Champions League um jeden Preis für alle? Imre Grimm und Sebastian Harfst haben unterschiedliche Ansichten. Champions League um jeden Preis für alle? Imre Grimm und Sebastian Harfst haben unterschiedliche Ansichten. © imago/Montage
Champions League um jeden Preis für alle? Imre Grimm und Sebastian Harfst haben unterschiedliche Ansichten.

Nach dem Verlust der Champions-League-Rechte: Sport um jeden Preis im Free-TV?

Das ZDF hat den Wettstreit um die Champions League verloren. Der nächste Nackenschlag für die Öffentlich-Rechtlichen. Was ist der Sport wert? Ein Pro und Kontra zum Thema der TV-Übertragungen.

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Die Fußball-Champions-League im frei empfangbaren Fernsehen? Ab der Saison 2018/2019 nur noch schöne Erinnerung. Olympische Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Ab den Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang erst mal Geschichte.

Das ZDF hat mit dem Verlust der Übertragungsrechte an der Fußball-Königsklasse den nächsten Rückschlag einstecken müssen. Bis 2021 gibt es die Topstars des europäischen Fußballs nur noch gegen Bezahlung bei Sky und/oder der Streamingplattform DAZN zu sehen – was sich die Unternehmen wohl mehrere Hundert Millionen Euro kosten lassen; Geld, das die Uefa einsteckt. Zuvor hatte der europäische Fußballverband in Großbritannien nach übereinstimmenden Medienangaben einen Rekordvertrag über 1,2 Milliarden Pfund (1,38 Milliarden Euro) mit BT Sports abgeschlossen.

Neue Hoffnung: Champions League doch im Free-TV?

„Europäischer Spitzenfußball wird zu einem exklusiven Angebot für deutlich weniger Zuschauer als bisher“, beklagt ZDF-Intendant Thomas Bellut. „Wir hätten unseren Zuschauern gern auch über 2018 hinaus die Livespiele der Champions League gezeigt. Deshalb hat das ZDF ein sehr gutes Angebot abgegeben. Als beitragsfinanzierter Sender gab es dafür allerdings eine klar definierte Obergrenze.“ In der nächsten Saison darf sein Sender immerhin noch 18 Spiele der Champions League zeigen.

Geht es im Fußball nur noch ums Geld? Frank Steffel, CDU/CSU-Obmann im Bundestagssportausschuss, sagt: „Wer internationale Topstars will, muss diesen finanziellen Wahnsinn mitgehen oder abschalten.“ Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zeigte sich nicht überrascht von der Vergabe der Rechte an Sky und DAZN: „Natürlich sind das kommerzielle Aspekte.“

Die wichtigsten Antworten zum Champions-League-Aus im ZDF

Sky kann sich für einen Coup feiern lassen. Der Pay-TV-Sender bekommt Exklusivität und hat mit dem Deal einen neuen Konkurrenten eingebunden. Das Streamingportal DAZN ist Sublizenznehmer.

Nächster Dämpfer für die Öffentlich-Rechtlichen: Die Qualifikation zur WM wird mittlerweile von RTL übertragen. ZDF und ARD verloren auch die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele. Ab den Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang sendet Eurosport. „Die größten Momente und die deutschen Medaillenentscheidungen werden bei Eurosport im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein“, verspricht der Sender.

Sport kostet halt

Redakteur Sebastian Harfst Redakteur Sebastian Harfst © Philipp von Ditfurth

Hach, war das schön. In Madrid fiel 1998 ein Tor um, bei RTL versuchten Günther Jauch im Studio und Marcel Reif in der Reporterkabine die Zeit rumzukriegen, bis es wieder stand. 76 Minuten lang witzelten sie sich bis zum Bayerischen Fernsehpreis. Und kommentierten anschließend noch das Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund.

Kult in der deutschen Fernsehgeschichte. Wärmflasche fürs deutsche Sportkollektiv. Und leider im Bezahlfernsehen undenkbar. Denn dort wird der Sport-TV-Genuss zur elitären Veranstaltung, die man sich leisten können muss. Für kollektive Gänsehaut ist das zu wenig.

Ein grundlegendes Problem entsteht, wenn dem Sport durch fehlende mediale Präsenz die großen Geschichten und Idole zum Nacheifern ausgehen. Schon jetzt klagen viele olympische Sportarten über ausbleibenden Nachwuchs. Dabei könnte Sport – vor allem im Mannschaftsverbund – der Individualisierung in unserer Gesellschaft entgegenwirken.

Und was kostet es erst, wenn Kinder Sport nicht mehr als nachahmenswert begreifen? ARD und ZDF hätten sich den Sport deswegen mehr kosten lassen sollen. Geld genug haben sie ja.

Nicht jeden Mondpreis zahlen

Redakteur Imre Grimm Redakteur Imre Grimm ©

Hach, war das schön. Harry Valérien. Olympia in Lillehammer. Der Wolf von Sarajevooooo. Natürlich macht es warm ums Herz, sich an öffentlich-rechtliche Sportsternstunden zu erinnern. Kollektiverlebnisse des Herzens. Aber machen wir uns nichts vor: Diese seligen Zeiten sind vorbei. Leider. Auf dem entfesselten Rechtemarkt geht es um irrwitzige Summen. Die neuen Anbieter – DAZN, Discovery – sind milliardenschwere Hasardeure.

Es ist richtig, dass ARD und ZDF nicht jeden Mondpreis zahlen. Es ist richtig, sich nicht erpressbar zu machen. Sie sind bis an die finanzielle Schmerzgrenze gegangen, aber sie verwalten öffentliches Geld. Ihres und meins. Wer klagt, dass Olympia und Champions League ins Free-TV gehören, würde zu Recht protestieren, wenn dafür der Rundfunkbeitrag stiege. 8,1 Milliarden Euro pro Jahr müssten doch reichen? Mit ein bisschen Sparen müsste Olympia doch drin sein? Nicht bei den absurden Summen, die Fifa, IOC und Uefa kassieren.

Der Trost: Niemand unterschätze die Macht des Zuschauers. Der Sport wird spüren, was er davon hat, zum Exklusiverlebnis für Betuchtere zu werden. Als Luxusevent taugt er nicht. Wer das nicht versteht, ist vielleicht kurzfristig reicher, aber langfristig dümmer.

Fussball Bundesliga Champions League FC Bayern München (Herren) Borussia Dortmund (Herren) RB Leipzig (Herren) TSG 1899 Hoffenheim (Herren)

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