Jan Frodeno ist der König des Ironman. Der Deutsche gewann das Rennen im vergangenen Jahr - und will es auch 2017 wieder gewinnen. Jan Frodeno ist der König des Ironman. Der Deutsche gewann das Rennen im vergangenen Jahr - und will es auch 2017 wieder gewinnen. © imago
Jan Frodeno ist der König des Ironman. Der Deutsche gewann das Rennen im vergangenen Jahr - und will es auch 2017 wieder gewinnen.

Mythos Ironman auf Hawaii: „Das ist die absolute Hölle“

Es ist eines der härtesten Rennen der Welt: Und doch zieht der Ironman auf Hawaii jedes Jahr Tausende Sportler in seinen Bann. Eine Annäherung an einen Mythos.

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In aller Herrgottsfrühe ertönt am kleinen Dig Me Beach in der Bucht von Kailua-Kona am Sonnabend endlich jenes laute Signal, auf das rund 2000 Triathlon-Enthusiasten das ganze Jahr hingearbeitet haben. Für das sie keine Kosten und Mühen gescheut haben, um sich dieser mythenbehafteten Herausforderung zu stellen. Mit einem donnernden Kanonenschuss zwischen dem Pier des 12 000-Einwohner-Städtchens und dem einstigen Königspalast von Hawaii wird der legendäre Ironman gestartet.

Es ist eines der härtesten Rennen der Welt: 3,86 Kilometer Schwimmen durch die ungnädigen Wellen des aufgewühlten Pazifiks, 180 Kilometer Radfahren durch die flirrende Lavawüste mit den tückischen Mumuku-Winden und 42,195 Kilometer Laufen über den glühenden Asphalt. Rund 200 Ärzte sind in Kailua-Kona vor Ort. Vor allem die Hitze macht den Athleten zu schaffen, die während des Rennens rund vier Prozent ihres Körpergewichts und bis zu 11 500 Kalorien verbrauchen.

Der Ironman Hawaii – Bilder der Qualen, Bilder der Freude

"Wenn es sehr lange geradeaus geht, beginnt das Nachdenken"

„Am Anfang ist der Kopf noch frisch“, hat Sebastian Kienle, der Sieger von 2014, den spektakulären Dreikampf mal beschrieben. Aber spätestens auf dem Rad, „wenn es sehr lange geradeaus geht, und es abseits davon nicht viel anzuschauen gibt als nur die Lavawüste, beginnt das Nachdenken“. Kienle spricht von „mentaler Ermüdung. Man denkt: Wie lange ist denn noch?“ Gerade beim Laufen. Da komme irgendwann die Phase, in der man gar nichts mehr denken dürfe, weil der Körper so überlastet sei. „Nur Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation.“

Hier lesen: Ironman Hawaii - Das härteste Rennen der Welt!

Aber wer sich einmal auf die Langstrecke wagt, will sich dieser ultimativen Herausforderung stellen, die Titelverteidiger Jan Frodeno als „das Wimbledon unseres Sports“ beschreibt. Als Olympiasieger auf der Kurzdistanz 2008 rümpfte der 36-Jährige noch die Nase. Ein Ironman sei ihm nicht dynamisch genug und nur etwas für gescheiterte Kurzstreckler. Was für ein Trugschluss! Der in Köln geborene Kosmopolit änderte seine Meinung, als er auf Hawaii zum ersten Mal selbst die besondere Atmosphäre einsaugte.

Iron Man Hawaii: Jan Frodeno will das WM-Triple!

Top, die Wette gilt!

Heute ist die Anziehungskraft stark wie nie. Dabei fing alles vor knapp drei Jahrzehnten eher launig an. Mit einer Wette zwischen drei Marine-Offizieren: In einer Matrosenkneipe in Pearl Harbor stritten die Herren, ob denn noch der Waikiki Rough Water Swim, das Radrennen rund um die Insel Oahu oder der Honolulu Marathon härter seien. Am besten, man macht alle drei hintereinander – das war die zündende Idee, der heute Heerscharen von Abenteurern des Ausdauersports nacheifern. Ironman-Legende Mark Allen hat einmal über den Mythos Hawaii gesagt: „Es ist eine Parade von Tausenden, die in der Form ihres Lebens sind.“ Bei der ersten Auflage am 18. Februar 1978 benötigte der US-Amerikaner Gordon Haller elf Stunden, 46 Minuten und 56 Sekunden. Heute würden sich nicht mal mehr die meisten Altersathleten damit qualifizieren.

Wer bis nach Kona kommen will, muss Beruf und Familie fast bedingungslos dem Hobby unterordnen, das mit professioneller, ja manischer Hingabe betrieben wird. Es ist ein Abgleiten in eine Parallelwelt des Extremsports. Sich von morgens bis abends, Tag für Tag darauf einlassen. Nirgendwo wird deutlicher als auf Big Island, worum es bei einem Ironman geht: der Demonstration an sich selbst, der Naturgewalt zu trotzen. Allein der enorme Trainingsaufwand eint diese Gemeinde, die nur allzu gerne ihre Körper (oder auch ihr Material) zur Schau stellt. Allein die Rennmaschinen der meisten Eisenmänner und -frauen kosten ein kleines Vermögen.

Auch wenn den Athleten jegliche Form der Verpflegung am Streckenrand zur Verfügung gestellt wird, kommt es jedes Jahr zu Verletzungen, Krämpfen und Dehydrierungen. Rund 200 Ärzte stehen während eines Ironmans auf Hawaii bereit. Auch wenn den Athleten jegliche Form der Verpflegung am Streckenrand zur Verfügung gestellt wird, kommt es jedes Jahr zu Verletzungen, Krämpfen und Dehydrierungen. Rund 200 Ärzte stehen während eines Ironmans auf Hawaii bereit. © dpa

"Ich habe noch nie so gelitten, das ist die absolute Hölle"

Der Triathlon ist zu einer Bewegung geworden, die ein Milliardengeschäft in Gang bringt. Rund 2,5 Millionen sollen es weltweit sein, die fast 3 Milliarden Euro in den Markt pumpen. Für Bekleidung, Reisen, Trainingslager, Fahrräder – und nicht zuletzt auch die horrenden Teilnehmergebühren. Der längst wieder ausverkaufte Ironman Frankfurt 2018 kostet 640 Euro Gebühr plus acht Prozent Bearbeitungsgebühr. Auch die Erstauflage des Ironman Hamburg in diesem Jahr war ausgebucht.

Als Jan Frodeno vergangenes Jahr nach 8:06:30 Stunden fast apathisch ins Ziel lief, sprach er hinterher von einer Parallelwelt, in der er sich befunden habe: „Ich habe noch nie so gelitten, das ist die absolute Hölle.“ Aber, sagte er kürzlich: „Es ist das, was ich am liebsten mache.“

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