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"Relevanter Fußball" oder "UEFA-Witz"? Pro/Contra zur neuen Nations League

Sebastian Harfst und Heiko Ostendorp
Gipfeltreffen der Stars in Liga A - Fußballzwerge in Liga D. Wie ist die Nations League nach dem 1. Spieltag einzuschätzen? Sebastian Harfst und Heiko Ostendorp liefern sich ein Pro/Contra-Duell. © Getty Images

Tschüss Freundschaftsspiele, hallo Nations League! Der erste Spieltag des neuen Länderspiel-Wettbewerbs ist Geschichte. Im SPORTBUZZER diskutieren Sebastian Harfst und Heiko Ostendorp über den Wert der Nations League. Wie seht ihr es? Stimmt ab!

Für die einen taugte der erste Spieltag der umstrittenen Nations League zum Wundenlecken nach dem WM-Desaster – das galt neben Spanien ansatzweise auch für Deutschland. Bei anderen ging die Depression nach der verpassten WM-Qualifikation weiter – wie in Italien und den Niederlanden. Und wieder andere erwachten unsanft aus ihrer WM-Euphorie. Es bleibt: ein Wettbewerb, über den weiter diskutiert wird. SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst und SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp streiten sich über den Wert der Nations League

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Pro: Sebastian Harfst - "Das war relevanter Fußball!"

Dieses Prozedere haben wir noch unschön in Erinnerung: Da tritt die Nationalelf nach einem EM- oder WM-Turnier zum ersten Mal vor einem erwartungsfreudigen heimischen Publikum an, doch am Ende gibt es vor allem enttäuschte Gesichter. Weil sich die Stars vom Vereinsstress erholen müssen, statt für Deutschland aufzulaufen, weil die Gegner oft aus dem unteren Bereich des Regals stammen, weil der sportliche Wert und das Begeisterungspotenzial eines lauen Testkicks gen null geht.

Mehr zur Nations League

Der erste Spieltag der Nations League lieferte im Vergleich dazu relevanten Fußball. Oder hat jemand etwas dagegen, wenn das DFB-Team unter Wettbewerbsbedingungen gleich gegen den neuen Weltmeister ranmuss? Wenn WM-Verlierer Spanien den Vizeweltmeister Kroatien empfängt?

Ein weiteres Plus der Nations League: Durch die Abstiegsgefahr stehen die Teams direkt unter Druck. Stellen wir uns mal vor, Deutschland würde absteigen in Liga B. Der Aufschrei wäre gigantisch, weil sich ein Abstieg nicht mit dem deutschen Fußballverständnis vereinbaren ließe. Genauso wenig übrigens wie in England, Frankreich, Spanien und so weiter. Entsprechend motiviert gingen die Teams zur Sache, entsprechend wurde – auch bei Deutschlands 0:0 gegen Frankreich – vor dem Fernseher mitgefiebert. Weiter so!

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Internationale Pressestimmen: Deutschland gegen Frankreich

