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Paderborn-Coach Baumgart vor Hansa-Spiel:„Viele schätzen mich falsch ein“

Sönke Fröbe
Ex-Bundesligaprofi Steffen Baumgart (45) ist seit April Trainer des SC Paderborn und hat nur eines von 19 Pflichtspielen verloren. © Lutz Bongarts/Getty Images

Trainer Steffen Baumgart machte aus dem Absteiger den Tabellenführer SC Paderborn / Vor dem Spiel gegen Hansa erklärt der Rostocker, wie das möglich war und was er als Coach noch vor hat

Seit Sie im April in Paderborn Verantwortung übernommen haben, ist die Mannschaft in 18 Pflichtspielen ungeschlagen geblieben; am Dienstag hat es sie beim 0:1 in Magdeburg erstmals erwischt. Wie sehr schmerzt das – oder ist vielleicht sogar ein Stück Erleichterung dabei?
Steffen Baumgart: Nein, Erleichterung auf keinen Fall. Wir wollen immer gewinnen, und unsere Leistung in Magdeburg war auch so, dass wir nicht hätten verlieren müssen. Über die Serie haben ohnehin mehr Leute gesprochen, die mit uns nichts zu tun haben. Wir haben einfach versucht, von Spiel zu Spiel unser Ding zu machen, und das hat gut geklappt. Daran wollen wir jetzt wieder anknüpfen.

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Ist es für Sie besonders bitter, dass es ausgerechnet gegen Ihren Ex-Verein passiert ist?
Baumgart: Nein, überhaupt nicht. Wir haben eine sehr gute Leistung unserer Mannschaft gesehen, aber leider kein Tor. Wir ärgern uns, dass wir keinen Punkt geholt haben, aber mit allem anderen können wir zufrieden sein.

Haben Sie es sich in einer stillen Stunde mal bewusst gemacht, dass Sie mit der langen Erfolgsserie der aktuell erfolgreichste Trainer im deutschen Profifußball sind?
Baumgart: Nein, dafür gab und gibt es auch gar keinen Grund. Ich weiß, wie schnell es im Trainergeschäft geht: Heute werfen sie dir Blumen zu und morgen sind die Töpfe dran. Wir haben nicht umsonst immer von einer Momentaufnahme gesprochen. Es geht darum, langfristig und nachhaltig erfolgreich zu arbeiten.

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So verlief die Karriere von Steffen Baumgart

Im Sommer 1994 wechselt Steffen Baumgart (r.) von der SpVg Aurich zum FC Hansa Rostock. Hier ist er 1995 in der Partie gegen Hannover 96 aktiv. © Hartmut Klonowski
Aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes avanciert Steffen Baumgart schnell zum Publikumsliebling in Rostock. © Rainer Schulz
Für keine Grätsche war sich Steffen Baumgart zu schade. Hier ist er gegen den Ex-Bremer Hany Ramzy einen Schritt eher am Ball. © Rainer Schulz
Ein typisches Merkmal von Steffen Baumgart war der ordentlich gerichtete Kragen. Das Hansa-Dress trug der gebürtige Rostocker von 1994 bis 1998 sowie von 1999 bis 2002. © Rainer Schulz
In dieser Szene ist Steffen Baumgart (l.) mit dem FC Hansa gegen den FC Bayern München aktiv. Baumgart erzielte in 185 Partien für die Kogge 32 Treffer. © Rainer Schulz
Steffen Baumgart (M.) hier mit seinen alten Teamkollegen Mohamed Emara (l.) und Andreas Jakbsson. © Rainer Schulz
Steffen Baumgart hat auch eine Vergangenheit beim 1. FC Union Berlin (2002 bis 2004). Neben dem FCH gehörten der VfL Wolfsburg, Energie Cottbus und der 1. FC Magdeburg zu seinen weiteren Stationen. © Jan Kuppert
Beim Spiel der Hansa-Legenden 2011 scherzt Steffen Baumgart mit seinem ehemaligen Teamkollegen Martin Pieckenhagen. © Rainer Schulz
Seine ersten Erfahrungen im Coach-Geschäft machte Steffen Baumgart im Juli 2008 bei Germania Schöneiche als Co-Trainer. Nach seinem Cheftrainer-Posten beim 1. FC Magdeburg (April 2009 bis März 2010) wurde er im Januar 2012 Co-Trainer beim FC Hansa. © Frank Söllner
Er blieb bis Juni 2013 beim FCH, war sogar ein Spiel Interimscoach. Über die Station SSV Köpenick-Oberspree landete Steffen Baumgart im Juli 2015 beim Berliner AK und wurde dort im August 2016 wieder entlassen. © Jan Kuppert\Archivbild
Im Endspurt der vergangenen Saison wurde Steffen Baumgart als Trainer des SC Paderborn vorgestellt. Sportliche verhinderte er den Abstieg des SCP nicht. Die Nordrhein-Westfalen blieben - wegen des Absturzes von 1860 München (von der 2. Liga in die Regionalliga) - dennoch in der 3. Liga. Als Coach verlor Baumgart erst eines von 19 Pflichtspielen in Paderborn. © Carolien Seidel/dpa

Paderborn war sportlich abgestiegen und ist in der 3. Liga geblieben, weil 1860 München keine Lizenz bekommen hat. Jetzt sind Sie Tabellenführer. Ist das Ihre extremste Erfahrung als Trainer?
Baumgart: Das würde ich so nicht sagen. Wenn ich sehe, mit wie viel Ruhe und unter welchen Bedingungen ich hier arbeiten kann, dann ist hier überhaupt nichts extrem. Da habe ich beim Berliner AK (vorherige Trainerstation in der Regionalliga/d. Red.) jeden Tag mehr erlebt.

