24. November 2018 / 12:16 Uhr

„Wir sind im Soll“: MTV Gifhorns Trainer Michael Spies im SPORTBUZZER-Interview

„Wir sind im Soll“: MTV Gifhorns Trainer Michael Spies im SPORTBUZZER-Interview

Marcel Westermann
Michael Spieß MTV Gifhorn
Michael Spieß MTV Gifhorn © Michael Franke/Sebastian Preuss
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Der MTV Gifhorn hat in der Oberliga Niedersachsen bereits einmal gegen jedes Team gespielt, gegen Arminia Hannover gab’s sogar schon das vorgezogene Rückspiel. Mit 20 Punkten steht die Mannschaft von Trainer Michael Spies überm Strich – doch es war mehr drin. Der MTV-Coach spricht im Interview mit SPORTBUZZER-Redakteur Marcel Westermann über die Hinserie, positive Überraschungen im Team und Transfers im Winter.

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Herr Spies, Sie beschreiben sich selbst als bodenständigen Menschen. Wie sieht denn nach der aktiven Profi-Karriere Ihr Alltag aus?

Mein Alltag ist ganz normal, wie bei jedem anderen auch. Man hat seine Aufgabe zu erfüllen und man hat seine Hobbys, die man verfolgt. Wir Fußballer sind ja keine Außerirdischen, die irgendwelche besonderen Dinge machen. Sondern wir leben ganz normal. Wir haben einfach das Glück gehabt, dass wir einen tollen Beruf hatten, der für viele Menschen ein Traum ist.

Welche Hobbys sind das bei Ihnen?

Ich spiele ganz gern Golf und verbringe natürlich viel Zeit mit meiner Familie und dem Hund. Wobei das Golfspielen durch die Trainerstation ein wenig leidet. Aber es ist auch normal, dass man zurückstecken muss.

Der MTV Gifhorn ist nach dem SSV Kästorf und dem SSV Vorsfelde Ihre dritte Trainerstation. Wie unterscheidet sich die Arbeit in den Vereinen?

Grundsätzlich ist die Arbeit ähnlich, weil man überwiegend mit jungen Menschen zu tun hat. Das war in all meinen Mannschaften so, weil wir der Meinung sind, dass es Sinn macht, Spieler aus der Jugend und der Umgebung zu fördern. Allerdings haben wir mit den Vereinen nicht in der Oberliga gespielt. Vom Training her unterscheiden sich die Klubs nicht wirklich, wobei man für die Oberliga noch etwas mehr machen muss. Der Aufwand ist schon deutlich größer.

Erfüllt Sie die Aufgabe in Gifhorn rundum?

Mein Ziel war es eigentlich nicht, Trainer zu werden. Und ich hatte auch nicht vor, noch eine Mannschaft zu trainieren. Aber ich bin vom MTV gefragt worden und kenne viele Leute in Gifhorn. Ich habe selbst lange dort gewohnt, als ich beim VfL Wolfsburg gespielt habe. Wir waren oft in der Flutmulde, daher kenne ich viele Personen, die noch beim MTV tätig sind. Und durch die Verbundenheit und den Reiz der Oberliga haben wir uns auf eine Zusammenarbeit verständigt. Natürlich macht es Spaß, aber es ist ein großer Aufwand.

Damit Sie längerfristig beim MTV bleiben, muss der Erfolg natürlich her...

Natürlich. Man muss aber auch immer realistisch sein. Wir haben einige erfahrene Spieler, die den Ton angegeben haben, verloren. Und wir haben extrem viele junge dazubekommen. Aber die Truppe ist willig, die haut sich im Training rein. Wir haben das große Ziel, in der Liga zu bleiben. Ich denke, wir sind im Soll.

Oberliga: MTV Gifhorn gegen MTV Wolfenbüttel 0:1 (18. November 2018)

Oberliga: MTV Gifhorn (l. Trainer Michael Spies) gegen MTV Wolfenbüttel 0:1 Zur Galerie
Oberliga: MTV Gifhorn (l. Trainer Michael Spies) gegen MTV Wolfenbüttel 0:1 ©
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"Dabei muss man gar nicht immer gewinnen, sondern auch mal gegen einen direkten Konkurrenten einen Punkt mitnehmen. Der hilft dann ja auch."

Gibt’s für Sie einen Trainer, den Sie als Vorbild sehen?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte sehr viele Trainer, einige echt gute, andere mit bestimmten Eigenheiten. Ich denke, man kann von jedem etwas mitnehmen. Es gibt immer Dinge, die mehr hängenbleiben und die mehr zu mir als Typ passen. Es ist die Art vom ganzen Trainerteam, dass wir offen sind und uns Meinungen gern anhören. Dass wir mit den Spielern und dem Umfeld sprechen und uns überlegen, wo man die eine oder andere Idee umsetzen kann. Man muss sich ja auch als Trainer entwickeln. Man kann nicht sagen, was ich ein Jahr lang gemacht habe, mache ich immer so.

