USER-BEITRAG Bisher noch eher unscheinbar: Blick auf den Mariannenpark in Leipzig-Schönefeld. © Wolfgang Zeyen

Neuer Fußballclub im Leipziger Osten: FC International startet mit prominenter Unterstützung

Fünf Jahre nach Gründung von RB Leipzig wird Leipzigs Fußballwelt erneut um eine Facette erweitert: Der FC International steht in den Startlöchern.

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Leipzig. Fünf Jahre nach Gründung von RB Leipzig wird Leipzigs Fußballwelt erneut um eine Facette erweitert: Der FC International steht in den Startlöchern. Monatelang kursierten Gerüchte über Gründung, verantwortliche Köpfe und potente Geldgeber im Hintergrund – angeheizt durch Fusionsverhandlungen mit dem finanziell schlingernden TuS Leutzsch. Zur neuen Saison werden nun offenbar auch Tatsachen folgen.

Statt im Westen der Stadt nimmt der Verein im Schönefelder Mariannenpark (Adenaueralle 8) den Spielbetrieb auf. Gekickt wird von Kopf bis Fuß in orange und vorerst in der Landesliga, sagt Vereinschef Christian Meyer. Der 34-Jährige ist Kopf einer Vorstandstroika, zu der auch Ex-Profi Heiner Backhaus als sportlicher Leiter und Unternehmerin Heike Vennemann als Schatzmeisterin gehören. Daneben stehen die Namen von Leipzigs Ex-OBM Wolfgang Tiefensee (SPD) und Sportvermarkter Tilmann Meuser im Schlaglicht. Beide Netzwerkprofis öffnen für den FC International seit Monaten Türen und suchen kompetente Unterstützer.

„Ich bin seit etwa einem Jahr involviert und arbeite praktisch als Vorsitzender des Wirtschaftsrates – bei uns InterEconomy genannt“, sagte Tiefensee am Montag gegenüber LVZ-Online. Jeder in der ersten Vereinsreihe – zu der auch die Lebensgefährtin des Bundestagsabgeordneten gehört – sei im Strukturaufbau für verschiedene Dinge verantwortlich. Auf Tiefensees Agenda stehen dabei unter anderem die künftigen Bau-Projekte des Vereins.

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Mariannenpark soll ausgebaut werden – Finanzierung auch über Stiftungen

Denn noch ist die Heimstätte, die sich der FC International mit Wacker Leipzig teilen wird, ein eher unscheinbarer Sportplatz unweit des Schienengeflechts der Deutschen Bahn. „Im Mariannenpark werden wir infrastrukturell gemeinsam mit Wacker einiges verändern. Es wird mittelfristig eine Tribüne gebaut, schrittweise die bisher vier Plätze modernisiert. Perspektivisch ist zudem geplant, einen Sozialtrakt und eine Flutlichtanlage zu bauen“, so Meyer, der allerdings keine konkreten Angaben zur Höhe der geplanten Investitionen und zur Herkunft des Geldes machen will.

Ohnehin bleibt der schnöde Mammon beim Großprojekt noch im Verborgenen. „Es gibt bereits einige Stakeholder, die wir natürlich auch zu gegebener Zeit nennen werden. Aber das Konzept hat noch viel mehr Tiefe. Nachhaltige Arbeit funktioniert nicht nur mit der Spitze, sondern sie braucht auch Breite“, sagt Tilmann Meuser. Der Mann aus Essen ist Mitglied im Charity-Verein von ZDF-Weltfußball-Experte Lutz Pfannenstiel (Global United FC), wirkt für das Modelabel Global Striker und arbeitete als Marketingprofi auch schon für die TSG Hoffenheim, Schalke 04 und den Wuppertaler SV. Beim Leipziger FC International ist Meuser Financier und Kontakter zugleich, will mit seinem Netzwerk am Gedeihen der neuen Fußballkraft mitwirken. „Viele Vereine in Deutschland machen den Fehler, dass sie zwar ein Konzept haben, aber nicht die entsprechend kompetenten Leute für die Umsetzung, die nachhaltigen Inhalte und vor allem die finanziellen Mittel“, so Meuser gegenüber LVZ-Online.

