18. Mai 2018 / 15:58 Uhr

Interview mit Ex-Havelser Marcel Kohn: Mit Lupo-Martini zurück in den Profibereich?

Interview mit Ex-Havelser Marcel Kohn: Mit Lupo-Martini zurück in den Profibereich?

Louis Lambert
Marcel Kohn im Spiel von U.S.I. Lupo-Martini Wolfsburg gegen die SVG Göttingen 07 USER-BEITRAG
Marcel Kohn im Spiel von U.S.I. Lupo-Martini Wolfsburg gegen die SVG Göttingen 07 © https://lupomartini.com
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Sportbuzzer-User Louis Lambert spricht im Interview mit dem 23-jährigen Marcel Kohn von Lupo-Martini Wolfsburg.

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VfL Wolfsburg, RB Leipzig und Holstein Kiel. Das sind sehr klangvolle Namen in der heutigen Fußballzeit und eben Ihre Ausbildungsvereine. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, im Verein Fußball zu spielen?

 

Dadurch, dass mein Vater Ex-Profi war (spielte u.a. bei Braunschweig, Magdeburg und Hamburg; d. Red.) lag es schon ein wenig in der Wiege. Damals war ich immer als kleiner Junge im Stadion bei meinem Vater. Von dort an war für mich klar, dass es für mich nur Fußball gibt. Hab dann auch mit vier Jahren angefangen und hab beim jetzigen Kreisligisten SFG Neindorf/Almke angefangen Fußball zu spielen mit meinen Kumpels.

 

Meistens ist es ja so, dass einem ein besonderer Moment aus der Jugendzeit in Erinnerung geblieben ist. Welches war Ihr schönstens Erlebnis?

 

Das schönste Erlebnis war auf jeden Fall bei der Hallenkreismeisterschaft, als wir zu viele verletzte und kranke Spieler hatten und wir statt fünf Spielern nur noch drei zur Verfügung hatten. Ich musste als Feldspieler ins Tor, war sogenannter fliegender Feldspieler und wir hatten nur noch zwei Spieler draußen. Wir haben in dem ganzen Turnier ein Spiel nach dem anderen verloren und das auch noch sehr deutlich. Überraschenderweise haben wir dann das letzte Spiel 2:1 gegen den Tabellenersten gewonnen und das war eine riesen Sensation damals mit drei Spielern. Und dann haben wir auch von meinem Vater damals eine bunte Tüte und ein Eis bekommen und daran erinnert man sich immer gerne zurück, da es einfach einmalig war. Dieser Sieg war einfach ein richtig cooles Erlebnis und bleibt auf jeden Fall in Erinnerung.

 

Sie sind sehr früh, im Alter von gerade einmal zehn Jahren, zum VfL Wolfsburg gewechselt. Können Sie mir mal bitte einen Einblick von dort geben?

 

Sehr gerne. Damals hab ich etwas weiter weg gewohnt. Wir wohnen in einem Dorf, dass heißt Neindorf und ist etwa fünfzehn Minuten von Wolfsburg entfernt. Da damals alle Stunde nur ein Bus gefahren ist und ich um 8:00 Uhr pünktlich in der Schule sein musste, bin ich dann schon zwei Stunden vorher aufgestanden und hab mich fertig gemacht. Bis 13:00 Uhr hatte ich dann meistens Unterricht, wobei es auch mal sein konnte, dass der Schulgong erst um 15:00 Uhr ertönte. Entweder bin ich dann nach der Schule in die Stadt gegangen oder eben ins VfL-Internat, was es damals schon gab. Bevor es zum Training ging, habe ich zusammen mit einem persönlichen Betreuer, der mir von der Schule aber auch vom VfL Wolfsburg zur Verfügung gestellt wurde, die Hausaufgaben erledigt. Wenn es der Stundenplan zuließ, habe ich dienstags und donnerstags auch vormittags trainiert. Beim VfL Wolfsburg wurde ich einfach super ausgebildet, sowohl fußballerisch aber auch menschlich. Zusätzlich merkst du einfach jeden Tag, um was es sportlich gesehen geht. Natürlich kannst du mit deinen Kumpels nicht so viel machen, sodass die Freizeit auf der Strecke bleibt. Du siehst zwar, dass deine Freunde aus deiner Umgebung regelmäßig Party machen, aber das hat mich nie gestört. Ich wusste schon recht schnell, dass ich Fußballprofi werden wollte und habe mich darauf stets fokussiert. In relativ kurzer Zeit bin ich beim VfL Wolfsburg sehr reif geworden.

 

Ihr Vater, Thorsten Kohn, ist ein Ex-Profi und spielte sowohl in der 2. Bundesliga und hat sogar einen Erstligaeinsatz auf seinem Konto. Verspüren Sie aufgrund dieser Karriere einen besonderen Druck?

 

Also Druck verspüre ich durch meinen Vater gar nicht. Vielmehr ist es einfach traumhaft, einen Vater als Ex-Profi zu haben. Er ist mit Abstand mein wichtigster Ansprechpartner und auch sehr kritisch mir gegenüber. Das macht mich besser und ich kann mich auf seine Aussagen verlassen. Ich weiß, dass er Ahnung hat. Mit Hilfe seiner Erfahrung bringt er mich weiter.

