVGO-Kassenwart und zweiter Vorsitzender der Grambker, spricht von einer geglückten Mission: „Ibo hat die Menschen dort für eine bestimmte Zeit sehr glücklich gemacht, das werden die Kinder immer in Erinnerung behalten. Wir danken allen Spendern für die tolle Unterstützung.“ Die Leidenschaft für den Fußball wollte Bah an die guineischen Kinder weitergeben. Während er von seinen Erlebnissen berichtet, glaubt man, dass ihm das mithilfe der großen Unterstützung der zahlreichen Spender während seines Aufenthaltes in Guinea gelungen ist.

Mehr zum Bremer Amateufußball
Die aktuellen TOP-THEMEN

Mega-Sale: SPORTBUZZER-SHOP

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Bremen
Sport aus aller Welt