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Neue RB-Leipzig-Fangruppierung L.E. United will Konflikte notfalls gewalttätig regeln

Es gibt Unstimmigkeiten im Fanlager des Bundesligisten. Eine neue Fangruppe sorgt für Kritik in den eigenen Reihen. Es geht um rassistische und homophobe Sprüche und mehrdeutige Ankündigungen.

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Leipzig. Sie tragen schwarze Anglerhüte und wollen sich notfalls mit den Fäusten gegen Übergriffe wehren. Seit einigen Wochen sorgt die neu gegründete Fangruppierung „L.E. United“ im Umfeld von RB Leipzig für hitzige Diskussionen. Das etwa 20 Mann starke Bündnis soll in der vergangenen Saison mehrfach negativ aufgefallen sein – durch rassistische und homophobe Sprüche sowie Pöbeleien.

Der Klub hat sie auf seinen Verhaltenskodex eingeschworen, alle zwei Monate sind Treffen mit dem Fanbeauftragten vorgesehen. „Eine unserer Maximen ist auch zukünftig, unser Stadion und unsere Heimspiele gewaltfrei zu halten und in der Red Bull Arena weiterhin Fußballfeste zu feiern“, teilte RB auf Anfrage mit. Eine pöbelnde Schlägertruppe beim Familienverein – es wäre das Horrorszenario für die Verantwortlichen.

Im Dialog mit Fanverband und Verein

Auch der Fanverband, der Dachverband der Fanklubs, will gegensteuern. „Mitglieder von L.E. United sind in einzelnen Situationen durch provozierendes und nicht angebrachtes Auftreten aufgefallen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Wir hoffen und erwarten, dass die Betroffenen durch das Akzeptieren des Verhaltenskodexes künftig ein besseres und angebrachteres Verhalten an den Tag legen.“ Fanverband und Verein stehen im Dialog mit der Gruppierung. Man nimmt das Thema sehr ernst, will aber auch keine Alarmstimmung verbreiten.

Die Fanklub überschreitende Interessengemeinschaft „Rasenballisten“ wirft L.E. United „rechte bis rechtsoffene Gesinnungen“ vor und den Versuch, eine „Bürgerwehr im Block“ zu etablieren. Die Betroffenen wollten sich gegenüber der LVZ nicht äußern. Ein Sprecher erklärte kürzlich der Mitteldeutschen Zeitung, man fühle sich in die rechte Ecke gedrängt. Es gebe Mitglieder mit „eher linken, liberalen und streng konservativen Ansichten“. Man wolle einfach keine Politik im Stadion. Eine Formulierung, die unter rechten Fußballanhängern geläufig ist und sich gegen die mehrheitlich linke Ultrakultur und ihre politischen Losungen richtet. Auch der Gewaltvorwurf wurde zurückgewiesen. Die ultraorientierten Rasenballisten berichteten von Pöbeleien gegen eine „Refugees-Welcome“-Fahne und andere Fans, weitere Stadiongänger wollen fremdenfeindliche Sprüche vernommen haben. RB schaut zwar genau hin, will die Gruppierung jedoch nicht vorverurteilen. Noch sei es zu keinen nachweisbaren Vorfällen gekommen, heißt es.

Blickpunkte zur aktuellen Entwicklung innerhalb der Fans von Rasenballsport Leipzig Eigentlich genießen wir gerade in...

Geplaatst door Rasenballisten e.V. op zondag 2 juli 2017

Reaktion auf Dortmund-Ausschreitungen

L.E. United hat sich als Reaktion auf die gewalttätigen Vorfälle zu Beginn des Jahres gegen RB-Fans in Dortmund formiert. Die Gruppe erwartet in der Champions League in der kommenden Saison ein erhöhtes Bedrohungspotential: Ein zweites Dortmund soll unbedingt verhindert werden. „Wenn uns jemand an die Wäsche will, schützen wir uns”, sagte ein Sprecher der „MZ“. Das Ziel sei es, sich auswärts organisierter zu präsentieren und auf Attacken in Zukunft besser reagieren zu können. Es soll allerdings keine Gewalt provoziert werden, betonte der Sprecher. Laut eigenen Angaben ist keines der Mitglieder in der „Gewalttäterdatei Sport“ der Polizei verzeichnet. Von den Männern gehören einige schon seit 2009 zur Anhängerschaft von RB, zum Teil sind sie in größeren Fanklubs organisiert. Es sollen sich frühere Stadiongänger von Lok und Chemie Leipzig unter ihnen befinden.

„Wir wollen und werden keine Gruppe akzeptieren, die sich über andere hinwegsetzt, Nährboden für rechte Fans bietet und antirassistische AnhängerInnen bedroht“, heißt es in einer Stellungnahme der Rasenballisten. So etwas dürfe unter keinen Umständen einen Platz innerhalb der Kurve bekommen. RB will die Gruppierung durch die Unterzeichnung des Ehrenkodexes, in dem Rassismus, Homophobie und Gewalt verurteilt werden, einfangen. Und auch die Fanbeauftragten sollen ein waches Auge auf die Anhänger werfen. „Wir sind im ständigen Austausch mit allen Fangruppierungen, dem Fanprojekt, der Polizei und der DFL“, teilte RB mit.

Nur vereinzelt hatten Leipziger Anhänger in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen gesorgt. Erst zwei Stadionverbote mussten in der Red-Bull-Arena ausgesprochen werden. Bierbecherwürfe, Pöbeleien oder gar Fangewalt – bis jetzt spielte das praktisch keine Rolle beim Vizemeister der abgelaufenen Saison. Die Verantwortlichen wollen alles dafür tun, damit das friedliche und familienfreundliche Miteinander bestehen bleibt. Bei Vorfällen im heimischen Rund werde der Club jedoch rigoros mit Haus- bzw. Stadionverboten reagieren.

Thomas Fritz / Anne Grimm

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