05. Februar 2019 / 08:04 Uhr

Offensiv so harmlos wie seit 31 Jahren nicht: Hannover 96 muss die sechste Null verhindern

Offensiv so harmlos wie seit 31 Jahren nicht: Hannover 96 muss die sechste Null verhindern

Andreas Willeke
18 Tore in 20 Spielen: Nicht nur die Bilanz von Hannover 96 ist schwach, sondern auch die Mittel, die Kreativität und Effektivität im Angriff. 
18 Tore in 20 Spielen: Nicht nur die Bilanz von Hannover 96 ist schwach, sondern auch die Mittel, die Kreativität und Effektivität im Angriff.  © imago/Carmele/dpa/Petrow
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Es ist beängstigend, wie wenig Offensiv-Fußball Hannover 96 in der bisherigen Saison bieten konnte. Gegen den 1. FC Nürnberg hat die Mannschaft von Thomas Doll zum 21. Mal in dieser Spielzeit die Chance - und das dürfte die letzte sein, um den Liga-Verbleib noch für realistisch zu erklären.

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Warum Stuttgart, Nürnberg und 96 ganz unten stehen? Ein Blick auf das Torverhältnis genügt – die drei Klubs haben die wenigsten Tore geschossen und dazu auch noch die meisten kassiert. Bis auf einen Treffer weist die Tabelle sogar exakt die gleichen Zahlen aus. Bei Stuttgart und Nürnberg lautet das Torverhältnis 17:44, bei 96 heißt es 18:44.

Zuletz 1988 so chancenlos

Am schlechtesten steht 96 da, wenn es um die Heimspiele geht. Nur siebenmal hat die Mannschaft in zehn Partien in der HDI-Arena getroffen – seit fünf Spielen sogar überhaupt nicht mehr. Die Null steht nicht wie gewünscht hinten, sondern vorn – wo es doch eigentlich krachen soll. Und gerade in Heimspielen hat 96 früher die entscheidenden Punkte zum Klassenerhalt gesammelt.

Heimstärke – das war mal. Beim 0:3 zuletzt gegen Leipzig hatte 96 keine einzige Torchance. Der kicker hat herausgefunden, dass 96 das erste Mal seit 1988 so chancenlos war. Heißt übersetzt: Die Mannschaft spielt zurzeit so harmlos wie seit 31 Jahren nicht.

Akpogumas Binnenweisheit

„Wir haben keine Abschlüsse, das ist ein bisschen mager“, stellte der aus Hoffenheim gekommene Verteidiger Kevin Akpoguma nach der Leipzig-Pleite fest. „Wenn du Spiele gewinnen willst, musst du Tore schießen.“ Das wird keiner bestreiten können. Akpogumas Rat: „Wir müssen uns spielerisch besser in Aktion bringen, damit unsere Stürmer in der Box zum Abschluss kommen.“

Die Bilder vom Vormittagstraining von Hannover 96 (5. Februar):


Horst Heldt und Thomas Doll tauschen sich aus.  Zur Galerie
Horst Heldt und Thomas Doll tauschen sich aus.  ©
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Das alte Problem: Kein Knipser in der Front

Aber wer soll die Tore machen? Der vorzeitig von seiner Leihe aus Brasilien zurückgekehrte Jonathas hat zwar gegen Leipzig durchgespielt, ist aber offensichtlich nicht fit. Wenn Doll davon gesprochen hat, „bei dem einen oder anderen war es so, als wenn er am Gummiband gelaufen ist“, dann gehört Jonathas auf jeden Fall dazu. Der 96-Rekordeinkauf hat in seiner ersten Schaffensperiode drei Tore erzielt, so viele wie die aktuellen Toptorschützen: Bobby Wood, Hendrik Weydandt und Ihlas Bebou trafen in dieser Saison je dreimal. Bebou fällt jedoch wie Niclas Füllkrug (zwei Tore) weiter lange aus.

Die im Sommer verpflichteten Japaner Takuma Asano und Genki Haraguchi haben noch gar nicht getroffen. Auch die zentralen Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler und Walace wissen nicht, wo das Tor steht.

96 hat deshalb nachgelegt und für mehr Torgefahr im Januar Nicolai Müller in Frankfurt ausgeliehen – bei drei Einsätzen müllerte es noch nicht. Dennoch dürfte Doll auf den 31-Jährigen bauen. Aber wem traut Doll am ehesten zu, die Kugel über die Linie zu bugsieren?

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"Henne" nicht tadellos, aber belebend

Die meiste Power im Sturm­zen­trum hat sicher Hendrik Weydandt. Bei ihm klebt der Ball zwar nicht bei jeder Annahme am Fuß, aber er ist schnell und setzt seinen wuchtigen Körper ein. So wäre ihm beim Tabellenführer in Dortmund fast ein Treffer gelungen. Außerdem hat er als einer der wenigen 96-Spieler das Publikum auf seiner Seite. Weydandt belebt das ansonsten tote 96-Spiel – solche Profis wird Doll brauchen.

Aber sonst? Ob Wood, Asano oder Haraguchi – wenn Dolls Rettungsmission erfolgreich enden soll, wird er Tore und/oder brauchbare Vorlagen von ihnen benötigen. Die Stürmer stehen ja nur am Ende der Nahrungskette, sie werden bei 96 zu selten passabel versorgt. Zu oft scheitert der Ball-Transport bereits weit vor ihrem Arbeitsgebiet.

Bei all den Problemen vorn, in der Mitte und hinten hat Doll kaum Zeit – trifft 96 im sechsten Heimspiel in Folge gegen Nürnberg nicht, kann der Verein für die zweite Liga planen.

Die erste Trainingaeinheit von Hannover 96 unter dem neuen Trainer Thomas Doll

Zeigte sich sehr kommunikativ: Der neue 96-Trainer Thomas Doll. Zur Galerie
Zeigte sich sehr kommunikativ: Der neue 96-Trainer Thomas Doll. ©
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