Wo liegt Ihr Erfolgsgeheimnis?
Baumgart: Es ist nicht mein Erfolgsgeheimnis. Ich bin nicht der, der gewinnt und der hier alles alleine macht. Es sind unsere Jungs, die auf dem Platz stehen und die sehr willig sind; dazu braucht es viele gute Leute, die im Hintergrund helfen – wie das Trainerteam oder unseren Geschäftsführer Sport Markus Krösche. Wenn wir immer wieder ans Limit gehen und unsere Grenzen ausloten, gewinnen wir mehr Spiele als wir verlieren – davon bin ich überzeugt.

Es heißt, Sie sind ein Trainer, der bei seinen Spielern viel über die Motivation erreicht. Stimmt das?
Baumgart: Leute, die glauben mich zu kennen, schätzen mich oft falsch ein. Gerade in Rostock glaubt man schnell zu wissen, ob einer was kann oder nicht. Darin liegt viel Motivation für mich – zu beweisen, dass ich mehr kann als manche Leute mir offenbar zutrauen. Motivation spielt in meiner Arbeit sicher eine Rolle. Aber wenn einer sagt, dass ich nur über die Motivation komme, kennzeichnet das genau das, was den Fußball momentan ausmacht: Es gibt zu viele Besserwisser! Ich arbeite mit meinem Trainerteam täglich sehr stark an Feinheiten, an Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt. Ich halte mich für jemanden, der weiß, wie eine Mannschaft funktioniert. Ich kann mit Menschen vernünftig umgehen und sie in eine Richtung bewegen, die Erfolg bedeutet.

Das Spiel gegen Hansa ist für Sie sicher keines wie jedes andere.
Baumgart: Rostock ist nicht nur ein Verein, bei dem ich lange tätig war – Rostock ist meine Heimat und wird es immer bleiben. Dass ich dem FC Hansa viel zu verdanken habe, steht außer Frage. Das war über einen langen Zeitraum immer ein Geben und Nehmen. Deshalb freue ich mich auf dieses Spiel und versuche, als Trainer des SC Paderborn 07 natürlich, es zu gewinnen.

Hansa ist sehr ordentlich in die Saison gestartet, wie schätzen Sie den Gegner ein?
Baumgart: Ich freue mich, dass Rostock – so wie es scheint – wieder in ein vernünftiges Fahrwasser kommt und dass endlich Ruhe einkehrt, was den sportlichen Bereich angeht. Pavel Dotchev hat es schnell hinbekommen, eine neue Mannschaft zu formen, die diszipliniert und mit hohem Laufaufwand spielt. Er hat einen ganz klaren Plan, wenn man den weiterverfolgt, wird man Erfolg haben.

Blicken Sie im Zorn auf Ihr bislang letztes Hansa-Kapitel zurück? Als Co-Trainer mussten Sie damals gehen.
Baumgart: In unserem Job sollte man ganz schnell lernen, nichts persönlich zu nehmen. Vereinsverantwortliche haben damals eine Entscheidung getroffen. Ich weiß, was den Verein ausmacht und wie viel Liebe dahinter steht. Einen großen Teil dieser Geschichte habe ich mitgemacht. Das wirft man ja nicht weg, weil man sich vielleicht mal ungerecht behandelt gefühlt hat.

Mit Ben Zolinski, Robin Krauße und Dennis Srbeny haben Sie auch ein Stück Hansa in Ihrem aktuellen Team ...
Baumgart: Sie gehören zu der Generation, die im Hansa-Nachwuchs gut ausgebildet wurde. Diese Qualität kann jede Mannschaft gut gebrauchen.

Ihr Saisonziel mit Paderborn?
Baumgart: Wenn man die letzten zwei, drei Jahre sieht, geht es für uns in erster Linie darum, möglichst schnell möglichst viele Punkte zu sammeln und unsere Leistung zu stabilisieren. Mit dem Abstieg wollen wir dieses Mal nichts zu tun haben.

Ist der Aufstieg ein Thema?
Baumgart: Ich kenne in diesem Job keinen, der nicht aufsteigen will. Die Frage ist, ob das realistisch ist.

Könnte Paderborn einen ähnlichen Weg gehen wie Darmstadt 98, das 2013 sportlich abgestiegen war, dann doch drinbleiben durfte und 2014 in die 2. Liga aufstieg?
Baumgart: Diese Frage könnte ich vielleicht beantworten, wenn das Rückspiel gegen Hansa ansteht. Um solche Ziele festzulegen, ist es noch zu früh.

Was wollen Sie persönlich als Trainer erreichen?
Baumgart: Ich möchte so lange wie möglich als Fußballlehrer arbeiten, unabhängig von der Liga. Denn ich weiß, wie schwer und wie eng es ist, überhaupt einen Trainerjob zu bekommen. In den drei deutschen Profiligen sind 56 Cheftrainerjobs zu vergeben. Es ist also nur ein ganz geringer Teil, der in diesen höheren Ligen arbeiten darf. Deshalb spielt die Liga für mich eine untergeordnete Rolle. Ich möchte als Trainer arbeiten, weil es das ist, was ich gerne mache.

Interview: Sönke Fröbe

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