07. September 2018 / 18:59 Uhr

Deutschland spielt wieder deutsch: Mit alten Tugenden zu neuen Erfolgen

Deutschland spielt wieder deutsch: Mit alten Tugenden zu neuen Erfolgen

Heiko Ostendorp
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Matthias Ginter macht es vor: Die Nationalmannschaft kehrt zu alten Tugenden zurück
Matthias Ginter macht es vor: Die Nationalmannschaft kehrt zu alten Tugenden zurück © imago/Sven Simon
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Mit dem ansprechenden 0:0 gegen Weltmeister Frankreich ist der deutschen Nationalmannschaft ein erstes Stück WM-Wiedergutmachung gelungen. Hier und da gibt es bereits Euphorie. Die Grundtugenden sind aber andere: Disziplin, Demut - und Flexibilität.

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Als die Nationalspieler am Donnerstag kurz vor Mitternacht die Allianz-Arena in München verließen, war sie plötzlich wieder da – die Euphorie, die rund um die jahrelang so erfolgsverwöhnten DFB-Stars nach dem WM-Debakel in den vergangenen Monaten abhandengekommen schien. Dutzende Fans harrten im strömenden Regen aus und kreischten bei jedem Spieler, der in den Bus stieg.

Viele Stars nahmen sich trotz später Stunde Zeit für Autogramme und Selfies. Der erste Teil der Versöhnung mit dem eigenen Anhang war beim 0:0 gegen Weltmeister Frankreich zum Auftakt der Nations League geglückt. Es war ein Anfang, der Mut macht auf eine bessere Zukunft. Mit deutschen Tugenden will die Mannschaft von Joachim Löw nun Schritt für Schritt den Weg zurück in die Weltspitze schaffen.

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„Jeder einzelne Spieler ist an die Grenzen gegangen, auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison. Ich war absolut zufrieden mit der Einstellung, der Lauf- und Kampfbereitschaft auf dem Platz“, sagte der Bundestrainer. „Das war auch meine Erwartung an die Mannschaft, eben alles in das Spiel reinzuhauen, ein anderes Gesicht zu zeigen, um den verlorenen Kredit zurückzugewinnen. Mit dem Ergebnis und dem Spiel kann ich sehr gut leben.“

Löw begegnete der geballten Offensivpower der Franzosen um Superstar Kylian Mbappé mit einer Viererkette, die aus vier Innenverteidigern bestand – wie bei der erfolgreichen WM 2014. Davor installierte er mit Joshua Kimmich eine Art Vorstopper, einen Abräumer, der seine Aufgabe ebenso gut umsetzte, wie es Matthias Ginter und Antonio Rüdiger auf den Außenverteidiger-Positionen gelang.

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Ginter sagte im Gespräch zum SPORTBUZZER: „Wir wollten mit Körperlichkeit dagegen halten, Hurra-Fußball konnte keiner erwarten. Aber die typisch deutschen Eigenschaften, die Grundtugenden, uns früher stark gemacht haben, wollten wir wieder in die Waagschale werfen – das ist uns glaube ich ganz gut gelungen.“ Tatsächlich fehlte es weder an Willen, noch an Leidenschaft oder der richtigen Einstellung, wie es in Russland den Eindruck erweckte. All die Dinge, die bei der WM auf der Strecke geblieben waren, funktionierten gut oder zumindest besser.

Deutschland stand kompakt, hatte vor allem im Spielaufbau wenig Ballverluste, agierte in der Offensive flexibel. „Wir hatten trotzdem sehr viel Ballbesitz, das war uns klar, dass wir das Spiel machen müssen, weil sich Frankreich nicht locken lässt und mit allen Spielern in der eigenen Hälfte erwartet. Wichtig war: Stabilität in der Defensive, Räume zustellen, kompakt stehen“, analysierte Löw. Und kündigte an: „Gegen andere Mannschaften werden wieder andere Dinge gefragt sein.“

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Der große Umbruch blieb aus, keiner der drei Neulinge kam zum Einsatz. Stattdessen setzte Löw zwar auf Altbewährtes, aber in neuer Flexibilität: „Ich wollte nicht von heute auf morgen, nicht völlig radikal, junge Spieler einbauen. Hummels, Boateng dabei zu haben, war sehr wichtig. Eben Spieler mit dieser Erfahrung und Klasse. Künftig wollen wir aber auch junge Spieler einbauen. Spieler wie Sané oder Brandt müssen sich in den kommenden Wochen und Monaten in ihren Vereinen beweisen.“ Schon am Sonntag (20.45 Uhr, ARD) gegen Peru wird Löws Mannschaft wieder ein verändertes Gesicht zeigen – aber an den Tugenden festhalten.

Auffällig war zudem, wie demütig sich Spieler und Trainer nach dem guten Auftritt zeigten. Von Überheblichkeit oder Selbstgefälligkeit war keine Spur mehr zu sehen oder zu hören. „Mit einem Spiel ist nicht alles vergessen“, sagte Löw: „Wir müssen weiter gute Ergebnisse erzielen.“

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