12. Februar 2019 / 10:59 Uhr

Missverständnis bringt Dynamo Dresden auf die Verliererstraße

Missverständnis bringt Dynamo Dresden auf die Verliererstraße

Jochen Leimert
Die Dresdner Mannschaft spricht sich nach dem Spiel Trost zu.
Nach Spielschluss bildeten alle Dynamo-Spieler und -Betreuer einen Kreis, um sich gegenseitig Mut und Trost zuzusprechen. © Jochen Leimert
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Eine kleine Uneinigkeit zwischen den Dynamos Markus Schubert und Linus Wahlqvist führt in Hamburg zum alles entscheidenden Gegentor, doch der Keeper nimmt die Schuld an der 0:1-Niederlage beim HSV auf seine Kappe. Co-Trainer Ovid Hajou widerspricht ihm.

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Hamburg. 85 Minuten hatte das Dresdner Abwehrbollwerk gehalten, dann ging der ersehnte Punktgewinn beim Hamburger SV doch noch flöten. Ein eigentlich harmloser Ball, den Außenverteidiger Linus Wahlqvist zögerlich zurück zu Schlussmann Markus Schubert weiterleitete, obwohl der ihn verbal davon hatte abhalten wollen, wurde plötzlich noch einmal brandgefährlich, als HSV-Kapitän Lewis Holtby dazwischen sprintete und Schuberts Befreiungsschlag blockte. Der Ex-Nationalspieler kam - unglücklicherweise für Dynamo - gleich noch einmal an die Kugel und versenkte sie zum 1:0-Siegtreffer für den Tabellenführer im Netz. Während Schubert eine halbe Minute platt wie eine Flunder auf dem Rasen lag, um den Schock zu verarbeiten, jubelten die HSV-Profis und ihre Fans bereits über die Punkte 41, 42 und 43. Es war das bittere Ende eines von Dresdner Seite lange engagiert und bis in die zweite Halbzeit hinein auch mutig nach vorn geführten Spiels, das vor allem Schubert und Wahlqvist jetzt noch eine Weile beschäftigen wird.

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Unglückliche Niederlage für Dynamo Dresden: Nach 90 durchaus überzeugenden Minuten mussten sich die Schwarz-Gelben beim Hamburger SV mit 0:1 geschlagen geben. Zur Galerie
Unglückliche Niederlage für Dynamo Dresden: Nach 90 durchaus überzeugenden Minuten mussten sich die Schwarz-Gelben beim Hamburger SV mit 0:1 geschlagen geben. ©
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“Es kam ein abgeprallter Ball, der setzte kurz vorm Sechzehner auf. Ich wollte rauskommen, habe ,Torwart’ gerufen”, erklärte Schubert die Szene hinterher noch einmal. Er habe gehofft, den aufspringenden Ball mit den Armen aufnehmen zu können. Ob ihn der Schwede gehört hatte, wisse er nicht, so Schubert später. Als der des Deutschen noch nicht sonderlich mächtige Wahlqvist aber den Ball zurückgespielt hatte, traf auch Schubert die falsche Entscheidung: “Ich wollte den mitnehmen, muss ihn aber zur Ecke klären oder ins Seitenaus, schieße Holtby aber an. Ich hatte zum Schluss noch die Hoffnung, dass ich mit der Hand rankomme, aber das ist mir dann nicht gelungen.” Der aus der Bundesliga umworbene Keeper nahm die Schuld für den Gegentreffer letztlich auf sich: “Ich würde es nicht auf Linus schieben”, der habe nur helfen wollen, den Ball zu klären, ihn wohl nicht rufen gehört.

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Trost vom Co-Trainer

Holtby war es am Ende piepegal, wer mehr gepennt hatte - Wahlqvist oder Schubert: "Ich habe gesehen, dass sie sich nicht einig waren, in so einer Situation musst du schnell schalten. Das Glück war auf meiner Seite, dass der abgewehrte Schuss irgendwie gegen mich prallte und dann noch vor meine Füße." So durfte er sich nach mehreren vergebenen HSV-Chancen doch noch als Matchwinner feiern lassen. “Das hat er gut gemacht, gut nachgesetzt”, lobte ihn sein HSV-Mannschaftskollege Pierre-Michel Lasogga, der zuvor mehrfach am sonst starken Schubert gescheitert war.

