08. November 2018 / 11:41 Uhr

Okel-Coach Schröder: "Wirklich Qualität dazugewonnen"

Okel-Coach Schröder: "Wirklich Qualität dazugewonnen"

Thorin Mentrup
Lutz Schröder gibt seit Saisonbeginn die Richtung beim TSV Okel vor. Der Weg führt derzeit steil nach oben.
Lutz Schröder gibt seit Saisonbeginn die Richtung beim TSV Okel vor. Der Weg führt derzeit steil nach oben. © JONAS KAKO
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Lutz Schröder spricht im Interview über die starke Saison, die Neuzugänge und die Bezirksliga

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Tabellenvierter, seit mittlerweile sechs Begegnungen ungeschlagen und zuletzt sogar dreimal in Serie gewonnen: Für den TSV Okel könnte es in der Kreisliga Diepholz derzeit kaum besser laufen. Die aktuelle Situation erfreut auch Lutz Schröder. Der Trainer, der vor der Saison zum Team gestoßen ist, spricht im Interview über die Erfolgsstory des TSV, seine Arbeit mit der Mannschaft aus seinem Wohnort, die starken Sommer-Neuzugänge und über einen möglichen Aufstieg in die Bezirksliga.

Herr Schröder, Ihr Team ist Vierter, seit sechs Partien ungeschlagen und hat zuletzt drei Siege in Folge gefeiert, darunter im Top-Spiel in Nordwohlde. Ganz salopp formuliert: Wo soll das noch hinführen?

Lutz Schröder: Das ist eine berechtigte Frage. Für uns stand vor Saisonbeginn Platz fünf bis acht als Ziel. In diesem Rahmen bewegen wir uns sehr gut. Wir müssen ganz ehrlich mit den Möglichkeiten und den Voraussetzungen umgehen: Alles andere als Kreisliga würde, glaube ich, den Verein doch an die Grenzen bringen. Unsere Trainingsmöglichkeiten sind im Vergleich zu anderen Vereinen, die auch in der Kreisliga sind oder höher spielen, doch recht bescheiden. Auch die Anzahl an zur Verfügung stehenden Spielern ist nicht so groß. Ich bin ja auch Jugendkoordinator beim TuS Sudweyhe und kann daher einen sehr guten Vergleich ziehen: Wenn ich sehe, was dort jedes Jahr an Jugendspielern in den Herrenbereich drängt, und das mit unseren Möglichkeiten in Okel vergleiche, ist es hier natürlich schwieriger, über Generationen einen gewissen Leistungsstandard herzustellen.

In erster Linie freuen wir uns gerade, dass es so gut läuft. Die Mannschaft zeigt sich sehr willensstark und leistungsbereit. Unsere Trainingsbeteiligung ist überdurchschnittlich: Wir sind im Schnitt 12,7 Spieler pro Trainingsabend. Das ist für Okeler Verhältnisse wirklich in Ordnung. Was wir uns im Training erarbeiten, können wir umsetzen – und das spiegelt sich auch in der Tabellensituation wider.

Haben Sie einen derartigen Höhenflug für möglich gehalten, als Sie vor Saisonbeginn das Traineramt beim TSV übernommen haben?

Ja und nein. Nicht umsonst habe ich diese Aufgabe übernommen. Klar, ich wohne hier, und Helmut Volkmann, einer der guten Geister hier in Okel neben Holm Holthusen, hat schon häufiger versucht, mich für den TSV zu gewinnen. Bis dato hat es nicht geklappt, aber vor dieser Saison bestand die Möglichkeit und dann habe ich gern zugesagt, weil ich auch einige Jungs kenne, die ich in der Jugend ausgebildet habe wie Steffen Quast oder Kevin Volkmann. Ich habe mir auch in der Vergangenheit immer wieder Spiele angeguckt. Es war also kein unbekanntes Projekt für mich.

Man muss aber auch sagen, dass wir mit unseren Neuzugängen Riesenglück hatten. Wir haben mit Lucas Feldmann einen der stärksten Torhüter im Kreis gewinnen können. Dazu kamen mit Ahmed Khatib und Hasan Sabehaioun zwei Spieler, die niemand auf dem Zettel hatte. Beide haben vorher in der 3. Kreisklasse gespielt. Und wir haben mit Kenneth Lange jemanden, der beim TuS Sudweyhe in der Bezirksliga Erfahrung gesammelt hat. Alle vier haben uns weitergeholfen. Wir haben wirklich Qualität dazugewonnen. So fallen die immer noch verletzten Leistungsträger wie Kevin Volkmann, Marlon Reyher und Leon Helmke nicht so ins Gewicht wie in der Rückserie im letzten Jahr. Wir haben immer eine ganz gute Truppe auf dem Platz stehen, die in der Lage ist, guten Fußball zu spielen.

Sind Partien wie in Nordwohlde ein Beleg dafür, dass der TSV einen Schritt nach vorn gemacht hat?

Ich denke schon. Wir haben zu Saisonbeginn viel experimentiert und viele Systeme gespielt. In einem haben wir uns jetzt ganz gut gefunden. Das spielen wir seit vier, fünf Wochen. Wir haben mehr Stabilität in der Defensive gewonnen. Wenn man das Spiel gegen Lahausen (0:8, d. Red.) abzieht, haben wir eine der besten Abwehrreihen der Liga. Auch vorn sind wir gut besetzt, sodass wir immer in der Lage sind, durch mehrere Spieler Gefahr auszustrahlen und dann auch Tore zu erzielen.

Was sind weitere Gründe für den Erfolg?

