07. Dezember 2018 / 15:09 Uhr

Parallelen zum Absturz 2007: Eintracht Braunschweig zeigt Auflösungserscheinungen

Parallelen zum Absturz 2007: Eintracht Braunschweig zeigt Auflösungserscheinungen

Redaktion Sportbuzzer
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Viele Brandherde, vereinsinterne Rückzüge und ein Absturz, der irgendwie unaufhaltsam scheint - das ist Eintracht Braunschweig im Jahr 2018. 
Viele Brandherde, vereinsinterne Rückzüge und ein Absturz, der irgendwie unaufhaltsam scheint - das ist Eintracht Braunschweig im Jahr 2018.  © imago/Collage
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Dass es sportlich so miserabel in der 3. Liga läuft, führt auch vereinsintern zu einer bedenklichen Situation. Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt scheidet aus, auch Präsident Sebastian Ebel hat seinen Abschied verkündet. Die Zerrüttung erinnert stark an das Jahr 2007, als Eintracht Braunschweig zuletzt aus der 2. Bundesliga abgestiegen ist. 

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Eintracht Braunschweig bricht immer mehr auseinander. Das wurde bei der Jahreshauptversammlung deutlich, die am Donnerstag erst gegen Mitternacht endete. Und eine Überraschung hervorbrachte: Präsident Sebastian Ebel zieht sich zurück.

Symbolisch: Abgang des Führungspersonals

„Es ist Zeit, dieses Amt in andere Hände abzugeben, um dem Wunsch nach grundsätzlicher Erneuerung Rechnung zu tragen“, sagte der 55-Jährige, der seit 2007 im Amt ist. Wenn ein Nachfolger gefunden sei, werde er sein Amt „kurzfristig, spätestens zur nächsten Mitgliederversammlung, niederlegen“, so Ebel.

Der Vereins-Chef, der als solcher auch Aufsichtsrats-Vorsitzender der GmbH ist hat ein zermürbendes Jahr 2018 hinter sich. Mit sportlichem Misserfolg und offenbar auch Grabenkämpfen bisher ungeahnten Ausmaßes.

"Interne Meinungsverschiedenheiten"

Ein Indiz dafür ist ein Zitat des ebenfalls vorzeitig ausscheidenden Geschäftsführers Soeren Oliver Voigt, der in einer der – normalerweise glattgebügelten – Pressemitteilungen von „internen Meinungsverschiedenheiten der vergangenen zwölf Monate“ sprach. Vieles erinnert mittlerweile an den Zweitliga-Abstieg 2007, der eine seiner Ursachen in Zerwürfnissen innerhalb der Führungsebene hatte.

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Bendenklich, wenn alles wegbricht

Damals verlor die Eintracht massenhaft Personal, auch seit dem Abstieg 2018 gab und gibt es reihenweise Abschiede: Kommunikations-Chefin weg, fast alle Trainer weg, fast alle Spieler weg, Sportlicher Leiter weg, Geschäftsführer weg, Präsident weg – genau wie 2007. Und wieder droht im Folgejahr der Absturz in die Viertklassigkeit.

In den Aufsichtsrat wurden derweil die beiden erwarteten Neuen gewählt: Ex-Profi Tobias Rau und Frauen-Fußball-Trainerin Katja Wittfoth, Tochter des NFV-Ehrenmitglieds Hannes Wittfoth. Nichts Gutes verheißt jedoch die Rückzug-Begründung von Ex-Aufsichtsrat Ulrich Markurth, der für sich als Oberbürgermeister einen Rollenkonflikt sieht: „Es kommen wirtschaftlich schwere Zeiten auf den Verein zu, er wird die Stadt brauchen.“

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Der (bald ehemalige) Präsident: Wenn es nach Sebastian Ebel (zugleich Aufsichtsratvorsitzender) geht, darf Erfolglos-Trainer Henrik Pedersen weitermachen. Doch im Aufsichtsrat gibt es auch andere Stimmen. Der bisher für Integrität stehende Vereinschef hat am Samstag nach dem 2:2 gegen Lotte gezeigt, dass er die Lage wohl etwas falsch einschätzt. Als er vor den Südkurven-Fans von einem „saugeilen Spiel“ sprach, wurde er ausgepfiffen und beschimpft. Freilich hatte ein Einheizer der Fans bei diesen direkt zuvor eine Erwartungshaltung geweckt, der Ebel gar nicht entsprechen konnte. So bekam er den ganzen Frust ab. Viele fragen sich aber auch so, ob Ebel den Laden überhaupt noch im Griff hat. Zur Galerie
Der (bald ehemalige) Präsident: Wenn es nach Sebastian Ebel (zugleich Aufsichtsratvorsitzender) geht, darf Erfolglos-Trainer Henrik Pedersen weitermachen. Doch im Aufsichtsrat gibt es auch andere Stimmen. Der bisher für Integrität stehende Vereinschef hat am Samstag nach dem 2:2 gegen Lotte gezeigt, dass er die Lage wohl etwas falsch einschätzt. Als er vor den Südkurven-Fans von einem „saugeilen Spiel“ sprach, wurde er ausgepfiffen und beschimpft. Freilich hatte ein Einheizer der Fans bei diesen direkt zuvor eine Erwartungshaltung geweckt, der Ebel gar nicht entsprechen konnte. So bekam er den ganzen Frust ab. Viele fragen sich aber auch so, ob Ebel den Laden überhaupt noch im Griff hat. ©
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Überraschend: Gewinn in Abstiegssaison

Nach rund 2,7 Millionen Euro Gewinn aus der Abstiegssaison wird für die laufende Saison mit etwa 5 Millionen Euro Verlust gerechnet. Im Winter sollen noch mal neue, vor allem erfahrene Spieler geholt werden – das steht längst fest.

Wer bisher noch keine Angst um den Traditionsverein hatte, dürfte sie spätestens jetzt bekommen. Denn es fehlt inzwischen schlichtweg an Personal, das Wende oder Neuaufbau einleiten könnte. Einer könnte der neue Sportliche Leiter sein, der in den nächsten Tagen vorgestellt werden soll.

Das sind die 15 erfolgreichsten Torjäger von Eintracht Braunschweig.

<b>15. Holger Aden (56 Tore):</b> Nur drei Jahre spielte Aden für die Eintracht, doch in dieser Zeit traf er (fast) wie am Fließband: 56 Tore in 102 Spielen für die Braunschweiger.  Zur Galerie
15. Holger Aden (56 Tore): Nur drei Jahre spielte Aden für die Eintracht, doch in dieser Zeit traf er (fast) wie am Fließband: 56 Tore in 102 Spielen für die Braunschweiger.  ©

Pfitzners "Beförderung": Zwischen Hoffnung und Verzweifelung

Fußball wird dennoch weiter gespielt, und da steht am Samstag (14 Uhr) das wichtige Heimspiel gegen den Halleschen FC an. Bei all den Abschieden könnte es auf dem Platz sogar einen Rückkehrer geben. Trainer André Schubert hat Eintracht-Legende Marc Pfitzner zu den Profis hochgezogen.

Der gebürtige Braunschweiger bestritt von 2007 bis 2016 insgesamt 214 Pflichtspiele für die Eintracht-Profis und kehrte im Sommer nach zwei Jahren bei Werder Bremen II zur Reserve der Blau-Gelben zurück. Zuletzt wurde bereits in Sprechchören aus der Südkurve sein Einsatz gefordert. Dass ein 34-jähriger Oberligaspieler als einziger so was wie Hoffnung verbreitet – auch das spricht Bände über den Zustand von Eintracht Braunschweig Ende 2018.

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