08. November 2018 / 10:55 Uhr

Moritz Becker als Gegner der schlechten Stimmung bei Hertha BSC

Moritz Becker als Gegner der schlechten Stimmung bei Hertha BSC

Mirko Jablonowski
Hertha-Fan Moritz Becker spielt in der Landesklasse West für die SG Bornim.
Hertha-Fan Moritz Becker spielt in der Landesklasse West für die SG Bornim. © Privat
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Bundesliga: Der Landesklasse-Kicker der SG Bornim heizte trotz Boykott den Hertha-Fans ein und landete damit im Aktuellen Sportstudio.

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Mitte der zweiten Halbzeit hatte Moritz Becker seinen großen Auftritt. Er stand von seinem Sitzplatz auf, ging die Treppen bis zur untersten Sitzreihe des Olympiastadions runter und lief beim Spiel seiner Hertha gegen RB Leipzig (0:3) von der Gegengerade Richtung Ostkurve. „Ich hatte einfach irgendwann die Schnauze voll von dem Spiel und der Stimmung. Man hat gemerkt, dass es eher ein Auswärtsspiel für Hertha war. Da konnte ich einfach nicht ruhig bleiben“, erzählt Becker.

Wild gestikulierend rief der 20-Jährige den Fans, die bis dahin mit einem Stimmungsboykott ihren Protest gegen das Banner- und Fahnenverbot vom Verein ausdrückten, zu, dass sie aufstehen und ihre Mannschaft nicht so hängen lassen sollten. Und die Zuschauer folgten seinem Aufruf, standen auf und riefen „Ha Ho He“, den typischen Hertha-Schlachtruf.

Das sind die Konfliktpunkte zwischen Hertha BSC und den Fans.

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„Wenn das nicht geklappt hätte, wäre ich megatraurig gewesen. Aber es beflügelt natürlich, wenn man dann zehntausendfach die Stimmung zurückbekommt. Es standen immer mehr Leute auf, es wurde immer lauter. Zwischenzeitlich war das echt bombastisch“, erzählt der Brandenburger, der mit seiner Aktion am Abend in Großaufnahme dann auch im Spielbericht des Aktuellen Sportstudios landete.

Eigentlich steht der Potsdamer selbst in der Ostkurve. Doch weil seine Mutter krank war, saß er mit seiner Schwester auf der Gegengeraden. „Ich habe schon vom Platz aus versucht, immer wieder ,Ha Ho He’ anzustimmen. Das hat aber nicht so richtig geklappt, nur vereinzelt hat jemand mitgemacht“, sagt Becker.

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Also entschloss sich der Fitness- und Gesundheitstrainer dazu, den übrigen Fans von unten einzuheizen – nachdem ihn seine Schwester darauf gebracht hatte. „Sie hat das eher als Spaß gemeint und gesagt: ,Geh doch einfach runter und sorg selbst für Stimmung.’“ Das tat er schließlich, auch wenn die Gesänge nicht ganz so lange anhielten.

Den Stimmungsboykott könne er durchaus nachvollziehen. „Die Kommunikation zwischen Verein und Fans ist schon seit einiger Zeit, um es nett auszudrücken, ins Stocken geraten. Die Fans fühlen sich einfach nicht ernst genommen. Und dann mit der Kollektivstrafe allen Fans weh zu tun, da konnte man schon mit einer Reaktion wie dem Stimmungsboykott rechnen“, sagt Becker.

Dauerkarte für die Ostkurve

An den wollte er sich selbst aber nicht ganz so strikt halten. „Es ist ja jedem selbst überlassen, ob er sich daran hält. Mein Gedanke dahinter war, dass ich ein Zeichen setzen möchte, dass es ohne Fans einfach nicht geht“, erzählt Becker.

Er selbst spielt bei der SG Bornim in der Landesklasse West Fußball. Am Samstagnachmittag stand er für die Potsdamer noch auf dem Platz, anschließend eilte er vom 2:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Eintracht Glindow direkt zum Hertha-Spiel gegen Leipzig.

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Seine Herzens-Vereine trägt er auf der Haut: Mit 17 Jahren ließ er sich ein Hertha-Tattoo stechen, mit 18 Jahren dann eines von der SG Bornim. „Ich habe meine Ausbildung in Lindow gemacht. Damit ich immer etwas habe, was mich mit zu Hause verbindet, habe ich das Bornim-Tattoo stechen lassen“, erzählt Becker, der in dieser Zeit auch für den Lindower SV spielte.

Das Bornim-Tattoo hat er seit dem 25. Juli 2016 – dem 124. Geburtstag der Hertha. 2006 stand er erstmals im Olympiastadion, seither ist er dem Berliner Bundesligisten verfallen. „Mein Vater hat mir früher die Tabellen vorgelesen, da wusste ich, Hertha ist einzigartig. Andere Vereine haben eben Städtenamen, Hertha ist kein normaler Name“, erzählt Becker, der eine Dauerkarte für die Ostkurve hat.

Seine Mutter und seine Schwester sitzen bei jedem Heimspiel auf der Gegengerade. „Ich habe die beiden mit dem Hertha-Fieber angesteckt“, sagt er selbst. Am vergangenen Spieltag hat er sogar mehrere tausend Hertha-Fans angestachelt.

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