Woher das Geld für den FC International kommen wird, will auch er nicht sagen, fügt aber an: „Bei uns geht es beispielsweise im Sponsoring nicht in erster Linie darum, dass Banden, Trikots und Anzeigen verkauft werden müssen. Unsere Angebote sind umfassender und beziehen sich auf Personen und Unternehmen, die auch mal etwas zurückgeben wollen. Und sich dabei sozial engagieren. Wir wollen eine intelligente Herangehensweise, arbeiten dabei nicht nur mit Unternehmen, sondern auch mit Stiftungen zusammen.“

Zweites Standbein: Integration – vier Nachwuchsteams geplant

Für letztere dürfte vor allem das zweite Standbein des neuen Fußballclubs von Interesse sein. „Der Verein soll eine starke integrative Funktion einnehmen und in dieser Ausprägung gibt es das bisher noch nicht in Leipzig“, so Ex-OBM Tiefensee. Gerade im Leipziger Osten, aber auch in der ganzen Messestadt sei das ein sehr interessanter Ansatz. „Wir wollen eine familiäre Atmosphäre auf dem Gelände schaffen, die nicht nur aus dem Spielfeld besteht, sondern die auch Begegnungsort für die Jungen und Mädchen ist“, so der Politiker. Vereinschef Christian Meyer ergänzt: „Wir planen mittelfristig ein Freizeitangebot, bei dem die Kinder und Jugendlichen schon ab 14 Uhr zu uns kommen, um mit pädagogischer Unterstützung Hausaufgaben machen zu können. Wir werden sofort fremdsprachliches Training fördern, werden mal in Spanisch oder auf Englisch trainieren.“

Laut Meyer sei das Feedback schon jetzt enorm. „Wir haben in den letzten Tagen und Wochen viele sehr positive Reaktionen von Eltern und Kindern bekommen, dass sie bei uns spielen wollen“, sagt der International-Chef. Abwerbeversuche bei anderen Nachwuchsteams im Westen Leipzigs habe es dabei trotz anders lautender Berichte nicht gegeben. „Wir haben als Vorstand bisher definitiv keine Kinder und Eltern anderer Vereine angesprochen, ob sie zu uns kommen wollen. Wir stehen ohnehin den anderen Leipziger Vereinen neutral gegenüber, aber mit vollstem Respekt“, so Meyer weiter. Auch ein Zusammengehen mit TuS Leutzsch in dieser Frage sei vom Tisch. Vielmehr lädt der FC International am kommenden Sonntag ab 10 Uhr zur eigenen „Inter Mini-WM“ in den Mariannenpark ein und will dort Jungen und Mädchen sichten.

Landesliga-Lizenz vom SV See – Konzept für zehn Jahre

Minimal vier eigene Nachwuchsmannschaften will der FC International ab kommender Saison aufbieten – so viele, wie der Sächsische Fußballverband (SFV) für Landesligisten vorschreibt. Ohne diese wäre die jüngst vom SV See erworbene Sechstliga-Lizenz des neuen Clubs hinfällig. Die Oberlausitzer hatten ihr Spielrecht aufgrund finanzieller Schwierigkeit feil geboten – und der FC International nahm dankend an. Ob die Leipziger auch die mit Routine und tschechischer Teilzeitkraft gespickte Mannschaft aus dem Nieskyer Ortsteil See übernehmen wollen, ist bisher noch unklar. „Die Kaderplanungen von Heiner Backhaus sind keineswegs abgeschlossen, da müssen viele Dinge, wie beispielsweise auch Arbeitsplätze für die Spieler hier in Leipzig, noch geklärt werden“, sagt Vereinschef Meyer.

Wohin es perspektivisch sportlich mit dem FC International gehen soll, ließen alle Befragten offen. Man plane vorerst im zehnjährigen Rahmen, hieß es. „Ich denke, es wird sicher drei bis fünf Jahre dauern, ehe die Arbeit in ganzer Breite fruchtet – aber das ist in Ordnung, denn wir haben einen langen Atem“, so Politiker Tiefensee, der dabei vor allem das zweite Standbein des Vereins im Blick hat: „Ich wünsche mir, dass es irgendwann selbstverständlich ist, wenn hier Kinder und Jugendlich unabhängig von ihrer Prägung gemeinsam Zeit verbringen.“

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