Wir setzen sehr stark aufs Kollektiv. Da machen wir Fortschritte – auch in der Disziplin. Das war in der Vergangenheit in Okel ein bisschen problematisch, weil natürlich ein sehr mitgehendes Publikum draußen steht, das wirklich klasse und eines der besten der Liga ist und uns auch zu den Auswärtsspielen zahlreich begleitet. Auch in Nordwohlde waren wir, glaube ich, in der Überzahl. Das trägt natürlich die Mannschaft, hat sie in der Vergangenheit aber manchmal vielleicht auch etwas an Disziplin gekostet. Das war auch ein Punkt, an dem wir angesetzt haben: dass wir uns mehr aufs Fußballspielen konzentrieren.

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In der Breite besser aufgestellt, das richtige System gefunden, mehr Disziplin: Viel mehr kann man doch nicht aus einem Team herausholen, oder?

Wir haben schon noch einen Weg vor uns. Ich sehe mich mehr als Fußball-Entwickler. Es ist für mich die Herausforderung, Mannschaften in vielen Bereichen nach vorn zu bringen. Technik ist zum Beispiel ein großes Thema. Es ist für mich eine Grundvoraussetzung, dass wir einen attraktiven, technisch anspruchsvollen Fußball spielen. Ich glaube, man kann erkennen, dass wir einen großen Wert darauf legen. Wir haben außerdem viele gruppen-taktische Maßnahmen eingeführt, die der Mannschaft gut tun. Jeder weiß im Spiel bei jeder Situation, was er zu tun hat. So sind wir gut aufeinander abgestimmt.

Wir versuchen, Fußball mit System und Plan zu spielen. Wir haben hier Spieler mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, auch von der fußballerischen Ausbildung her. Es ist die Aufgabe eines Trainers, ein Level hinzubekommen, dass man eine Ausgeglichenheit erzielt. Das heißt nicht, dass sich die Leistungsstarken nach unten orientieren, sondern umgekehrt. Es ist die Aufgabe, das so zu dosieren, dass alle an der Entwicklung teilhaben. Ich möchte nicht, dass der TSV Okel nur auf einen Spieler heruntergebrochen wird. Der Gegner soll es mit elf Spielern zu tun bekommen, von denen jeder das Spiel entscheiden kann. Wenn wir gegen den Ball arbeiten, dann arbeiten alle zehn Feldspieler gegen den Ball. Und wenn wir offensiv spielen, greifen alle zehn Feldspieler mit ins Offensivspiel ein. Das ist nicht einfach, es braucht Idealismus, das umzusetzen. Aber wer keine Ideale hat, braucht auch kein Trainer zu werden.

Mit Rico Volkmann haben Sie einen spielenden Trainer an Ihrer Seite. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Es hat sich ein bisschen herauskristallisiert, dass die Trainingsplanung und -gestaltung mehr in meiner Hand ist. Rico steht durch Schichtdienst nicht regelmäßig zur Verfügung. Er hält dafür den Kontakt zur Mannschaft, kümmert sich um die Organisation. An den Spieltagen setzen wir uns gemeinsam hin und versuchen, für den jeweiligen Gegner die richtige Taktik und Aufstellung zu finden. Wir haben beide großen Respekt voreinander und ergänzen uns ganz gut.

Es sind noch vier Spiele bis zur Winterpause. Was ist das Ziel im Jahres-Endspurt?

Natürlich haben wir ein Punkte-Ziel, das ich jetzt aber nicht verraten will. Über die Saison gesehen wollen wir mitnehmen, was möglich ist. Wir wären schlechte Fußballer, wenn wir nicht das Ziel hätten, das Maximum zu erreichen. Gleichzeitig gilt es, den Blick schon über die Saison hinaus zu richten. Unser Ziel ist es, erste und zweite Herren in der Zusammenarbeit noch weiter zu verbessern. Wir machen das jetzt schon ganz gut. Wir wollen die Kaderbreiten weiter erhöhen, junge Spieler auf den TSV aufmerksam machen und ihnen zeigen: Wenn sie sich weiterentwickeln wollen, können sie das auch hier in Okel. Wir haben darüber hinaus eine tolle Kameradschaft, die es zu hegen und zu pflegen gilt.

Wenn es für den TSV so weitergeht, erscheint ein Aufstiegsplatz am Saisonende gar nicht unrealistisch. Könnte man den Schritt in die Bezirksliga trotz der vergleichbar überschaubaren Infrastruktur wagen?

Wer mich kennt, weiß: Kneifen gibt es nicht. Wenn sich diese Chance bieten würde, wäre ich der letzte, der Nein sagen würde. Es wäre für mich eine Riesenherausforderung, mit einem kleinen Verein wie Okel gegen Mannschaften zu spielen, die ganz andere Möglichkeiten haben. Unter anderem würden wir ja auch gegen meinen Heimatverein Sudweyhe spielen. Das wäre sicherlich eine sehr interessante Aufgabe. Aber ich versuche, im Hier und Jetzt zu leben und die Mannschaft ideal auf das Spiel gegen St. Hülfe-Heede am Sonntag vorzubereiten. Wichtig ist, dass wir ruhig arbeiten können. Wir versuchen die Kaderbreite so zu halten, dass die Spieler alle regelmäßig ihre Einsätze bekommen, um jedem das Gefühl zu geben, dass er ein wichtiger Bestandteil ist. Das heißt, dass wir vielleicht auch mal nicht in der – auf dem Papier – Topformation antreten. Aber das ist wichtig für uns. Was am Ende daraus wird und wohin es uns trägt, sehen wir früh genug.

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