07. Juni 2018 / 11:12 Uhr

OSV-Coach Wilfried Bergmann über die Rettung: "Kam Gefühl auf, dass es das gewesen ist"

OSV-Coach Wilfried Bergmann über die Rettung: "Kam Gefühl auf, dass es das gewesen ist"

Mark Bode
Momente der Wende: Gegen den FC Eldagsen kann sich Bergmann endlich wieder über einen Dreier freuen.
OSV-Trainer Wilfried Bergmann durchlebten mit dem OSV eine Horror-Saison - mit Happy End. © Florian Petrow
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Wilfried Bergmann schaffte mit dem OSV Hannover am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der Landesliga und hört jetzt als Trainer auf. Im Interview spricht der Retter über das dramatische Saisonfinale und seine Pläne nach den Oststädtern.

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Herr Bergmann, Glückwunsch zum Klassenerhalt. Um wie viele Jahre sind Sie in den vergangenen Wochen wohl gealtert?

Oh, um einige (lacht). Das war eine ganz intensive Zeit. Es hat Nerven gekostet – und körperlich bin ich auch am Ende. Nach dem letzten Spiel habe ich mich gefühlt, als wenn ich 90 Minuten mitgespielt hätte. So ein Abstiegskampf geht an die Substanz. Ich hatte die Wochen davor oft wenig Schlaf. Immer wieder bin ich nachts aufgestanden und habe mir Gedanken gemacht, was man anders machen könnte, um den Klassenerhalt doch noch zu packen.

Mit Erfolg. Was ging Ihnen nach dem Schlusspfiff Ihrer Partie durch den Kopf?

Erst einmal gar nichts. Es ist pure Freude. Jeder springt einander an, fällt sich um den Hals, spritzt mit Bier und anderen Getränken herum. Das war schon irre. So richtig realisiert habe ich die Sache erst am Montag. Es kamen auch tolle Nachrichten von anderen Trainerkollegen, unter anderem von Martin Polomka vom HSC, Holger Kaiser aus Burgdorf und Kurt Becker aus Ramlingen.

Es sah für den OSV lange Zeit als Vorletzter nicht gut aus. Mal Hand aufs Herz: Wann hatten Sie die Hoffnung auf den Landesligaverbleib aufgegeben?

Die Hoffnung war immer noch ein wenig da. Aber nach dem 0:2 beim Mitkonkurrenten in Eldagsen kam in mir das Gefühl auf, dass es das gewesen ist. Aber das durfte ich nicht nach außen zeigen. Denn als Trainer musste ich den Spielern vorleben, optimistisch zu bleiben. Denn rechnerisch konnten wir es immer noch packen.

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Wieso war der OSV überhaupt in dieser misslichen Lage?

Die Zusammenstellung des Kaders im Sommer war nicht optimal. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Aber es passte nicht. Es war keine Einheit, die Spieler kamen zum Teil untereinander nicht klar. Dann sind wir unglücklich gestartet und es lief alles gegen uns. Was wir am Ende der Rückrunde an positivem Momentum auf unserer Seite hatten, hatten wir in der Hinserie an negativem.

Was meinen Sie konkret?

Wir hatten so viele Spiele, die wir hätten gewinnen müssen. Gegen Tündern im Oktober führten wir 3:0 und geben es noch 3:4 aus der Hand. Oder beim 3:3 zuvor gegen Godshorn hätten wir nie die Punkte teilen dürfen. Nach solchen Erlebnissen schaltet sich bei den Spielern der Kopf ein. Das ist nie gut.

Wie haben Sie dann die Kurve bekommen?

Wir haben im Winter reagiert und personell Dinge verändert. Das Team harmonierte danach deutlich besser. Denn fußballerisch waren wir ohnehin nicht schlecht. Nach dem 2:0 über Bavenstedt am 1. Mai war der Glaube bei den Jungs riesig, dass wir doch noch eine Chance haben. Danach haben uns Nackenschläge auch nicht mehr aus der Bahn geworfen.

