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Nach Pleite gegen Fortuna Köln: Panik bei Eintracht Braunschweig

Alex Leppert
Stephan Fuerstner und Henrik Pedersen hoffen auf eine Trendwende bei Eintracht Braunschweig. © Matthias Kern/Getty

Das Entsetzen nach der 0:2-Pleite gegen Fortuna Köln ist groß: Spielt Eintracht Braunschweig in der 3. Liga etwa gegen den Abstieg? Trainer Henrik Pedersen hat "großes Vertrauen" in seine Jungs.

Das war mal so richtig ernüchternd: Nach dem 0:2 gegen Fortuna Köln herrschte im Stadion von Eintracht Braunschweig Fassungslosigkeit. Der Fußball-Drittligist hatte eher wie ein Abstiegs- als ein Aufstiegskandidat gespielt. Nun ist die Panik im Umfeld groß.

​Ein "großer Rückschritt"

Das Team von Trainer Henrik Pedersen steht mit drei Zählern aus fünf Partien auf dem vorletzten Platz. Spielt Ihre Mannschaft nun etwa gegen den Abstieg, Herr Pedersen? Der Däne will auf diese Frage angesichts der begrenzten Aussagekraft der aktuellen Tabelle eigentlich gar nicht antworten. Dann sagt er aber doch: „Wenn wir einige Spiele gewinnen, werden wir nicht sofort aufsteigen. Und nach ein paar Niederlagen werden wir nicht sofort absteigen.“

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Die Noten der Eintracht-Spieler gegen Fortuna Köln:

Marcel Engelhardt: Zu Beginn mit Licht (gute Paraden) und Schatten (schlechte Faustabwehr, zu kurze Pässe). Beim 0:1 machtlos. Note: 4.
David Sauerland: Schaltete sich als Rechtsverteidiger häufig mit in den Angriff ein, hatte dabei aber teilweise auch gefährliche Ballverluste. Störte Torschütze Schiek beim 0:2 nicht. Note: 5. © imago/Eibner
Frederik Tingager: Rückte, nachdem er im Pokal geschont worden war, zurück in die Startelf. Als seine blutende Kopfwunde behandelt werden musste, fiel das 0:1. Musste in der 40. Minute dann ganz raus. Note: 3. © imago/Hübner
Gustav Valsvik: War beim 0:1 viel zu passiv, verhinderte auch die Flanke zum 0:2 nicht. Ansonsten kopfballstark wie eh und je – allerdings nicht bei eigenen Standards. Note: 4,5. © imago/Zink
Niko Kijewski: Nahm auf der linken Abwehrseite den Platz des gesperrten Malte Amundsen ein und beschränkte sich vor allem vor der Pause fast ausschließlich aufs Verteidigen. Das gelang solide. Note: 4. © Frank Molter/dpa
Mergim Fejzullahu: Der Albaner spielte etwas überraschend an Stelle von Ivan Franjic – und das zugleich zum ersten Mal in dieser Drittliga-Saison von Beginn an. Ließ Spielwitz aufblitzen, mehr aber auch nicht. Zudem arbeitete er nach hinten nicht gut mit. Note: 5. © imago/Picture Point LE
Stephan Fürstner: Im Pokal hatte der Kapitän gesperrt aussetzen müssen, gegen Köln war er wieder als Sechser an Bord. Insgesamt okay, holte sich nah einem Frustfoul eine Gelbe Karte ab (45.+3). Note: 4. © imago
Jonas Thorsen: Hatte erneut viele Ballverluste. Setzte nach vorn zunächst praktisch keine Impulse, gehörte in der zweiten Hälfte dann aber mit vielen klugen Zuspielen zu den Besten. Note: 3,5. © Alex Leppert
Leandro Putaro: Spielte diesmal auf der rechten Angriffsseite, kam dort als reiner Linksfuß aber nicht gut klar. Hätte bei einem Konter in der 18. Minute abschließen müssen. Am Ende Stürmer. Note: 5. © Peter Steffen/ dpa
Philipp Hofmann: Mühte sich vor allem in den Zweikämpfen nach allen Regeln der Kunst. Versprühte auch mangels Vorlagen aber nur selten Torgefahr. Note: 4,5. © imago/Hübner
Onur Bulut: Wie in der Schlussphase gegen Hertha Linksaußen. Machte einen etwas besseren Eindruck als Putaro, setzte sich aber auch nicht entscheidend durch. Note: 4,5. © Peter Steffen/ dpa
Felix Burmeister: Kam in der 40. Minute für den verletzten Tingager. Hatte in der 45. Minute etwas Glück, dass seine Rettungsaktion gegen Yeboah nicht als Foul und damit als Notbremse gewertet wurde. Note: 4. © Peter Steffen/ dpa
Ivan Franjic: Kam in der 63. Minute, als es bereits 0:2 stand. Note: 4. © Rose/Bongarts/Getty Images
Ahmet Canbaz: Wurde in der 74. Minute als zusätzliche Offensivkraft gebracht. Ohne Note. © imago/Zink

Für Pedersen liegt die Ursache für die Niederlage und über weite Phasen trostlose Vorstellung vor allem in den Köpfen der Spieler. „Wir sollten aufhören, Erwartungen zu haben in der Form, dass wir gewinnen, nur weil wir vorher gut gespielt haben“, sagt der 40-Jährige und ergänzt mit Blick auf die völlig verpatzte Anfangsphase: „Wenn Menschen unsicher werden, werden sie passiv. Und dann kümmern sie sich nur noch um sich selbst. Jeder hat allein gespielt.“

