12. Juli 2018 / 12:03 Uhr

Neuer Abwehrchef für den SV Atlas Delmenhorst

Neuer Abwehrchef für den SV Atlas Delmenhorst

Michael Kerzel
Karlis Plendiskis übernahm bereits in den ersten Testspielen das Kommando in der Defensive.
Karlis Plendiskis übernahm bereits in den ersten Testspielen das Kommando in der Defensive. © INGO MOELLERS
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Karlis Plendiskis durchlief alle Jugendabteilungen von Werder Bremen und spielte in Lettlands Nachwuchsteams

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Die Erwartungen an Karlis Plendiskis sind groß bei den Fans und Verantwortlichen des SV Atlas Delmenhorst. Die Vita des 1,96 Meter großen Innenverteidigers beeindruckt, gerade in Hinblick darauf, dass er erst 23 Jahre alt ist und künftig in der Fußball-Oberliga auflaufen wird. Der Lette durchlief alle Jugendabteilungen des SV Werder Bremen, spielte für die Grün-Weißen 52-mal in der B- und A-Junioren-Bundesliga und sammelte zudem 61 Einsätze in der Regionalliga, zuletzt beim SSV Jeddeloh. Das Internetportal Transfermarkt.de – auch wenn diese Quelle mit Vorsicht zu genießen ist – taxiert seinen Marktwert auf 75 000 Euro. Nur der ebenfalls neu zum SVA gewechselte Leon Lingerski hat überhaupt einen Marktwert (50 000 Euro) bei den Blau-Gelben. Die beiden kennen sich aus der Werder-Jugend, beide schafften den Sprung zu den Profis nicht, beiden scheiterten auch aufgrund von Verletzungen. „In der U19 hatte ich einen Nierenriss, bin ein halbes Jahr ausgefallen und habe dann Zeit gebraucht, um wieder fit zu werden. Das Management bei Werder war am Ende nicht überzeugt von mir, und ich habe den Sprung in die U23 nicht geschafft“, berichtet Plendiskis.

Stärken im Aufbauspiel

Natürlich sei er enttäuscht gewesen, immerhin endete bis dahin jedes Jahr bei Werders Jugendteams mit einem Gespräch mit den Verantwortlichen und der Nachricht, dass er es auf die nächsthöhere Stufe geschafft hat. Mit acht Jahren hatte er sich Werder angeschlossen. Plendiskis spielte nicht nur für Werders Jugend-Bundesliga-Teams, sondern auch für die jeweilige Auswahl Lettlands. Für die U17 machte er acht, die U19 drei und die U21 vier Länderspiele.

Weil es bei Werder für ihn nicht weiterging, wechselte er in die Regionalliga zum SV Wilhelmshaven. „Da herrschte am Ende großes Chaos, aber ich habe viele Erfahrungen gesammelt“, blickt er zurück. Wilhelmshaven führte in jener Zeit einen Rechtsstreit mit der Fifa, der zum Zwangsabstieg im Jahr 2012 führte. Für den VfB Oldenburg und den SSV Jeddeloh spielte Plendiskis, den zwischenzeitlich eine Schambeinverletzung ein ganzes Jahr lang außer Gefecht setzte, im Anschluss in der Ober- und der Regionalliga.

Während seiner Zeit in Jeddeloh begann er in Achim eine Ausbildung zum technischen Systemplaner. „Ich bin dann nach der Arbeit meistens direkt zum Training gefahren, stand oft im Stau. Im Grunde bin ich morgens los und war erst spät abends wieder zu Hause. Das hat mir den Spaß genommen, ich war ausgelaugt“, erinnert er sich. Das ist einer der Gründe, warum er künftig in Delmenhorst eine Liga tiefer spielt. Zu Atlas hatte er bereits vor dem Wechsel nach Jeddeloh Kontakt, doch ein Wechsel kam nicht zustande. „Ich habe mich da für die Perspektive und das sportlich höhere Niveau in Jeddeloh entschieden, Landesliga wäre mir damals ein zu großer Schritt zurück gewesen“, sagt er.

Ein zweiter Grund ist seine Freundin, die in der Delmestadt lebt. Er wohnt derzeit noch in Bremen, wohin er mit seiner Mutter im Alter von fünf Jahren aus Lettland gezogen war. Geboren wurde er in einer kleinen Stadt in der Nähe von Riga. „Ich war im Sommer früher oft bei meinem Vater in Lettland, aber zuletzt eher seltener. Ich habe noch Bezug zu meinen Verwandten dort, aber zum Land wird es weniger“, berichtet der 23-Jährige.

Karlis Plendiskis ist ein eher ruhiger Typ, wirkt sehr besonnen. Die ersten Eindrücke, die er in den Testspielen gegen die Oberliga-Reserve und beim Dionysos-Cup hinterlassen hat, waren jedenfalls positiv. „Ich bin nicht der schnellste Spieler, mache das aber durch mein Stellungsspiel wieder wett“, sagt er. Auch wenn man Testspiele, gerade zu Beginn einer Vorbereitung, nicht überbewerten sollte, bewies er das bereits. Mehrfach fing er Pässe ab, verhinderte Anspiele. Eine weitere Stärke neben der Antizipation und dem Spielverständnis ist seine Art, mit dem Ball umzugehen. „Da kommt mir die Ausbildung bei Werder zugute. Wir haben oft auf Kunstrasen gespielt und trainiert, sollten dabei alles spielerisch lösen. Der Spielaufbau liegt mir daher auch“, sagt der Lette.

Bei Atlas soll er diesen mitgestalten, zudem die Abwehr führen. Diese Erwartung hat auch Trainer Jürgen Hahn an ihn, wie er im Interview jüngst bestätigte. Plendiskis nimmt die Rolle an. „Bei meinem Regionalligastationen war ich einer der jüngeren Spieler und nicht in der Position, viel zu sagen. Aber ich bin reifer geworden, habe Erfahrungen gesammelt und traue mir das jetzt zu. Ich weiß, wie es in der Ober- und Regionalliga zur Sache geht. Ich kann führen“, sagt er. Er soll auch für Torgefahr sorgen. Mit seiner Größe bekommen die ohnehin nach Standards gefährlichen Delmenhorster eine weitere Waffe ins Arsenal. „Beim Offensivkopfball kann ich aber noch besser werden, defensiv klappt das schon gut“, meint Plendiskis.

Wenn er und seine Mitspieler sich noch verbesserten, sei das Potenzial für die Regionalliga durchaus vorhanden, auch wenn der Aufstieg dahin noch nicht auf der Tagesordnung stehe. „In zwei oder drei Jahren vielleicht. Es wäre für die Stadt schon toll, und man kann sich das Ziel schon stecken. Aber erst mal geht es darum, als Team zusammenzufinden und gut in die Saison zu starten. In dieser Liga ist vieles möglich, sowohl nach oben als auch nach unten, das hat man vergangenes Jahr gesehen“, meint Plendiskis. Sein erster
Eindruck von Mitspielern und Verein sei gut. „Man merkt sofort, wie viele Leute sich für den Verein interessieren, und dass hier was bewegt wird“, berichtet der Lette. Zudem lobt er die Stimmung im Stadion. „Ich war letzte Saison gegen Armina Hannover hier. Fußball lebt von den Fans. In Jeddeloh hatten wir Zuschauer, hier sind es Unterstützer“, sagt der 23-Jährige.

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