 

Über die Stationen RB Leipzig landeten Sie bei Holstein Kiel. Wie war für Sie die Zeit in der Rückbetrachtung? 

 

Die Zeit in Kiel war überragend. Ich hab mich in der Stadt pudelwohl gefühlt. Kiel ist für mich eine wunderschöne Stadt, direkt am Meer. Ich hatte dort eine top Wohnung, direkt am Trainingsplatz gelegen. Die Erlebnisse mit den Profis von Holstein Kiel wie zum Beispiel das Trainingslager in der Türkei oder eben beim Saisoneröffnungsspiel gegen den FC St. Pauli zum 18-Mann-Kader zu gehören, waren für mich einfach eine unheimlich gute Erfahrung. Für mich selbst habe ich gerade in der Zeit in Kiel viel mitgenommen. Mit Karsten Neitzel (aktuell Trainer bei Rot-Weiss Essen, d. Red.)hatte ich einen sehr, sehr harten Trainer, von dem ich im Nachhinein unglaublich viel gelernt habe. Es war alles in allem eine super Zeit. Kiel ist auf jeden Fall eine Stadt wo ich mir vorstellen könnte, eines Tages dort noch einmal zurück zu kehren, weil man dort einfach eine hohe Lebensqualität hat und ich mich in den zwei Jahren einfach super wohlgefühlt habe. Hinzu kommt noch, dass ich mit Spielern wie Tim Danneberg (VfL Osnabrück), Rafael Kazior (SV Werder Bremen II) oder Hauke Wahl (FC Ingolstadt) zusammen spielen konnte.

 

Nachdem Ihnen mittgeteilt wurde, dass es für die Profimannschaft bei den Kielern noch nicht reichen würde, landeten Sie über den Umweg Lüneburger SK Hansa beim TSV Havelse. Wie kam der Wechsel zum Regionalligisten, etwa eine Autostunden von ihrem Geburtsort Gifhorn, zustande? 

 

Ich habe damals nach der Zeit bei Kiel beim Lüneburger SK Hansa einen Einjahresvertrag unterschrieben. Doch dort wurden mir Versprechungen gemacht, die so nicht eingehalten wurden, sodass ich weg wollte. Das Gesamtpaket von Fußball und Arbeit hat einfach nicht mehr gestimmt. Über meinen damaligen Mannschaftskollegen Eric Owusu (spielt aktuell in der Schleswig-Holstein-Liga beim NTSV Strand 08; d. Red.), mit dem ich bei Kiel zusammen spielte, erfuhr ich das der TSV Havelse noch einen Abwehrspieler sucht. Fabian Wetter kannte mich noch aus Kiel und hat mich dort empfohlen. Beim TSV Havelse hatte ich mit Stefan Gehrke und Alexander Kiene zwei sehr gute Trainer, die mich gefordert und gefördert haben.

 

Aktuell spielen Sie allerdings bei U.S.I Lupo-Martini Wolfsburg in der Oberliga Niedersachsen. Was hat es mit diesem Wechsel, nach über 50 Regionalligaspielen mit dem TSV Havelse, auf sich?

 

Nach zwei erfolgreichen Jahren hat mir der jetzige Trainer Christian Benbennek zwei Wochen vor Ende der Wechselfrist mitgeteilt, dass ich in seinen Planungen keine Rolle mehr spiele. Es war für mich erst einmal ein Schlag ins Gesicht, damit habe ich nach zwei Jahren unumstrittener Stammspieler nicht gerechnet. Ich habe es natürlich akzeptiert, aber verstanden oder verstehen tue ich es bis heute nicht. Lupo Martini genießt einen guten Ruf in Wolfsburg und hat letztes Jahr noch Regionalliga gespielt. Ursprünglich sollte ich noch ein Probetraining beim VfB Oldenburg absolvieren, allerdings kam dieses durch die Entlassung vom Trainer Dietmar Hirsch und dem sportlichen Leiter Ralf Voigt nicht zu Stande. Deswegen spiele ich jetzt bei Lupo-Martini Wolfsburg, wo ich mich in Ruhe weiterentwickeln konnte. Ich kann dort Spielpraxis sammeln, die gerade für mich nach dem Aus in Havelse sehr wichtig ist. Ich fühle mich dort sehr wohl und bereue vor allem diese Entscheidung nicht. 

 

Zum Abschluss noch eine letzte Frage. Was sind denn Ihre weiteren Ziele?

 

Meine Ziele sind auf jeden Fall weiterhin verletzungsfrei und gesund zu bleiben. Natürlich möchte ich so schnell wie es geht zurück in die Regionalliga und das am Besten jetzt mit Lupo-Martini Wolfsburg. Wie es weiter geht, weiß ich noch nicht. Mein Vertrag läuft ja zum Ende der Saison aus, allerdings befinden wir uns gerade in sehr guten Gesprächen. Auf jeden Fall liegt mein Augenmerk auf dem Aufstieg in die Regionalliga. 

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