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Wer waren in der Kabine die großen Motivatoren?

Das waren eindeutig die Führungsspieler Ertan Ametovski, Yilmaz Dag und Alexander Lackmann. Die haben verbal und auch auf dem Platz brutal gearbeitet und die anderen mitgerissen. Die haben einen ganz großen Anteil daran, dass wir das Wunder noch geschafft haben.

Hat Ihnen Emilio Ortega – Ihr Trainer-Nachfolger – nach dem Sieg in Egestorf gratuliert?

Emilio hatte gefühlt keine Fingernägel mehr. Er hatte sich das Spiel live angeguckt. Es ist für ihn natürlich eine tolle Sache, dass er als Trainer in der Landesliga anfangen kann. Und für mich ist es großartig, zum Abschied nicht abgestiegen zu sein.

Was hätte der Abstieg für den OSV bedeutet?

Man wäre in der Bezirksliga nur noch eines von vielen Stadtteams gewesen und nichts Besonderes mehr. Außerdem gibt es bei der namhaften Konkurrenz mit Stelingen, Döhren, Godshorn, Davenstedt keine Garantie, dass man den sofortigen Wiederaufstieg schafft.

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Wer waren in der Kabine die großen Motivatoren?

Das waren eindeutig die Führungsspieler Ertan Ametovski, Yilmaz Dag und Alexander Lackmann. Die haben verbal und auch auf dem Platz brutal gearbeitet und die anderen mitgerissen. Die haben einen ganz großen Anteil daran, dass wir das Wunder noch geschafft haben.

Hat Ihnen Emilio Ortega – Ihr Trainer-Nachfolger – nach dem Sieg in Egestorf gratuliert?

Emilio hatte gefühlt keine Fingernägel mehr. Er hatte sich das Spiel live angeguckt. Es ist für ihn natürlich eine tolle Sache, dass er als Trainer in der Landesliga anfangen kann. Und für mich ist es großartig, zum Abschied nicht abgestiegen zu sein.

Was hätte der Abstieg für den OSV bedeutet?

Man wäre in der Bezirksliga nur noch eines von vielen Stadtteams gewesen und nichts Besonderes mehr. Außerdem gibt es bei der namhaften Konkurrenz mit Stelingen, Döhren, Godshorn, Davenstedt keine Garantie, dass man den sofortigen Wiederaufstieg schafft.

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Sie sind inzwischen 51. Wie war es für Sie, mit den jungen Spielern den Klassenerhalt zu feiern?

Ach, wir haben alle nicht ins Glas gespuckt und ordentlich Gas gegeben (lacht). Am Ende waren wir noch im Palo Palo, um 3.30 Uhr reichte es mir aber.

Martin Polomka, Trainer des HSC, musste nach dem Aufstieg seine Haare lassen. Fürchten Sie, dass Ihnen noch Ähnliches droht?

Da habe ich den Vorteil, dass man bei mir eigentlich gar nichts mehr abrasieren kann (lacht). Bislang ist vonseiten der Spieler noch nichts passiert. Ich hoffe, sie kommen nicht noch auf dumme Gedanken.

Sind Sie nach diesen stressigen Wochen urlaubsreif?

Eindeutig. Deshalb geht es mit meiner Frau, die mich immer super unterstützt hat, kommende Woche auch für fünf Tage nach London. Dort machen wir alles, was sie gerne möchte. Wenn wir wieder zurück sind, feiern wir unsere Silberhochzeit und dann geht es nach La Palma – eine Woche lang abschalten und etwas wandern.

Und wie geht es mit Ihnen sportlich weiter?

Das ist noch offen. Der OSV möchte mich gerne als sportlichen Leiter haben. Aber der Vorstand hat mir zugesichert, mich im Juni erst einmal nicht mehr zu behelligen. Wir sprechen im Juli dann noch einmal. Und dann sehen wir weiter.

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