Die Weltpresse feiert einen Torwart: Alphonse Areola steht nach dem 0:0 seiner Franzosen gegen Deutschland im Fokus. Über den deutschen Auftritt zeigen sich sogar die Franzosen beeindruckt. Klickt euch hier durch die Pressestimmen! © Verwendung weltweit
"France Football" ist von der deutschen Leistung angetan: "Deutschland hält den Blauen stand."
Die "L'Equipe" titelt, dass die Mannschaft trotz guter Möglichkeiten Deutschland im Griff hatte.
"Le Parisien" schwärmt vom "spektakulären" Kylian Mbappé und rückt den "phänomenalen" Kanté in den Fokus.
Der englische "Telegraph" beschreibt den "gemischten Empfang" für Ilkay Gündogan beim "torlosen 0:0 gegen Weltmeister Frankreich"
Die englische Boulevard-Zeitung "The Sun" interessierte sich weniger für das Spiel - sondern viel mehr für eine einzige Szene: "Den Fuß reingesteckt. Rüdiger hinterlässt nach einem brutalen Tritt ein schmerzhaftes Zeichen am Hals von Pavard".
Die britische Rundfunk-Anstalt BBC sah das Spiel ganz nüchtern: "Deutschland und Frankreich kämpfen sich in der Nations League zu einem Remis."
Die englische Zeitung "The Independent" war vom Spiel nicht beeindruckt: Deutschland und Frankreich hätten ihren Ruf in einem "eintönigen" Spiel nicht gerechtfertigt.
Die "Daily Mail" konzentriert sich auf Ilkay Gündogan und dessen Empfang in der Münchner Allianz Arena. "Gündogan wird nach der Kontroverse um den türkischen Präsidenten ausgebuht, während Deutschlands Rekonstruktionsprozess mit einem Statement gegen Frankreich beginnt."
Die britische Tageszeitung "The Guardian" meint, die deutsche Nationalmannschaft hätte versucht, das Blatt gegen den Weltmeister aus Frankreich zu wenden. Dabei loben sie die Leistung vom französischen Keeper Areola.
Auch die italienische Konkurrenz-Zeitung "Gazzetta" titelt: "Areola rettet Deschamps."
Die italienische "Tuttosport" adelt Frankreich-Keeper Alphonse Areola: "Unüberwindbar - Areola rettet Frankreich."
Die "AS" aus Spanien sieht in den Torhütern die Top-Akteure des Abends: Areola und Neuer seien "über sich hinausgewachsen"
Die spanische "Marca" mag es blumig und beschreibt, dass Torhüter Alphonse Areola Frankreichs Stern gegen Deutschland festgehalten habe
Die spanische Sportzeitung "Mundo Deportivo" schreibt: "Areola verhindert den Triumph Deutschlands."
Der US-amerikanische Fernsehsender "ESPN" schreibt, dass das Remis die Grenzen der UEFA Nations-League aufzeigen würde.
Die US-amerikanische Sportzeitschrift "Sports Illustrated " meint, Frankreichs Torwart Areola habe beim Remis gegen Deutschland eine Hauptrolle eingenommen.
Der Schweizer "Blick" sieht eine deutsche Nationalmannschaft mit "Herz" und lobt Frankreichs Schlussmann Alphonse Areola
Die "Bild" feiert eine Art deutsche Wiederauferstehung gegen Frankreich und lobt Bundestrainer Joachim Löw in höchsten Tönen
"Spiegel Online" fragt sich nach dem Torlosen Remis, wo der Vollstrecker in der DFB-Elf geblieben ist.
Die "Frankfurter Allgemeine" sieht ein "Stückchen Neuanfang" in dem Spiel eins nach der WM gegen Frankreich.
"Focus Online" sieht drei Bayern-Stars als stärkste DFB-Kicker gegen Frankreich
Die "Süddeutsche Zeitung" hat das torlose Remis der Deutschen gegen Frankreich stark an die WM 2014 in Brasilien erinnert.

Contra: Heiko Ostendorp - "Der nächste UEFA-Witz!"

Bereits als ich mich das erste Mal mit der sogenannten Nations League beschäftigte, war meine Meinung klar: ein weiterer Wettbewerb, um möglichst viel Geld zu machen, um kleine Verbände bei Laune zu halten und großen eine Zusatzoption auf die EM-Teilnahme zu ermöglichen, wenn diese sportlich eigentlich schon gescheitert sind. Der nächste UEFA-Witz.

Um den Modus zu verstehen, muss sich der Fan schon sehr viel Zeit nehmen – und selbst dann bleiben Fragen offen. Vier Ligen à vier Gruppen mit je drei (oder vier) Teams, die auf- und absteigen können und nach dem Konzept der „Woche des Fußballs“ antreten, bevor es am Ende zum Final Four, also der Endrunde kommt, in welcher der Sieger der Nations League ermittelt wird. Erst nach dem Ende der richtigen EM-Quali kommt es dann – knapp ein Jahr später – zu den Play-offs um die letzten vier Plätze für die Europameisterschaft. Klingt kompliziert? Ist es auch!

Bei aller Freude über tolle Paarungen wie Deutschland gegen Frankreich oder England gegen Spanien gibt es unzählige Spiele, die kaum einen Menschen interessieren, und Salami-Spieltage über sechs Tage verteilt. In Liga D, Gruppe 4 trifft Liechtenstein auf Gibraltar, in Liga D, Gruppe 3 der Kosovo auf die Färöer. Echte Leckerbissen in der Nations League.


Hier abstimmen: Was haltet ihr von der Nations League?


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