09. März 2018 / 16:03 Uhr

Nach Schlaganfall des Präsidenten : Beim FC Grimma brennt es an vielen Ecken und Enden – Vize übernimmt die Arbeit

Nach Schlaganfall des Präsidenten : Beim FC Grimma brennt es an vielen Ecken und Enden – Vize übernimmt die Arbeit

Frank Prenzel
Frank Weike (r.), 2. Vorsitzender des FC Grimma, informiert die Mitglieder zum Schlaganfall des Präsidenten. Links neben ihm: Schatzmeister Maik Stange.
Frank Weike (r.), 2. Vorsitzender des FC Grimma, informiert die Mitglieder zum Schlaganfall des Präsidenten. Links neben ihm: Schatzmeister Maik Stange. © Frank Prenzel
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Nach dem schweren Schlaganfall des Präsidenten des FC Grimma, Egon Pape, steckt der Verein in einer Krise. Der 2. Vorsitzende, Frank Weike, schenkte den Mitgliedern zur jetzigen Versammlung reinen Wein ein, betonte aber auch, dass der Verein nicht gelähmt sei. Dennoch fehlt momentan das Wissen, über das Pape verfügt – und es klafft ein Loch im Haushalt.

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Grimma. Es traf die Führungsriege des Fußballclubs Grimma wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Beim winterlichen Aufenthalt auf seinem Anwesen in Florida erlitt FC-Präsident Egon Pape am 4. Januar einen schweren Schlaganfall. Erst Mitte Februar konnte er wieder nach Sachsen gebracht werden, wo er derzeit in einer Spezialklinik behandelt wird.

Der 66-Jährige ist handlungsunfähig, nach den Worten seines Stellvertreters Frank Weike (48) schreitet die Genesung zum Glück rasch voran. Pape sei voriges Wochenende sogar kurz zu Hause in Grimma gewesen und könne eventuell Ende März für die Reha aus der Klinik entlassen werden.

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Wichtige Unterlagen fehlen

Im Verein brennt es deshalb an allen Ecken. Die Erkrankung des umtriebigen Präsidenten fällt ausgerechnet in die Baustart-Phase der neuen Fußballplätze an der Lausicker Straße. Bauprojekt, Finanzen und Sponsoren – Pape regelte vieles im Alleingang und auch per Handschlag. Und die FC-Unterlagen, ob Förderanträge oder Verträge, liegen wohl verwahrt und derzeit unerreichbar in seinem Tresor. Viele Antworten auf brennende Fragen kennt nur Pape.

Vize Weike ist aber guten Mutes, die Papiere bald in der Hand halten zu können und mit dem Vereinschef aufzuarbeiten. Pape habe fast alles allein geschultert, sagt er, das erweise sich nun in dieser für alle unerwarteten Situation als wenig günstig. „Uns fehlen momentan rund 90 Prozent der Informationen.“

Zur Mitgliederversammlung Donnerstagabend redete der 2. FC-Vorsitzende Klartext. Er gab aber auch unmissverständlich zu verstehen: „Der Verein ist nicht gelähmt“, er habe keine Darlehen und keine Bürgschaften der Stadt. „Wir stehen nicht vor einem riesen Chaos“, konterte Weike diverse Gerüchte  in der Stadt. Allerdings klafft derzeit ein Loch im Finanzplan von rund 50 000 Euro für den Bau und die laufenden Kosten. Neben stehenden Verträgen habe Pape Sponsoren an der Angel, so Weike gegenüber der LVZ, von denen nur er Kenntnis habe.

Während der Mitgliederversammlung des FC Grimma, in der zum Schlaganfall des Präsidenten informiert wird.
Während der Mitgliederversammlung des FC Grimma, in der zum Schlaganfall des Präsidenten informiert wird. © Frank Prenzel
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Auch die Anträge für die Fördergelder lägen beim Präsidenten. Der Verein wird an der Lausicker Straße den Kunstrasen-Kleinfeldplatz und die Flutlichtanlage aus eigenen Kräften bauen. Die Stadt errichtet mit Hilfe von Flutgeldern und des Grundstückserlöses für den Rewe-Markt den Rasen- und den Kunstrasenplatz sowie das Funktionsgebäude. Oberbürgermeister Matthias Berger spricht von einer Investition von vier Millionen Euro.

Der Verein kalkuliert mit 80.000 Euro für seinen Platz. Nach Ostern sollen die Bagger an der Lausicker Straße anrücken, deshalb müssten noch im März die Ausschreibungen und Vergaben erfolgen. Im Juni 2019 soll die Anlage stehen.

Weike übernimmt Arbeit bis zur Neuwahl

Pape wollte zwar zur turnusmäßigen Vorstandswahl Mitte dieses Jahres in die zweite Reihe treten, aber den Bau des neuen Stadions weiter federführend begleiten. Weike kündigte an, nun bis zur Wahl das Ruder zu übernehmen und sich auch danach um Baustelle und Sponsorengelder zu kümmern.

Für ihn alles andere als einfach. Der Wurzener ist Geschäftsführer des Gruma-Automobile GmbH mit fünf Niederlassungen und rund 400 Beschäftigten. Für den Vereinsvorsitz steht der 48-Jährige nicht zur Verfügung, wie der deutlich zu verstehen gab. „Dafür habe ich keine Ambitionen.“ Derzeit ist offen, wer in Papes Fußstapfen treten könnte.

Weike beschwor den Zusammenhalt des 300 Mitglieder zählenden Fußballvereins und will die Last – im Gegensatz zur Vergangenheit – auf viele Schultern verteilen. Der Verein sei in den nächsten Wochen neu aufzustellen. In dem Zusammenhang unterstrich Weike, dass der Vorstand den Aufstieg der ersten Mannschaft in die Oberliga anstrebt und unterstützt.

Nutzung des Kunstrasens 2018 nicht sicher

Weike informierte, dass an der Lausicker Straße im Spätherbst die drei Wiesen fertig und eventuell spielfähig seien. Rathauschef Berger drückt da eher auf die Bremse. Man könne die Nutzung des Kunstrasenplatzes schon 2018 nicht garantieren. Berger bedauert Papes Unglück.

Während der Mitgliederversammlung des FC Grimma, in der zum Schlaganfall des Präsidenten informiert wird.
Während der Mitgliederversammlung des FC Grimma, in der zum Schlaganfall des Präsidenten informiert wird. © Frank Prentzel

Der Präsident sei für die Stadt immer ein engagierter, zuverlässiger und kompetenter Partner gewesen. Sein Stellvertreter müsse nun erst in die ganze Materie hineinfinden, sagte er der LVZ. Insofern sei es auch für die Stadt eine schwierige Situation.

Regelrecht grantig reagierte Berger, als zur Mitgliederversammlung Kritik aufkam, weil im Stadion der Freundschaft laut Fördermittelbescheid künftig Fußball tabu ist. Man solle dazu das Gespräch mit der Fördermittelstelle suchen, bat Wolfgang Jahn erneut und sprach auch das Problem der Bewässerung der neuen Plätze an.

Auf dem ehemaligen Kasernengelände ist der Boden kontaminiert. Es würden Zisternen gebaut, erklärte Berger, es werde bei allen Problemen funktionieren. „Wir haben die Stadt nach den Fluten zweimal wieder aufgebaut und kriegen jetzt das Stadion geschenkt. Der Rahmen ist abgesteckt, wir sollten es als Chance begreifen“, will er Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen – und freute sich über die Meinung von Trainer Daniel Wohllebe: „Wir sind froh, ein neues Stadion und einen neuen Kunstrasenplatz zu bekommen.“

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