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(1) Markus Schubert: Der Schlussmann konnte nach auskuriertem Infekt und überstandenen Fersenproblemen auflaufen. Nachwirkungen waren bei ihm nicht festzustellen, er hatte zunächst auch weniger zu tun als erwartet. Beim Hinterhaltsschuss von Holtby war der 20-Jährige auf dem Posten (43.). Auch beim Kopfball von Lasogga war er schnell unten und krallte sich die Kugel (54.). Nareys Schuss war auch kein Problem für ihn (64.). Reaktionsschnell bei Holtbys Versuch. (68.). Beim Gegentor reagiert er zu spät und wird geblockt. Bitter für ihn und das Team. Note: 3,5. Zur Galerie
(1) Markus Schubert: Der Schlussmann konnte nach auskuriertem Infekt und überstandenen Fersenproblemen auflaufen. Nachwirkungen waren bei ihm nicht festzustellen, er hatte zunächst auch weniger zu tun als erwartet. Beim Hinterhaltsschuss von Holtby war der 20-Jährige auf dem Posten (43.). Auch beim Kopfball von Lasogga war er schnell unten und krallte sich die Kugel (54.). Nareys Schuss war auch kein Problem für ihn (64.). Reaktionsschnell bei Holtbys Versuch. (68.). Beim Gegentor reagiert er zu spät und wird geblockt. Bitter für ihn und das Team. Note: 3,5. ©

Der Dresdner Torwart bekam indes Trost von Co-Trainer Ovid Hajou, der den erkrankten Cheftrainer Maik Walpurgis an der Seitenlinie vertreten hatte. “Kein Vorwurf an ,Schubi’. Ich glaube, dass war einfach ein blödes Missverständnis zwischen ihm und Linus.” Schubert habe ein richtig gutes Spiel gemacht, “er konnte viele gute Torchancen vom HSV verhindern”. Pannen wie die vorm 0:1 seien auch den besten Torhütern der Welt schon passiert.

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Markus Schubert (SG Dynamo Dresden): Es war wieder ein geiles Erlebnis, dass so viele Fans von uns mitgereist sind - an einem Montag. Danke dafür! Wir und auch ich können uns nur entschuldigen, dass wir nicht mindestens einen Punkt mitgenommen haben. In der 85. Minute kam ein abgeprallter Ball, er setzte kurz vorm Sechzehner auf. Ich wollte rauskommen, habe Torwart gerufen, wollte, dass der Ball vorm Sechzehner aufspringt und in meine Arme kommt. Ich muss nochmal mit Linus sprechen, ob er meinen Ruf gehört hat. Das weiß ich nicht. Zur Galerie
Markus Schubert (SG Dynamo Dresden): "Es war wieder ein geiles Erlebnis, dass so viele Fans von uns mitgereist sind - an einem Montag. Danke dafür! Wir und auch ich können uns nur entschuldigen, dass wir nicht mindestens einen Punkt mitgenommen haben. In der 85. Minute kam ein abgeprallter Ball, er setzte kurz vorm Sechzehner auf. Ich wollte rauskommen, habe "Torwart" gerufen, wollte, dass der Ball vorm Sechzehner aufspringt und in meine Arme kommt. Ich muss nochmal mit Linus sprechen, ob er meinen Ruf gehört hat. Das weiß ich nicht." ©

Hajou bemühte sich sofort nach Spielschluss, die enttäuschte Mannschaft wieder aufzubauen. Er rief die Truppe noch auf dem Rasen zu einem Kreis zusammen, redete minutenlang mit ihr. Alle steckten die Köpfe zusammen, um das Geschehene zu verarbeiten und Kraft statt Frust aus einem ordentlichen Spiel zu ziehen. Hajou erklärte: “Wir wollten uns einfach noch einmal vor Augen halten, dass wir eine richtig gute Leistung auf dem Platz gebracht haben. Dass wir das, was wir uns vorgenommen haben, auch gut umgesetzt haben. Und dass wir das mit in die nächsten Partien nehmen müssen.” Leider sei wie beim 0:1 in Heidenheim eine passable Vorstellung wieder nicht mit einem Punkt oder gar drei Punkten belohnt worden, ärgerte sich der 35-Jährige.

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