Schönreden will der Eintracht-Coach ganz sicher nichts. Er sagt auch: „Es ist der erste Rückschritt, seitdem wir angefangen haben – und es war kein kleiner, sondern ein großer Rückschritt.“ Und weiter: „Ich habe die Mannschaft zum ersten Mal nicht richtig wiedererkannt. Wir waren weit weg von unserer Basisleistung.“

​"In blinden Aktionismus zu verfallen bringt nichts.“

Auch Kapitän Stephan Fürstner ist selbstkritisch: „Uns haben gegen einen so tiefstehenden Gegner einfach die Ideen gefehlt, wir haben keine Lösung gefunden.“ Einen Grund, vom bisherigen Konzept abzuweichen, sieht er aber nicht: „Die Marschroute haben wir uns festgesetzt – und dabei bleiben wir auch. Das muss man auch ergebnisunabhängig machen. Man muss sich eine Identität, eine Philosophie erspielen.“

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Fürstner, mit 30 Jahren zugleich der Älteste im Kader, erteilt allen, die jetzt radikale Lösungen verlangen, eine klare Absage: „Wir müssen ruhig bleiben. In blinden Aktionismus zu verfallen bringt nichts.“ Und in Richtung Zuschauer: „Es ist nachvollziehbar, dass die Fans ihren Unmut äußern. Nichtsdestotrotz müssen wir zusammenstehen. Wir brauchen die Fans, um über uns hinauszuwachsen. Das geht nur gemeinsam.“

Die Kader-Gemeinschaft wird wahrscheinlich bald größer: Bis zum Transferschluss am Freitag soll noch eine Offensivkraft kommen, die finalen Gespräche laufen. Doch auch so ist Pedersen weit davon entfernt, die Qualität der Mannschaft in Frage zu stellen. „Ich habe großes Vertrauen in meine Jungs“, sagt er. Viele im Umfeld haben dies nicht mehr uneingeschränkt. Siege wären das beste Argument, zumindest erst mal jegliche Abstiegsangst schon im Keim zu ersticken.

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Die Eintracht im Check: Was läuft gut, wo sind die Probleme?

Der Saisonstart war durchwachsen, bei der Eintracht gibt es noch einige Baustellen. Aber auch viele positive Punkte, auf denen aufgebaut werden kann. © imago/Picture Point LE
Spielidee: Trainer Henrik Pedersen setzt auf Aggressivität und Tempo. Nach gut zwei Monaten sieht das bei der neu zusammengestellten Truppe mittlerweile immer besser aus. Wenn's läuft, macht diese richtig Eintracht Spaß. © imago/Picture Point LE
Defensive Stabilität: Vor allem bei Pässen in die Schnittstellen zwischen Innen- und Außenverteidigern ist die Abwehr der Blau-Gelben zu anfällig. Die gefährlichen Ballverluste im Aufbau wurden hingegen bereits reduziert. Zudem ist Torwart Marcel Engelhardt noch nicht der Strafraum-Chef bei hohen Bällen. © imago/Picture Point LE
Frische Gesichter: Mit Ivan Franjic hat Braunschweig schon jetzt den ersten Shooting Star. Der frühere Halberstädter, laut Pedersen ein „Straßenfußballer“, überzeugt durch Unbekümmertheit und Technik. Auch die junge Außenverteidiger David Sauerland und Malte Amundsen sind Bereicherungen. © imago/Picture Point LE
Zu wenig Chancen: Oft fehlt nur ein bisschen, damit ein Angriff mit einer richtigen Chance endet. Zurzeit arbeitet Pedersen zum Beispiel daran, mehr Offensivkräfte in den Strafraum zu bekommen. Von Stürmer Hofmann etwa erwartet er, dass der pro Spiel gut einen Kilometer mehr laufen soll, um mehr Präsenz vor dem Tor zu haben. © imago/Picture Point LE
Führungsspieler: Stephan Fürstner geht ebenso voran wie Felix Burmeister, der seine Formkrise offenbar überwunden hat. Auch die dagebliebenen Philipp Hofmann und Onur Bulut übernehmen jetzt viel mehr Verantwortung. Diese beiden gehören von den Fähigkeiten her zudem zu den besten Offensivspielern der Liga. © imago/Picture Point LE
Bank: Im Kader stehen eigentlich immer dieselben knapp 20 Mann, der Rest scheint ohne Chance zu sein. Aber auch die eingewechselten Reservisten brachten bisher selten einen positiven Effekt – trotz des schönen Tores vor Mergim Fejzullahu gegen Hertha. Vor allem vorn fehlen echte Alternativen. © imago/Picture Point LE
Leandro Putaro: Die Offensiv-Nachverpflichtung zeigte beim Debüt gegen Hertha, dass er eine Verstärkung auf Linksaußen sein kann. Dort spielten zuvor der nicht überzeugende Ahmet Canbaz und Malte Amundsen. Der ist aber „als Linksverteidiger eingeplant“, sagt Pedersen. © imago/Picture Point LE
Punktausbeute: Drei Unentschieden, eine Niederlage – das ist zu wenig. Gegen Köln muss am Sonntag unbedingt ein Sieg her. Egal wie. © imago/Picture Point LE
Stimmung: Nach dem katastophalen Ende der Abstiegssaison bekam die fast komplett neue Truppe Kredit und wird von den Fans lautstark unterstützt – auch wenn es nicht so läuft. Denn jeder erkennt, dass die Einstellung stimmt. Und es gibt mitunter durchaus schönen Fußball zu sehen. © imago/Picture Point LE
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