26. Januar 2018 / 20:13 Uhr

Nach dem Aus bei der Handball-EM: Sind die Risse noch zu kitten?

Nach dem Aus bei der Handball-EM: Sind die Risse noch zu kitten?

Jens Kürbis
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Die Stimmung im deutschen Handball-Lager ist angespannt - zwischen Coach und Mannschaft passt es offenbar nicht.
Die Stimmung im deutschen Handball-Lager ist angespannt - zwischen Coach und Mannschaft passt es offenbar nicht. © imago/dpa/Montage
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Das Verhältnis zwischen der deutschen Handball-Nationalmannschaft und Bundestrainer Christian Prokop scheint zerrüttet. Vor dem Spanien-Spiel soll es zum Eklat gekommen sein.

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Bei Deutschlands Handballern hängt nach dem EM-Aus der Haussegen schief. Ist der Riss zwischen Mannschaft und Trainer noch zu kitten? Für neue Unruhe sorgt ein Vorfall, der jetzt publik gemacht wurde. Bundestrainer Christian Prokop hat nach SPORTBUZZER-Informationen das Abschlusstraining vor dem entscheidenden Spiel gegen Spanien (27:31) vorzeitig verlassen. Was war passiert? In der kleinen Halle neben dem Teamquartier in Sveti Martin hatte die Mannschaft ihr Warm-up. Doch das Training lief nicht gut. Prokop vermisste bei den Spielern die Fokussierung. Als Finn Lemke einen Konter per Aufsetzer über das Tor setzte, hatte er genug, verließ wütend die Halle. Abgang kurz vor Trainingsende.

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Spieler sind genervt

DHB-Vizepräsident Bob Hanning bezeichnete das Abbruchszenario als „nicht korrekt“. Dass das Training nicht gut gelaufen, der Bundestrainer unzufrieden gewesen sei, bestätigte er aber. Abbruch oder nicht – darüber lässt sich streiten. Der Vorfall unterstreicht allerdings das Bild der EM-Tage in Kroatien, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft nicht stimmt. Spieler erzählten (nicht öffentlich), dass sie sich als gestandene Profis vom international unerfahrenen Trainer, seiner Detailversessenheit, genervt fühlten, dass sie im Training Spielzüge wie C-Jugendliche zigmal wiederholen mussten, dass der Spaß abhandengekommen sei.

DHB-Präsident fordert "Lösungen"

Wie geht es weiter? „Wir stellen alles auf den Prüfstand“, sagte Hanning. „Dazu gehört auch, dass ich mich als Erstes selbst hinterfrage. Ich stelle mich der Verantwortung.“ Denn Prokop ist sein Wunschtrainer. Der Verband hat erstmals Ablöse hingeblättert, und dann gleich 500 000 Euro. Eine Demission Prokops ist für Hanning keine Option. Auch die Mannschaft müsse sich hinterfragen. „Fakt ist“, so Hanning, „wir haben keine wirkliche Leadership. Ich frage mich auch: Warum geht die Geschichte über das Abschlusstraining so raus?“ Im „Aktuellen Sportstudio“ (ZDF) will er sich dazu heute äußern.

Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann stellt sich hinter Prokop. Das EM-Aus sei kein Grund für eine Absetzung. „Jeder neue Trainer hat die Chance, sich auszuprobieren“, sagte Michelmann dem SPORTBUZZER. Er wisse, wie schwer es ist, „wenn da ein Trainer kommt mit neuen Vorstellungen, auf eine Mannschaft trifft, die erfolgreich war und von sich überzeugt ist“. Michelmann hält die Mannschaft in Teilen sogar für überbewertet. „Wenn du Position für Position durchgehst, gibt es immer drei, vier Mannschaften, die besser sind als wir. Es bringt nichts zu lamentieren, dass wir keinen Weltklasse-Mittelmann haben. Lösungen müssen her.“ Prokop werde deshalb Zeit gegeben. „Er hat einen Reiz gesetzt, jetzt müssen wir weiter an Stellschrauben drehen.“ Es gelte, einen Mittelweg zwischen der Philosophie des Trainers und den Vorstellungen der Spieler zu finden. Bereits am kommenden Freitag am Rande des All-Star-Games in Leipzig soll darüber gesprochen werden.

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Prokop ist für Michelmann ein Bundestrainer auf Bewährung: „Zur Heim-WM 2019 muss er liefern. Das ist so klar wie banal. Jeder hat einen Schuss frei, aber wir sind kein Truppenübungsplatz.“ Die WM 2019, die sich Deutsche und Dänen teilen, sei wichtig für den Handball in Deutschland. „Da haben wir auch die Chance, erstmals finanziell richtig Plus zu machen.“ Michelmann rechnet mit ausverkauften Arenen in den Spielorten des DHB-Teams. Das spielt die Vorrunde in Berlin, die Hauptrunde in Köln und beim Weiterkommen das Halbfinale in Hamburg. Das Finale steigt im dänischen Herning. Als vierter Spielort bleibt München – ohne deutsche Beteiligung. Um die bayrische Handball-Diaspora zu beleben, plant der DHB in München im WM-Vorfeld „mehr als nur ein Länderspiel, auch ein Tag des Handballs ist denkbar“. Zukunftsmusik. Der DHB muss erst einmal die Probleme der Gegenwart lösen, um bei der Heim-WM um die Medaillen mitspielen zu können. Ein abermaliges Debakel würde die Sportart um Jahre zurückwerfen.

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