Gegen jeden Gegner wurde jetzt einmal gespielt. Sind Sie zufrieden mit der Hinrunde?

Naja, wir sind über dem Strich, damit haben wir das grundsätzliche Ziel erreicht. Und da wollen wir auch bleiben. Insgesamt sind wir mit der Mannschaft zufrieden, sie macht ordentliche Spiele. Auswärts haben wir uns sehr gut entwickelt, zu Hause haben wir uns leider, was die Punkte angeht, nicht so entwickelt. Wobei wir nie die schlechtere Mannschaft waren. Wir sind aber in ein komisches Fahrwasser gekommen, dass wir auswärts immer gewinnen und zu Hause leider momentan nicht gewinnen können. Wir müssen sehen, dass wir da wieder rauskommen.

Was kann man denn gegen den Heimfluch machen?

Wir müssen die Jungs einerseits aufbauen, ihnen aber andererseits auch klarmachen, wie man sich in gewissen Situationen zu verhalten hat. Wir versuchen, im Training das eine oder andere umzusetzen. Vielleicht ist zu Hause auch ein gewisser Druck entstanden. Dabei muss man gar nicht immer gewinnen, sondern auch mal gegen einen direkten Konkurrenten einen Punkt mitnehmen. Der hilft dann ja auch. Da sind wir teilweise noch etwas zu fahrlässig.

Fällt es Ihnen als Ex-Profi manchmal auch schwer, von den Spielern nicht zu viel zu erwarten?

Nein, das habe ich gelernt. In der ersten oder zweiten Trainerstation war das etwas schwieriger. Man muss sich einfach bewusst sein, dass wir Amateure sind, die Jungs machen das nebenher. Wobei die Trainingsbeteiligung und die Selbstmotivation der Spieler aber höher ist als in der Landesliga. Natürlich erwarten wir auch was. Der eine oder andere hat vielleicht auch das Ziel, noch ein bis zwei Ligen höher zu spielen. Ich denke, dass unsere Ansprüche im Rahmen sind, so dass die Jungs das auch leisten können.

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"Der Schuh drückt in der Innenverteidigung."

Gibt es einen Spieler, der Sie bisher am meisten überrascht hat?

Es haben sich einige gut entwickelt. Bei Tobias Krull kann man nicht von Entwicklung sprechen, der spielt seit Jahren stark und ist einer der besten Torhüter der Liga. Mit Charlie Kolmer und Sean Redemann haben wir zwei junge Kerle, die sich in die Mannschaft gekämpft haben und es mit guten Leistungen untermauern. Auch Dimitrios Tsampasis hat sich reingebissen. Auch die beiden Jungs von Lupo, Gracjan Konieczny und Rodi Celik, haben uns geholfen. Wir können insgesamt nicht meckern. Man muss auch noch Melvin Luczkiewicz hervorheben, den wir von der offensiven Außenbahn ins defensive Mittelfeld genommen haben. Da hat er ganz starke Spiele für uns gemacht. Er ist giftig und fußballerisch stark.

Noch ist offen, ob Celik und Konieczny auch in der Rückrunde in Gifhorn bleiben. Wie schwer würde ein Verlust im Winter wiegen?

Wir und die Spieler sind in Gesprächen mit Lupo. Das ist auch eine Frage, wer Lupo verlässt oder verstärkt. Wenn jemand geht, muss ein anderer in die Lücke rein. So groß befassen wir uns damit noch nicht. Solange sie da sind, planen wir auch mit den Jungs.

Muss der MTV im Winter noch Spieler holen?

Verstärken kann man sich natürlich immer. Momentan haben wir Probleme im zentralen Bereich und ganz vorn. Maximilian Krüger war zuletzt verletzt, wir hoffen, dass er da noch reinwächst. Spieler mit einer Torgarantie kann man immer gebrauchen. Und der Schuh drückt in der Innenverteidigung. Drei von vier Spielern sind verletzt. Mit Marc Upmann und Kim Kemnitz haben wir zwei langfristig Verletzte. Marc Lindner war auch immer wieder verletzt.

Am Sonntag geht gegen Uphusen die Rückrunde offiziell wieder los. Wird’s dann etwas mit dem langersehnten Heimsieg?

Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Und wir geben nicht auf. Irgendwann sind wir wieder dran. Nach den vergangenen Spielen ist es eigentlich längst überfällig.

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