19. Juni 2018 / 20:54 Uhr

Özil bis Müller: Steckt wirklich noch genug Weltmeisterliches im Weltmeister?

Özil bis Müller: Steckt wirklich noch genug Weltmeisterliches im Weltmeister?

Patrick Strasser
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Vier Weltmeister, die gegen Mexiko nicht überzeugen konnten: Thomas Müller, Mesut Özil, Toni Kroos und Julian Draxler. Joshua Kimmich will noch Weltmeister werden (von links nach rechts).
Vier Weltmeister, die gegen Mexiko nicht überzeugen konnten: Thomas Müller, Mesut Özil, Toni Kroos und Julian Draxler. Joshua Kimmich will noch Weltmeister werden (von links nach rechts). © imago/Laci Perenyi
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Sie sollen die Mannschaft in Russland führen und den Erfolg von 2014 erneut möglich machen. Doch sind die Weltmeister von Rio wirklich noch auf dem Zenit ihrer Karriere. Oder hat der Abstieg begonnen? Der SPORTBUZZER macht eine Bestandsaufnahme.

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Sie waren auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren, hatten den Gipfel erklommen. Vor vier Jahren in Rio de Janeiro wurde die deutsche Nationalmannschaft um Kapitän Philipp Lahm Weltmeister. Lahm setzte sich ab, trat wie Miroslav Klose und Per Mertesacker zurück. Ein großer Teil der 2014 erfolgreichen Seilschaft scheint nun auf dem Rückweg ins Tal zu sein. Beim Abstieg.

Auf dem Gipfel ist die Luft besonders dünn. Wer dort den WM-Pokal bekommt, kämpft ab diesem glorreichen Moment gegen einen Fluch an. Drei der letzten vier Weltmeister sind vier Jahre später bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Frankreich 2002 (mit zehn Champions beim Auftakt in der Startelf), Italien 2010 (mit sechs Titelverteidigern) und Spanien 2014 (mit acht Weltmeistern) blamierten sich beim Versuch, den schneidigen Winden, die ganz oben wehen, zu trotzen.

Hat man beim 0:1 gegen Mexiko, dem Turnierauftakt der deutschen Nationalelf bei der WM in Russland, das Ende einer Ära gesehen? Erfahrung hat sie, die Mannschaft, die im Luschniki-Stadion zu Beginn auf dem Platz stand, es war die älteste deutsche WM-Elf seit dem Finale 2002 gegen Brasilien (0:2). Erfahrung, Routine – schön und gut.

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Boateng: "Es geht nicht von alleine - ob du Weltmeister bist oder nicht"

Aber hat die Klasse von 2014 noch die Klasse, das spielerisch-taktische Format, sich erneut den Titel holen zu können? „Es geht nicht von alleine – ob du Weltmeister bist oder nicht“, sagte Jérôme Boateng konsterniert.

Acht Weltmeister von 2014 liefen in Moskau auf. Klammert man Torhüter Manuel Neuer (32) aus, der im schwachen Team einer der Besseren war, und Julian Draxler (24), der in Brasilien lediglich 14 Minuten im 7:1-Halbfinale zum Einsatz kam (als die Demütigung des Gastgebers längst perfekt war), bleiben sechs Spieler, die allesamt enttäuschten: Die Innenverteidiger Boateng (29) und Mats Hummels (29), die Mittelfeld-Zentrale Toni Kroos (28), Sami Khedira (31) und Mesut Özil (29) sowie Thomas Müller (28), zuständig für die rechte Außenbahn.

Alles Führungsspieler, die ohne Ausstrahlung kickten, die den Rest der Mannschaft um die WM-Debütanten Joshua Kimmich, Marvin Plattenhardt und Timo Werner weder an die Hand nehmen noch am langen Arm mitreißen konnten. Sie hatten mit sich und ihrer Leistung genug zu tun.

Die Säulen von Bundestrainer Joachim Löw bröckeln, das Weltmeister-Fundament droht einzustürzen. "Wir haben eine relativ junge Mannschaft, keine zu alte, davon sind wir weit entfernt. Die, die schon länger dabei und unser Gerüst sind, verfügen über viel Erfahrung und hohe Qualität, auch wenn man das nicht so gesehen hat", rechtfertigte sich Löw und verteidigte seine „starke Achse“. Die muss dringend repariert werden.

Das 0:1 gegen Mexiko war für Teammanager Oliver Bierhoff "ein Zeichen, dass wir so nicht weitermachen können, dass wir uns so eine erste Halbzeit nicht erlauben können". Die Kritik geht an die Adresse der Weltmeister.

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Löw wird seinen Plan nicht über den Haufen werfen

Was macht Löw nun? „Den Plan über den Haufen schmeißen - das machen wir schon gar nicht“, sagte Löw und fügte mit Nachdruck an: „Wir werden deswegen nicht von unserem Weg abgehen, wir müssen unsere Stärke wiederfinden.“ Dafür müssen die Etablierten vorangehen. Dabei hat es Löw verpasst, einen deutlichen Cut zu machen und die Titelverteidiger-Truppe mit noch mehr Perspektivspielern aus dem erfolgreichen Confed-Cup-Kader von 2017 zu ergänzen. Auf Leroy Sané verzichtete er ebenfalls.

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Lahm nimmt seine Kameraden, die Klasse von 2014, in Schutz: „Man muss dem Bundestrainer und seinem Team vertrauen. Er hat so viel Erfahrung, ist seit 2006 im Amt und seitdem waren wir Minimum immer im Halbfinale eines Turniers“, sagte der Weltmeister bei einem Besuch der deutschen Schule in Moskau. „Löw weiß, wie er eine Mannschaft zusammenstellen muss.“ Er kann und muss es nun beweisen.

Was Hoffnung macht: Brasilien, mit sieben Titelverteidigern im Kader, schaffte es bei der Sommermärchen-WM 2006 immerhin ins Viertelfinale. Kann Deutschland das Vorrunden-Aus vermeiden? „Uns wird das nicht passieren“, betonte Löw kämpferisch, „wir werden es schaffen.“

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