HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne: Zieht er sich zurück? HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne: Zieht er sich zurück? © dpa
HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne: Zieht er sich zurück?

HSV-Mäzen Kühne legt nach: "Luschen bleiben hier immer hängen"

"Ich bin etwas frustriert": Unternehmer Klaus-Michael Kühne hat in einem Interview angekündigt, seine finanzielle Unterstützung des HSV zu überdenken und kritsiert offen Lasogga. "Der Flop des Jahrhunderts"

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Die Stimmung ist hitzig beim HSV. In einem Sky-Interview hat HSV-Investor Klaus-Michael Kühne erst Trainer Markus Gisdol, dann die Vereinsspitze und zuletzt Sportchef Jens Todt attackiert. Damit herrschte schon vor dem ersten Anstoß in der Liga gewaltige Unruhe bei dem seit Jahren gegen den Abstieg kämpfenden Nordclub. Der kann sich nur bedingt wehren gegen den Investor, der 17 Prozent der Anteile an der HSV Fußball-AG hält. Jetzt deutet der Mäzen in einem Interview seinen Rücktritt als Investor an!

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In einem Interview mit dem Spiegel kündigt Klaus-Michael Kühne an, seine finanzielle Unterstützung des Hamburger SC zu überdenken. "Ich bin etwas frustriert und werde wesentlich zurückhaltender sein als bisher. Ich war einfach zu unkritisch", sagt Kühne. Der HSV habe mit seiner Hilfe eigentlich noch einen Außernverteidiger für die neue Saison verpflichten wollen: "Da habe ich mich verweigert". Ob er auch in Zukunft noch Geld als Mäzen zuschießen wird, lässt er offen. "Man soll nie nie sagen. Ich halte eine neue Motivation für nicht ausgeschlossen und bin nicht dogmatisch".

Kühne: "Luschen bleiben hier immer hängen"

Und Kühne legt im Spiegel-Interview nach: "Der HSV ist ein Phänomen, weil die Luschen immer hier hängen bleiben." Der Mäzen weiter: "Ein gutes Beispiel ist Lasogga, ich weiß gar nicht, ob ich an ihm beteiligt war: Musste der nach einer halben guten Saison mit einem Fünfjahresvertrag und einem Jahresgehalt von über drei Millionen Euro ausgestattet werden? Das war Harakiri, der Flop des Jahrhunderts."

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In einem Rundumschlag hatte Club-Aktionär Kühne für Aufsehen gesorgt. Der Investor knöpfte sich Trainer, Manager und Vereinsführung vor und erklärte, was sie zu tun hätten, aber stets unterließen. Gisdol müsse «mehr mit der Mannschaft arbeiten», Clubchef Heribert Bruchhagen sei «auf der falschen Chaussee» und Sportchef Jens Todt könne nicht gut verkaufen. Da habe er «einiges zu beanstanden», monierte Kühne.

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Dafür sprang Ex-Bundesliga-Profi Hans Sarpei mit deutlichen Worten in die Bresche. «Lieber Herr Kühne, Sie sind das Problem des HSV», schrieb Sarpei dem Milliardär in einem offenen Brief, den die «Bild»-Zeitung (Freitag) veröffentlichte. «Es ist eine Schande, wie es Ihnen Jahr für Jahr gelingt, vor dem Saisonstart den HSV-Trainer oder die Führung zu degradieren», betonte Ghanas Ex-Nationalspieler. Und riet dem 80-Jährigen dringend: «Ziehen Sie sich zurück.»

Lieber Herr Kühne, Sie sind das Problem des HSV. Es ist ein Schande, wie es Ihnen Jahr für Jahr gelingt, vor dem...

Geplaatst door Hans Sarpei op donderdag 17 augustus 2017

Das kommt dem Beobachter bekannt vor. Kühne-Vorstöße hatten sich schon gegen die einstigen Trainer Mirko Slomka und Bruno Labbadia sowie Sportdirektor Oliver Kreuzer gerichtet. Kurze Zeit später waren sie alle weg. Paradox: Ein Verein, der um Ruhe und Kontinuität auf den entscheidenden Posten geradezu fleht, schaufelt sich seine Gruben selbst, in die er regelmäßig stürzt. Fatal ist, dass es zu den Kühne-Finanzen keine Alternative gibt. Bislang dürfte er rund 50 Millionen Euro in den Verein gesteckt haben.

Gisdol und Bruchhagen behalten bei den Kühne-Vorstößen Contenance, wohl wissend, dass sie den größten Geldgeber des HSV nicht verärgern dürfen. «Das finde ich gar nicht schlimm. Ich verstehe seine Sorgen», sagte Gisdol. Bruchhagen merkte zumindest an, dass sich Kühne «nicht alle Dinge» darstellen würden, die man beachten müsse. Wenn sie dürften, wie sie wollten, würden sich die Antworten wohl anders anhören.

In dieser wenig motivierenden Atmosphäre soll die Mannschaft mit einem Sieg gegen Augsburg zur Beruhigung der Lage beitragen. «Wir werden am Samstag eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen», versicherte Gisdol. Gemeint sind aber nicht andere Gesichter, sondern die Einstellung des Teams. Gisdol, der am Montag Konsequenzen angekündigt hatte, diese später aber relativierte, wunderte sich über den öffentlichen Aufschrei nach der Pokal-Pleite in Osnabrück.

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«Die Dynamik nach einer Niederlage ist schon einzigartig», meinte er und formulierte an seinem 48. Geburtstag am Donnerstag einen Wunsch: «Dass wir den Pessimismus, der sich stark mit unserem Club verbunden hat, loswerden.» Stattdessen forderte er «Zuversicht und Freude mit mehr Lächeln». Derzeit ist den HSV-Fans das Lachen aber vergangen. Der seit Jahren anhaltende Spießrutenlauf für ihre Lieblinge scheint kein Ende nehmen zu wollen, schon wieder ist die Stimmung im Keller.

Seit vier Jahren spielt das Team hartnäckig gegen den Abstieg. Im Wesentlichen kicken auch in dieser Saison die, die im Vorjahr der Relegation geradeso entkommen konnten. Die Neuen Rick van Drongelen und André Hahn haben Talent, müssen aber erst beweisen, dass sie Verstärkungen sind.

Ein Auftakterfolg gelang letztmals vor sieben Jahren. Damals wurde Schalke mit 2:1 besiegt. Augsburg wartet in seiner siebenjährigen Zugehörigkeit zur Eliteliga sogar noch immer auf den ersten Start-Erfolg. In den vergangenen fünf Jahren setzte es nur Niederlagen.

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