12. Februar 2018 / 07:33 Uhr

Mügelns Trainer Alexander Herzig: „Noch drei bis vier Plätze nach oben“

Mügelns Trainer Alexander Herzig: „Noch drei bis vier Plätze nach oben“

Steffen Enigk
Alexander Herzig (rechts) mit seinem Torjäger Paul Erdmann. 
Alexander Herzig (rechts) mit seinem Torjäger Paul Erdmann.  © Ronny Belitz
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Der Trainer des Kreisoberligisten erwartet von seiner Mannschaft in der Rückrunde eine deutliche Steigerung

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Mügeln. Ein bisschen Zeit bleibt Alexander Herzig und seinen Jungs noch. Am 24. Februar beginnt für den SV Mügeln-Ablaß beim Nachholspiel gegen den Nordsachsenliga-Dritten FSV Beilrode wieder der Ernst des Fußballer-Lebens. Bis dahin soll, bis dahin muss die Mannschaft fit sein. Und so wird in diesen Tagen zweimal die Woche vor allem Kondition gebolzt. Die ist für den Coach das A und O. Manchmal wünscht sich Herzig deshalb eine höhere Trainingsbeteiligung als die meist nur zwölf Kicker, die auf dem Rasen schwitzen. „Aber wir haben viele junge Leute, auch Studenten, die nicht immer kommen können.“

Das erschwert das Einspielen für die Rückrunde, zumal bisher keine Testpartien geplant sind. Der Trainer ist kein Freund von ihnen, weil sie schon oft mit Verletzungen endeten. „In der ersten Ferienwoche sind zudem einige meiner Spieler zum Skifahren, vielleicht vereinbaren wir für den 17. Februar trotzdem noch einen Test“, sagt Herzig. Er geht optimistisch in die nächsten Monate. Der 43-Jährige ist seit 2011 Trainer des SV Mügeln-Ablaß, er hat viel Erfahrung und weiß: „Wir sind im Winter immer gut aus den Startlöchern gekommen.“

Rang neun nach schwacher Hinrunde

Diesmal ist das besonders wichtig, denn seine Mannschaft hat einiges gutzumachen. Die bisherige Saison lief alles andere als rund. Fünf Siege, ein Remis und fünf Niederlage stehen zu Buche, 18:17 Tore und lediglich Rang neun mit 16 Punkten – zu wenig angesichts der Qualität im Team, enttäuschend für den Verein und den ambitionierten Coach.

„Die Hinrunde war bestenfalls durchwachsen, eigentlich war sie sogar sehr bescheiden“, räumt Alexander Herzig ein, „damit können wir nicht zufrieden sein, drei bis vier Plätze soll es mindestens noch nach oben gehen. Wir haben uns jedenfalls viel vorgenommen.“ Schließlich hatte der Trainer im vergangenen Sommer noch verkündet: „Mit unserem Potenzial, mit der guten Mischung aus Jung und Alt, ist vieles möglich. Platz zwei bis vier sollte es schon werden.“ Davon ist die Mannschaft noch weit entfernt. Allerdings hat sie auch drei Begegnungen weniger bestritten als der Großteil der Konkurrenz.

Drei Nachholspiele in der Hinterhand

Neben der Beilrode-Partie sind auch noch das Derby gegen Wacker Dahlen (29. März) und das Auswärtsspiel beim SV Laußig (7. April) nachzuholen. „Mit drei Siegen und neun Punkten mehr würden wir unserem Saisonziel natürlich bedeutend näherkommen und wären wieder an der erweiterten Spitze dran“, betont Herzig, schränkt aber sofort ein: „Dann darf sich aber keiner mehr verletzen, kein Leistungsträger wegbrechen.“

Angeschlagene Akteure hat er bereits genug. Verteidiger Sebastian Bergmann verlor bei einer Trainings-Kollision mehrere Zähne und wird noch einige Zeit ausfallen, Torwart Jan Greschner plagte sich lange mit einem Muskelfaserriss im Arm, der zweite Keeper Arne Schütze hat eine Knieoperation hinter sich, Louis Hoffmann eine Ellbogen-Operation. Philipp Janke verließ den Verein in der Winterpause, wechselte nach Terpitz. Da es keine Neuzugänge gab und geben wird, könnte es personell eng werden.

Alexander Herzig jammert nicht, sucht nicht nach Entschuldigungen, wohl aber nach Gründen für das suboptimale Abschneiden – und führt an: „Die ständigen Spielabsagen haben uns immer wieder aus dem Rhythmus gebracht, durch die vielen Ausfälle konnte ich fast nie die gleiche Formation bringen, und einige junge Leute mussten auf für sie ungewohnten Positionen ran. Darunter leidet natürlich die Harmonie in der Mannschaft.“ Dass Torjäger Paul Erdmann im ersten Saisondrittel sieben Wochen lang verletzt passen musste, kostete wohl ebenfalls einige Punkte, fällt aber nicht mehr ins Gewicht. Denn Erdmann hat inzwischen bereits wieder achtmal getroffen, liegt damit auf Rang fünf der Nordsachsenliga-Torschützenliste, führt die vereinsinterne Wertung klar vor Manuel Becker (vier Tore) und Robin Schindler (drei) an und ist laut Herzig „auf gutem Weg zu alter Gefährlichkeit“.

Früher hatten Trainer mehr Druckmittel

Der Trainer, Realist durch und durch, gesteht dennoch, mitunter zu zweifeln. Einerseits hinterfragt er seine Arbeit, andererseits die Mentalität der heutigen Fußballer-Generation, die ihm oft nicht gefällt. „Manchmal sind gerade die jüngeren Spieler übermotiviert, manchmal aber auch nicht bei der Sache, und einige denken auch, sie sind die Größten“, sagt Herzig und sinniert: „Früher hatten die Trainer mehr Druckmittel. Wenn man heute einen Spieler mal schärfer angeht, kann es passieren, dass der einfach die Füße hochlegt und ein paarmal nicht zum Training kommt.“

Herzig weiß, dass viele seiner Kollegen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, und er hat auch eine gewisse Überheblichkeit des kickenden Personals registriert: „Den Fußball, den wir früher gespielt haben, bezeichnen einige jetzt als Holzhackerei – und dann wundern sie sich, wenn ich ab und an in der Halle mitmache und mit meinen 43 Jahren Tore schieße.“

Härte und Robustheit fehlen

Ja, Herzig ist noch ziemlich fit. „Aber keine Angst, ich wechsle mich selbst nicht mehr ein“, lacht er, „bis 40 habe ich mitunter noch in der Kreisoberliga ausgeholfen, inzwischen fehlt dafür die Schnelligkeit.“ Von seinen Spielern wünscht er sich mehr Härte und Robustheit, nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Kopf: „Heute hat die Freundin manchmal mehr zu sagen als der Trainer. Das gab es früher nicht.“

Doch von Befindlichkeiten zurück zur sportlichen Situation. Herzig hat klare Vorstellungen, was in seiner Mannschaft anders werden muss, um noch möglichst weit nach oben zu kommen. „Wir müssen in der Defensive wieder stabiler werden, die Null muss stehen, dafür verzichte ich gerne auch auf manche Offensiv-Aktionen“, sagt der Trainer, „außerdem müssen wir das Zusammenspiel und die Chancenverwertung verbessern. Ich hoffe natürlich auch, dass die Führungsspieler gesund bleiben und vorangehen – und dass sich einige unserer jungen Leute steigern und durchbeißen, den Sprung zu den Männer wirklich schaffen, wo es körperlich ganz anders zur Sache geht. Daran arbeiten wir.“

In der vergangenen Saison landete der SV Mügeln-Ablaß auf Rang vier und machte vor allem mit zwei furiosen Remis (2:2, 4:4) gegen den damaligen Spitzenreiter Radefelder SV auf sich aufmerksam, der auch dadurch noch Meisterschaft und Aufstieg verspielte. Alexander Herzig hätte nichts dagegen, wenn seine Mannschaft wieder ähnliche Achtungszeichen setzt. Allerdings glaubt er nicht, dass die erneut klar vorn liegenden Radefelder noch einmal derart einbrechen: „Ich denke, diesmal kriegen sie es über die Bühne. Aber im Fußball weiß man nie...“

Tief im Verein verwurzelt

Den Trainerwechsel beim Derby-Rivalen Wacker Dahlen hat er verfolgt. „Irgendwas hat da mit Enrico Ueberschär nicht mehr gepasst“, vermutet Alexander Herzig und mag nicht ausschließen, dass es ihm selbst irgendwann beim SV Mügeln-Ablaß genauso geht. Aber eines ist für ihn klar: „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Verein und werde ihm treu bleiben – egal in welcher Position. Es muss ja nicht Trainer bei der ersten Männermannschaft sein, es gibt ja auch den Nachwuchs.“ Schließlich spielt Herzigs Sohn Gregor auch Fußball. Der Neunjährige pendelt zwischen zwei Nachwuchsteams und zwei Leidenschaften. Mal ist er Torwart, mal Feldspieler. Und vielleicht wird der Papa mal sein Trainer.

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